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Die hochansteckende Fuchsräude breitet sich in der Ostschweiz aus – auch Menschen und Hunde betroffen

In allen vier Ostschweizer Kantonen leben räudige Füchse in den Wäldern. Für das Wildtier sind die Folgen fatal. Doch auch für Hund und Mensch hat die Krankheit unangenehme Auswirkungen.
Rossella Blattmann
Auch dieser junge, gesunde Fuchs ist nicht vor der Räudemilbe gefeit. (Bild: Daniel Hubacher/Keystone)

Auch dieser junge, gesunde Fuchs ist nicht vor der Räudemilbe gefeit. (Bild: Daniel Hubacher/Keystone)

Ausgerupftes Fell, verkrustete Haut – es ist kein schöner Anblick. In Teilen des Kanton Zürich breitet sich die Fuchsräude derzeit rasant aus. Auch wenn die Lage in der Ostschweiz weniger prekär als im Zürcher Nachbarkanton ist: In sämtlichen vier Ostschweizer Kantonen ist die Fuchsräude aktuell präsent.

Arno Puorger, Fachmitarbeiter Jagd bei der Jagdverwaltung des Kantons, sagt:

«Momentan haben wir im Kanton St.Gallen flächendeckend Fuchsräude.»

Aktuell meldeten die Jäger wieder mehr Fälle. Vor allem in der Region See-Gaster scheine es eine Häufung zu geben. «2019 sind uns bisher 23 Füchse gemeldet worden, die aufgrund eines Räudebefalls erlegt wurden», sagt Puorger. 2018 waren es insgesamt 96. Zwischen 2013 und 2015 hatte sich laut Puorger die Räude im Kanton St.Gallen letztmals stark ausgebreitet, vor allem im Rheintal und im Sarganserland.

Eine Milbe ist der Übeltäter

«Im Kanton St.Gallen sind die Jäger verpflichtet, räudige Rotfüchse zu erschiessen», so Puorger. Die kranken Füchse seien an ihrem abgescheuerten Fell und der verkrusteten Haut für die Jäger sehr gut erkennbar. Jedoch würden viele räudebefallene Füchse von Jägern oder Wildhütern gar nicht erst aufgefunden.

Der Auslöser der lästigen Seuche ist eine Milbe. Die Räude ist eine Hautkrankheit, die durch Grabmilben der Gattung Sarcoptes hervorgerufen wird. «Die Grabmilben bohren sich in die Haut», sagt Roman Kistler, Leiter der Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons Thurgau. In diese Bohrgänge legen die Milben ihre Eier ab. Die Milben ernähren sich von Hautzellen und Gewebeflüssigkeit. Kistler sagt:

«Man nimmt an, dass die Hautveränderungen infizierter Tiere auf eine allergische Reaktion auf die Milben und ihre Abfallprodukte zurückzuführen sind.»

Der ausgelöste Juckreiz ist für die Tiere so stark, dass diese sich Fellbüschel ausreissen und blutig kratzen. Die von Krusten und Rissen übersäten Tiere werden immer schwächer, bis sie nicht mehr in der Lage sind, sich Nahrung zu beschaffen, und schliesslich nach ungefähr drei Monaten verenden.

Die Übertragung der Sarkoptes-Milben erfolgt laut Kistler hauptsächlich durch direkten Kontakt zwischen Tieren. Starke Epidemien würden daher vor allem bei sozialen Tierarten auftreten. Die Milben könnten aber auch von ihrem Wirt auf den Boden fallen und mehrere Wochen in der Umwelt überleben. «Dadurch infizieren sie wieder andere Tiere, zum Beispiel Hunde, die sich an Ruheplätzen oder in Bauen von infizierten Füchsen aufhalten», sagt er. Nebst den Füchsen sind auch andere Wildtiere gefährdet.

«Auch Luchse, Wildschweine oder Wölfe können mit unterschiedlichen Arten von Grabmilben befallen werden.»

Auch Menschen und Hunde betroffen

«Beim Menschen löst die Räudemilbe einen sehr starken Juckreiz aus», sagt Kistler. Doch die Hautveränderungen seien weniger ausgeprägt wie bei Tieren. Der Juckreiz lasse sich durch einen Arzt behandeln. Die Rötung dehne sich meistens nicht aus und heile spontan ab. Der Amtsleiter ergänzt:

«Häufig erkranken auch Hunde an der Fuchsräude.»

Mit einem Gang zum Tierarzt lasse sich die Fuchsräude heilen.

Auch im Kanton Thurgau ist die Fuchsräude präsent. Im Thurgau gibt es knapp 90 Jagdreviere. «In 70-75 davon, also in Dreivierteln, treiben sich an Fuchsräude erkrankte Füchse umher», sagt Kistler. Im Kanton Thurgau trete die Fuchsräude erst seit 2014 regelmässig und flächendeckend in Erscheinung. 2015 sei es ziemlich ruhig gewesen, ab 2016 nahmen die Fälle wieder zu.

Dieser Trend hat sich fortgesetzt. «Im 2017 und 2018 kann man wieder von einer starken Ausbreitung auf einem grossen Teil des Kantons sprechen», sagt Kistler. Fuchsräude trete häufig in Wellenbewegungen auf, ergänzt er. Dieses Auftrittsmuster sei typisch für viele Seuchen. Er sei in regelmässigem Kontakt mit den Jagdaufsehern im Thurgau. «Die Anzahl der erkrankten Füchse flacht nicht ab.» Wann sich die Lage wieder beruhige, könne er zu diesem Zeitpunkt nicht sagen.

Auch im Appenzellerland ein Problem

In Appenzell Innerrhoden taucht die Fuchsräude ebenfalls auf. «Wir haben flächendeckend räudige Füchse», sagt Ueli Nef, Jagd- und Fischereiverwalter des Kantons. Doch die Anzahl der Fuchsräudefälle würde nicht systematisch überwacht. In Appenzell Ausserrhoden hingegen gab es laut Heinz Nigg, Leiter des Amtes für Raum und Wald des Kantons Appenzell Ausserrhoden, im vergangenen Jahr 67 tote Füchse, die an Fuchsräude erkrankt waren. In Ausserrhoden sei die Fuchsräude seit 2010, das heisst seit zehn Jahren, präsent.

Räudige Füchse streifen dieser Tage nicht nur durch die Ostschweizer Wälder. Wolfgang Kersting, Wildhüter beim Amt für Umwelt Liechtenstein, sagt:

«Zwischen März 2018 und Februar 2019 wurden im ganzen Fürstentum rund zehn räudige Füchse erlegt, beziehungsweise tot aufgefunden.»

Der bisherige Höhepunkt sei mit 60 toten Füchsen zwischen März 2014 und Februar 2015 erreicht worden. Seither schwanke in Liechtenstein die Zahl zwischen 20 und 25 Fällen.

Im Vorarlberg grassiert gemäss Landesveterinär Norbert Gerber die Fuchsräude seit 2014. «Mit dem Auftreten von Fuchsräude auf niedrigem Niveau ist überall bei uns zu rechnen», sagt Gerber.

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