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Die Gartenbranche in der Ostschweiz floriert

An der Ostschweizer Frühlingsmesse in St.Gallen ist die Gartenausstellung Teil des Programms. Im Gespräch schildern Gärtner und eine Floristin, warum Floristen auch Psychologen sind und der Garten auch Wohnraum ist.
Rossella Blattmann
An der Gartenschau der Offa 2019 ist der Ostschweizer Floristenverband mit der Sonderschau Frühlingsblumen-Werkstatt vertreten. (Bilder: Adriana Ortiz Cardozo)

An der Gartenschau der Offa 2019 ist der Ostschweizer Floristenverband mit der Sonderschau Frühlingsblumen-Werkstatt vertreten. (Bilder: Adriana Ortiz Cardozo)

«Floristen sind auch Psychologen»

Monika Laib.

Monika Laib.

Monika Laib steht vor der Frühlingsblumen-Werkstatt auf dem Offa-Gelände neben einer Vase mit gelben Ranunkeln. Die 51-jährige Floristin, die in Amriswil und in St.Gallen je ein «Gingko»-Blumenfachgeschäft hat, ist auch Präsidentin des Ostschweizer Floristenverbands. «Wir sind hier an der Offa, weil wir der Ostschweiz zeigen wollen, wie Floristen arbeiten», sagt Laib, während zwei Mitarbeiterinnen frische Blumen in Vasen stellen. Zum Beruf gehöre weit mehr, als Sträusse zu binden.

«Floristen sind auch Psychologen», sagt Laib. Es sei ein emotional anspruchsvoller Beruf. Manchmal komme es vor, dass ein Kunde einem Floristen Intimes aus seinem Privatleben erzähle. Oder es finden gleichzeitig Beratungen für eine Beerdigung und für eine Hochzeit statt. In solchen Situationen braucht es laut Laib viel Fingerspitzengefühl. Es gebe weder einen Standard-Beerdigungskranz noch den einen Hochzeitsstrauss, ergänzt sie. «Denselben Blumenschmuck, den sich ein Kunde für seine Hochzeit wünscht, möchte ein anderer für die Beerdigung eines geliebten Menschen haben.» Das mache den Floristenberuf auch so abwechslungsreich.

Mehr Jugendliche sollen Floristen werden

Laib bedauert, dass handwerkliche Ausbildungen wie die dreijährige Floristenlehre in den Schulen immer weniger Aufmerksamkeit bekommen: «Es muss nicht immer ein Uni-Studium sein.» Auch wenn man sich als Florist die Hände schmutzig mache und am Samstag arbeite, sei es ein schöner und erfüllender Beruf. Das sieht nicht nur Monika Laib so: «Es wollen wieder mehr Jugendliche eine Floristenlehre machen.»

Die Konkurrenz hält auch im Floristenmarkt keinen Dornröschenschlaf. Der Beruf befinde sich im Wandel, sagt Laib. Von den Floristen werde immer mehr Kreativität gefordert. «Um zu bestehen, ist es wichtig, dass man sich diesem Wandel hingibt.» ­Offen für Neues zu sein, sei unabdingbar. Das gelte auch für sie selbst. 2017, als der Thurgau Gastkanton an der Olma war, haben Laib und ihr Team den Blumenschmuck für die Kühe am grossen Umzug durch St.Gallen gemacht. Der nicht alltägliche Auftrag habe ihr und ihren Mitarbeitern viel abverlangt – dennoch habe es sich gelohnt. «Es war eine unvergessliche Aufgabe», sagt sie.

Der Garten wird zum Wohnraum

Thomas Gassner.

Thomas Gassner.

Der 62-jährige Innerrhoder Thomas Gassner hat schon so manchen Garten gesehen. Seit er 16 Jahre alt war, arbeitet der Ostschweizer Landschaftsgärtner in und mit Gärten. Gassner führt das Gartenbauunternehmen Gassner Garten in Appenzell. An der Offa ist er dieses Jahr das neunte Mal als Aussteller dabei. Aufwand und Kosten seien gross. Doch er könne es sich nicht leisten, auf den Gang an die Frühlingsmesse zu verzichten. Zu gross sei der Werbeeffekt an der Messe. «An der Offa machen wir 70 Prozent unseres Jahresumsatzes.»

Der Gewinn von Kunden an der Offa ist für Gassner zentral. «In Appenzell haben wir hinter uns den Alpstein.» Der Kundenkreis sei beschränkt, schmunzelt er. Um in der Gartenbranche bestehen zu können, müsse er sich in Richtung St.Gallen und Bodensee orientieren.

