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«Ein Desaster für die Gesundheitspolitik»: Die Pläne zum Spital Wattwil überraschen

Wattwil hält der kantonalen Strategie eine eigene Idee für ihr Spital entgegen. Die einen loben den Einsatz der Gemeinde, andere sehen ihn als Vorbote des Zerfalls.
Noemi Heule
Die Gemeinde Wattwil will ihr Spital erhalten - und geht dafür eigene Wege. (Bild: Mareycke Frehner)

Die Gemeinde Wattwil will ihr Spital erhalten - und geht dafür eigene Wege. (Bild: Mareycke Frehner)

Das Spital Wattwil steht nicht alleine da. Es ist eines von fünf Spitälern im Kanton, deren Zukunft gefährdet ist. Um sich aus dieser Ungewissheit zu befreien, sucht die Gemeinde allerdings den Alleingang. Am Donnerstag präsentierte der Wattwiler Gemeinderat eine Idee, wie es mit dem Spital weitergehen könnte, unabhängig von der kantonalen Spitalstrategie. Den Alleingang wählte die Gemeinde auch bei der Ausarbeitung des Modells. Weder der Verwaltungsrat, noch die St. Galler Regierung waren informiert, stattdessen wurden externe Berater hinzugezogen.

Felix Sennhauser, Verwaltungsratspräsident der St.Galler Spitalverbunde

Felix Sennhauser, Verwaltungsratspräsident der St.Galler Spitalverbunde

«Überrascht» zeigt sich denn auch Verwaltungsratspräsident Felix Sennhauser. Seit Anfang Woche hat er Kenntnis von den Plänen, die das Spital aus dem Verbund lösen und in eine eigenständige, privatrechtliche Organisation überführen wollen. «Das Angebot zum gegenseitigen Austausch war immer da», hält er fest. Zum konkreten Modell – der Wattwiler Gemeinderat bezeichnet es als Vision – können sich Sennhauser wie alle angefragten Exponenten aus Politik und Spitalverbunden, nicht konkret äussern. Präsident Sennhauser bezeichnet sie als «eine erste Ideensammlung». Ob sie machbar sei, werde die weitere Arbeit zeigen. Im Moment sind noch zu viele Fragen offen: Die Anzahl Betten oder Arbeitsplätze, Finanzierung, Rechtsform oder die Zusammenarbeit mit anderen Spitälern und der Ärzteschaft vor Ort.

Würdigung für die Arbeit aus Wattwil

Dennoch sieht Sennhauser die Arbeit der Gemeinde in erster Linie positiv. Viele Überlegungen würden sich mit denjenigen des Verwaltungsrates decken. Er sagt:

«Es ist gut, dass der Wattwiler Gemeinderat erkannt hat, dass der Status Quo keine Zukunft hat.»

Und dass er sich mit Alternativen auseinandersetze, genauso wie das nun der Lenkungssausschuss tut, dem Mitglieder des Verwaltungsrates und der Regierung angehören. Ähnlich tönt es bei Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann, die das Gremium präsidiert. Auch sie will der Wattwiler Wunschidee keinen Gegenwind entgegensetzen. «Wir begrüssen das aktive und konstruktive Mitarbeiten», schreibt sie in einer Stellungnahme. Der Vorschlag werden als Alternative diskutiert.

Verhaltene und dezidierte Stimmen aus dem Parlament

FDP-Kantonsrat Thomas Ammann, selber Arzt, stellt zu den offenen Fragen weitere dazu: Ob eine Klinik, die sich auf Innere Medizin konzentriere rentabel sein könne? Ob ein Notfall ohne Chirurgie Sinn mache? Ammann zeigt Verständnis, dass die Gemeinde um ihr Spital kämpft, schliesslich handle es sich um einen «Attraktivitätsbonus». Allerdings setzt ein Austritt aus dem Verbund eine Gesetzesänderung voraus, zudem wäre das Spital weiterhin auf einen kantonalen Leistungsauftrag angewiesen. Ammann spricht denn auch, wenn überhaupt, von einem «langen, langen Weg», während Wattwil die Zeit davonrenne.

Auch Peter Hartmann, Mitglied der SP-Grüne-Fraktion im Kantonsrat, äussert Verständnis für jede Gemeinde, die versuche Unterstützung zu finden. Aber:

«Gesundheitspolitik darf nicht auf Gemeindeebene erfolgen.»

Er spricht von einem «Desaster» und vom «Zerfall der gemeinsamen Gesundheitspolitik im Kanton». Dass nun jeder versuche sein eigenes Süppchen zu kochen spare keine Kosten. Seine Kritik gelte nicht der Gemeinde, sondern Verwaltungsrat und Regierung, welche diese Diskussion eingeleitet oder zugelassen hätten.

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