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Der ehemalige Gassen-Mönch
Beno Kehl hat Strafanzeige gegen Sektenexperte Hugo Stamm eingereicht

Wegen eines Artikels auf «Watson» befinden sich der Sektenexperte Hugo Stamm und Beno Kehl, einst Franziskaner-Mönch auf dem Inseli Werd, im Clinch. Stamm wirft Kehl vor, er mache Werbung für die Anastasia-Bewegung mit ihren rassistischen Ideen. Kehl wehrt sich jetzt juristisch dagegen. Er sagt: «Ich bin nicht rechtsextrem».
Ida Sandl
Hier soll der Garten Eden entstehen. Kirchenpräsident Martin Buser und der diakonische Mitarbeiter Beno Kehl auf dem Landstück der evangelisch-reformierten Kirche Sirnach. (Bild: Andrea Stalder)

Hier soll der Garten Eden entstehen. Kirchenpräsident Martin Buser und der diakonische Mitarbeiter Beno Kehl auf dem Landstück der evangelisch-reformierten Kirche Sirnach. (Bild: Andrea Stalder)

Was ärgert Sie so am Artikel von Hugo Stamm?

Beno Kehl: Mir wird unterstellt, ich sei rechtsextrem und völkisch. Das bin ich nicht und das weiss jeder, der mich kennt. Ich arbeite mit Randständigen und habe Hilfsprojekte in Afrika initiiert und begleite sie. Das macht keiner, der rechtsextrem ist.

Sie haben Strafanzeige wegen ehrverletzender Äusserungen gegen Stamm und seinen Mitautor eingereicht. Was möchten Sie damit erreichen?

Der Artikel soll aus dem Internet gelöscht werden. Dann ziehe ich die Strafanzeige zurück. Zuerst wollte ich eine Richtigstellung. Doch es wurde nur geschrieben, dass ich die Vorwürfe von mir weise.

«Der Ton des Artikels
ist sehr verachtend.»

Über Sie gab es schon viele Artikel, Sie sind ein Profi im Umgang mit den Medien.

Bisher hatte ich nie Probleme. Vieles, was über mich geschrieben wurde, hat nicht gestimmt. Das hat mich nie gestört. Diesmal ist es anders. Der Ton des Artikels ist sehr verachtend, es wurden Zitate aus dem Zusammenhang gerissen. Und er schadet meinen Afrika-Projekten und der Evangelisch-reformierten Kirche Sirnach, für die ich arbeite.

Hatten Sie viele Reaktionen?

Bekannte und Freunde haben gefragt, was passiert sei. Ich habe gesagt, es stimmt alles nicht. Von einer Veranstaltung für Hoffnungsträger, an der ich meine Afrika-Projekte vorstellen sollte, bin ich ausgeladen worden.

Hugo Stamm wirft ihnen vor, dass Sie für die Anastasia-Bücher werben, in denen sich antisemitische und rassistische Ideen finden?

Ich sage lediglich, dass ich die Anastasia-Bücher inspirierend finde, was die Natur betrifft. Die antisemitischen Passagen habe ich mehr oder weniger überlesen oder als Freiheit des Romanautors stehen gelassen. Auch in der Bibel findet man antisemitische Textstellen, auch die lasse ich stehen. Trotzdem ist die Bibel für mich ein sehr inspirierendes Buch.

Ist die Geschichte von Anastasia, die mit den Tieren spricht und Wunderkräfte besitzt, nicht sehr esoterisch?

Es ist ein Roman, ein Märchen, viele heilige Legenden berichten Ähnliches. Auch die Bibel kennt solche Erzählungen. Dass es Anastasia, wie sie beschrieben wird, tatsächlich gibt, glaube ich eher nicht. Wenn es sie gäbe, würde ich sie gerne kennenlernen, so wie den Heiligen Franziskus oder andere Heilige. In der Bibel gibt es eine Passage, da bringen Raben das Essen zu Elia.