Vom Statussymbol zum Wohnzimmer

Bedeutung und Funktion eines Gartens haben sich laut Gassner über die Zeit stark verändert. «Früher war ein Garten an erster Stelle ein Statussymbol.» Es habe einfach dazugehört, einen Garten zu besitzen. Viel Zeit in Gestaltung und Pflege habe man allerdings nicht investiert. «Heute ist der Garten für viele Menschen wie ein zweiter Wohnraum.» Dadurch sei die Arbeit als Landschaftsarchitekt anspruchsvoller geworden.

Die Ostschweizerinnen und Ostschweizer hätten heute ein grosses Bewusstsein für die einheimische Fauna und Flora. Einen bestimmten Gartentrend gebe es zwar nicht. «Doch die Berücksichtigung der Biodiversität ist ein Aspekt, den ich, wenn ich einen neuen Garten plane, immer mehr miteinbeziehe.»

In seinem Betrieb bildet Gassner auch Gartenbauer aus. Der Appenzeller bedauert, dass die Zahl der Lehrlinge in der Gartenbranche tendenziell schrumpfe: «Alle wollen etwas mit Computer machen.» Heute brauche man als Folge der Technologisierung deutlich weniger Personal für körperliche Arbeitsschritte. Dennoch bleibe Arbeit in der Gartenbranche physisch anstrengend, das schrecke viele potenzielle Lehrlinge ab. Das Schönste am Gärtnerberuf sei die Arbeit an der frischen Luft, sagt der Landschaftsgärtner. «Draussen zu sein, mit der Natur zu arbeiten: Das ist für mich das Grösste», sagt Gassner, und strahlt breit über das ganze Gesicht.

«Frauen tun unserem Beruf gut»

Die Gartenbranche in der Ostschweiz boomt. Der Landschaftsgärtner Marco Schafflützel ist Präsident von Jardin Suisse Ostschweiz . «Den Ostschweizer Gärtnern geht es sehr gut», sagt der Inhaber von «Varioplant» in St.Gallen. Vor 15 Jahren habe der Boom begonnen. Wie auch Thomas Gassner sagt der 40-Jährige, dass sich die Funktion und der Stellenwert eines Gartens in den letzten Jahren stark gewandelt habe. Heute sei der Garten für die Menschen zu einem zweiten Lebensraum geworden. «Die Ostschweizerinnen und Ostschweizer verbringen deutlich mehr Zeit draussen im Garten als früher, wo man im Garten nicht viel anderes machte, als ein bisschen Rasen mähen und Fleisch grillieren.»

Naturstein, Rosenstöcke und ein Pool

Vor 25 Jahren sei Naturstein zum Beispiel im herkömmlichen Garten noch kein Thema gewesen. Man habe damals einfach Betonpflaster genommen und fertig. Heute hingegen sei das ganz anders: «Materialien wie Keramik oder Naturstein, Rosenstöcke, eine schöne Beleuchtung oder ein Pool: die Leute gestalten ihren Garten so, als würden sie ihre Wohnung einrichten.» Das mache den Gärtnerberuf vielfältiger als früher. Der eigene Garten soll nicht mehr nur funktional sein. «Heute muss ein Garten wie ein Gemälde aussehen.»

Der Arbeitstag eines Gärtners findet vor allem draussen statt – bei Wind und Regen, 365 Tage im Jahr. Das könne auf angehende Auszubildende abschreckend wirken, sagt Schafflützel. «Andere wiederum denken: Ah, schön, im Sommer im T-Shirt draussen ein bisschen Hecken schneiden und braun werden.» Doch der Schein trügt. In den Sommermonaten lässt die Sonne die Temperaturen teilweise bereits um neun Uhr morgens in die Höhe hochschnellen und den Schweiss nur so tropfen. «Im Hitzesommer des vergangenen Jahres bin ich mehrere Male mit einer Truhe Glace bei meinen Angestellten vorbeigegangen.»

Hundert Lernende pro Jahr

Dennoch ist eine Gärtnerlehre bei den Jugendlichen in der Ostschweiz beliebt. «Pro Jahr beginnen in den Kantonen St. Gallen und den beiden Appenzell sowie im Fürstentum Liechtenstein insgesamt hundert Lernende eine Lehre im Gartenbereich», sagt Schafflützel. Er habe keine Mühe, Schnupperstifte oder Lernende für seinen Betrieb zu finden.

Auch immer mehr junge Frauen würden den physisch anspruchsvollen Beruf der Landschaftsgärtnerin wählen. Von insgesamt 15 Angestellten in Schafflützels eigenem Betrieb sind drei Frauen. Vor ein paar Jahren sei eine solche Situation noch unüblich gewesen. «Ich bin froh,dass sich die Zeiten geändert haben. Frauen tun unserem Beruf gut. Sie bringen eine neue Perspektive mit», betont er. (bro)

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