Bundesrat Parmelin findet den Frauenanteil an den Schweizer Professuren zu tief – zum Streit um die Besetzung eines
HSG-Lehrstuhls äussert er sich jedoch nicht

In der Fragestunde des Nationalrats heute Montag wurde Bildungsminister Guy Parmelin (SVP) auf den Streit rund um die Besetzung eines Lehrstuhls für Privatrecht an der Universität St.Gallen angesprochen. Er entgegnete, das Berufungsverfahren sei Sache der Universität und des Kantons.

Adrian Vögele aus Bern
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Bildungsminister Guy Parmelin (SVP).

Bildungsminister Guy Parmelin (SVP).

Peter Schneider / KEYSTONE

Der Bundesrat war heute Montag aufgefordert, sich zu einem Personalentscheid der Universität St.Gallen zu äussern. Es geht um die Besetzung eines Lehrstuhls für Privatrecht an der HSG Law School: Ein junger Anwalt und Oberassistent der Universität Bern wurde mehreren Frauen vorgezogen, die ebenfalls die Endrunde des Berufungsverfahrens erreicht hatten. Dies obwohl die Law School das Ziel verfolgt, den Frauenanteil in ihrer Professorenschaft bis 2022 auf 30 Prozent zu erhöhen. Unsere Zeitung machte den Fall im Februar publik, nachdem Kritik an der Personalie laut geworden war. Zurzeit sind zwei von zwölf Lehrstühlen der Law School von Frauen besetzt, das entspricht einem Anteil von knapp 17 Prozent.

Yvonne Feri, Aargauer SP-Nationalrätin.

Yvonne Feri, Aargauer SP-Nationalrätin.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Die Aargauer SP-Nationalrätin Yvonne Feri konfrontierte den Bundesrat in der Fragestunde mit diesem Fall – und fragte, ob sich dieser vorstellen könne, zu intervenieren. Auch wollte sie wissen, wie die Regierung die «Chancengleichheit in Bezug auf Besetzung von Lehrstühlen an den Schweizer Hochschulen» einschätze.

Bildungsminister Guy Parmelin entgegnete, der Bund sei für den konkreten Fall nicht zuständig. «Die Berufungsverfahren liegen gemäss Verfassung in der Kompetenz der kantonalen Universitäten und der Kantone.» Allerdings habe das ganze Hochschulsystem ein besonderes Interesse an der Gleichstellung von Männern und Frauen. Sie werde auch mit dem Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz angestrebt.

«Auch der Bundesrat ist der Meinung, dass der Frauenanteil bei den ordentlichen Professuren und in den Leitungsorganen der Universitäten erhöht werden muss.»

30-Prozent-Ziel: «Für die Umsetzung ist die Uni verantwortlich»

Die Universitäten hätten Massnahmen getroffen, um die Situation zu verbessern, sagt Parmelin – «und diese Massnahmen tragen langsam Früchte. Der Frauenanteil bei den Professuren liegt im nationalen Durchschnitt bei 23 Prozent». Zu den Massnahmen gehöre auch die Festlegung von Zielwerten für den Frauenanteil. Die Law School der Universität St.Gallen habe sich vorgenommen, diesen Wert bis 2022 auf 30 Prozent zu erhöhen. «Für die Umsetzung dieses Ziels ist die Universität verantwortlich.»

Die HSG wehrt sich gegen Kritik am erwähnten Berufungsverfahren. Der gewählte Kandidat habe dem ausgeschriebenen Profil am besten entsprochen, der Entscheid der Berufungskommission sei einstimmig gewesen. Die Anstrengungen der Universität zur Rekrutierung von Professorinnen würden insgesamt aber Wirkung zeigen, heisst es in einer Stellungnahme der HSG. «So liegt der Frauenanteil bei Neuberufungen gesamtuniversitär inzwischen bei 44 Prozent (bei rund 30 Prozent Bewerbungen von Frauen).»

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