Was fasziniert Sie an den Büchern?

Die Schilderungen über den Umgang mit der Natur berührten mich wirklich sehr.

Die Anastasia-Bewegung wird von der Fachstelle Infosekta als «problematisch und sektenhaft» eingestuft.

Ob das stimmt, weiss ich nicht. Ich gehöre ja nicht dazu. Diejenigen, die von den Büchern inspiriert sind, haben auf mich keinen sektenhaften Eindruck gemacht. Aber es kann solche geben – wie überall. Ich kann nur sagen, dass auch Ordensgemeinschaften sektenhafte Züge aufweisen können.

Wie meinen Sie das?

Alle sind gleich gekleidet, Verzicht auf Eigentum, unbedingter Gehorsam, kein Sex. Und wenn du den Orden verlässt, musst du mit einem Berufs- und Benutzungsverbot von Kirchen und kirchlichen Räumen rechnen. Da ist man sehr viel weniger kritisch. Klar, es ist ein freier Entscheid mitzumachen und es sind oft sehr kostbare Gemeinschaften. Aber ich denke zur Mitgliedschaft in der Anastasia-Bewegung wird auch niemand gezwungen.

«Ich sehe einfach, was mit unseren Böden passiert und wie unsere Bienen ums Überleben kämpfen.»

Sie sind Mitglied im Verein für Familienlandsitze Schweiz. Wer will, soll sein eigenes Stück Land bebauen und sich möglichst selbst versorgen. Der Verein beruft sich auf Anastasia.

Ich war bei einigen Treffen dabei und kann nur sagen, ich habe offene Menschen getroffen und keinerlei rechtsextreme Tendenzen festgestellt. Sonst würde ich auch sagen, «ohne mich».

Könnten Sie sich vorstellen, mit Ihrer Familie ein Stück Land zu bewirtschaften?

Auf jeden Fall, ich hätte sehr gerne ein Stück Land, auf dem wir unser eigenes Gemüse anbauen könnten. Ich sehe einfach, was mit unseren Böden passiert und wie unsere Bienen ums Überleben kämpfen.

Gibt es eine Lösung?

Jeder sollte im Kleinen anfangen, deshalb legen wir unter anderem in Sirnach unseren «Buntä Chilä-Gartä» an. Stamm unterstellt mir Verschwörungstheorie. Ich beobachte, dass unsere Böden überdüngt sind, die Insekten verschwinden und Vielfalt verloren geht. Ich sehe einen Zusammenhang mit den Pestiziden, schweren Maschinen und Monokulturen, wenn das Verschwörungstheorie ist, bin ich gerne ein Verschwörungstheoretiker.

Sind Sie ein Theoretiker?

Nein, wenn schon, dann bin ich ein Visionär, der den Garten Eden zurückbringen will. Doch jede Vision beginnt mit praktischer Arbeit, in diesem Fall mit Gärtnern und Schaufeln, das wird wohl noch erlaubt sein.

Der Garten Eden

Beno Kehl hat die Vision, das himmlische Paradies in die Gegenwart zu holen. Deshalb legt er auf dem Gelände der evangelisch-reformierten Kirche Sirnach seinen bunten Garten Eden an. Darin soll sich die Vielfältigkeit der Kirchgemeinde zeigen, indem Religionsschüler, Gemeindemitglieder und Behörde im ökologisch ausgerichteten Garten Blumen für die Bienen pflanzen. (red)

Die Anastasia-Bücher


In zehn Bänden beschreibt der russische Esoteriker Wladimir Megre die Begegnung mit Anastasia, die in der Taiga fern jeder Zivilisation lebt. Sie kann mit ihren Gedanken die Welt verändern und spricht alle Sprachen. Neben der Esoterikszene fühlen sich von den Bücher überwiegend Öko-Fundis, rechtsradikalen Reichsbürger und antisemitische Kreise angezogen. (red)

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