Die Thurgauer Maturanden fühlen sich unfair behandelt – sie müssen weiterbüffeln, während etwa die Zürcher die Matura praktisch schon im Sack haben

Auch im Corona-Jahr legen die Thurgauer Kantonsschüler die Abschlussprüfungen ab. Sie hofften vergebens auf eine schweizweit einheitliche Lösung.

Silvan Meile
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Die Thurgauer Gymnasiasten müssen ab 8. Juni die Abschlussprüfungen schreiben.

Die Thurgauer Gymnasiasten müssen ab 8. Juni die Abschlussprüfungen schreiben.

Gaetan Bally / KEYSTONE
  • Bundesrat Guy Parmelin überlässt den Entscheid, ob Maturaprüfungen stattfinden, den Kantonen.
  • Erziehungsdirektorin Monika Knill stellte bereits klar, dass im Thurgau die Abschlussprüfungen trotz Corona geschrieben werden müssen.
  • Thurgauer Kantonsschüler sind enttäuscht. Sie hofften auf eine nationale Lösung und somit Fairness gegenüber Kollegen anderer Kantone.

Max Slongo ist enttäuscht vom Bundesrat. Der hätte noch helfen können. Doch er tat es nicht. Am Mittwochnachmittag hat Guy Parmelin, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung, an einer Medienkonferenz verkündet, dass bezüglich der Maturitätsprüfungen «eine föderalistische Lösung» gelte.

Somit entscheidet jeder Kanton selber, ob er die Abschlussprüfungen an den Mittelschulen durchführen lässt. Slongo sagt:

«Es ist bedauerlich, dass sich der Bundesrat nicht zu einer einheitlichen, schweizweiten Lösung durchringen konnte.»

Er ist Präsident der Schülerorganisation der Kantonsschule Romanshorn.

Die Thurgauer Maturanden fühlen sich unfair behandelt. Vergangene Woche wurde bekannt, dass sich die Erziehungsdirektoren in dieser Frage uneinig sind. Während etwa die Kantone Zürich und Bern bekanntgaben, auf die Abschlussprüfungen zu verzichten, schlug die Thurgauer Erziehungsdirektorin Monika Knill einen anderen Weg ein. «Die Thurgauer Mittelschulen werden die schriftlichen und mündlichen Abschlussprüfungen unter inhaltlicher Berücksichtigung der speziellen Situation wie geplant ab dem 8. Juni 2020 durchführen», schrieb ihr Departement.

Dieses Vorgehen hat nun der Bundesrat gutgeheissen, in dem er den Kantonen die Entscheidung überlässt. Die Thurgauer Maturanden müssen nochmals richtig büffeln, während ihre Kollegen in anderen Kantonen sich in Sicherheit wiegen können, sofern die Zeugnisnoten stimmen.

Es sei nicht nur unglücklich, dass Gymnasiasten in anderen Kantonen einfacher zur Matura kommen, sagt Slongo, sondern auch ungerecht. Der angehende Student an der Pädagogischen Hochschule weiss auch ein Beispiel: Wer nach der Matura ein Medizinstudium starten wolle, müsse am 3.Juli zum Eignungstest antraben. So hätten Anwärter aus anderen Kantonen deutlich mehr Zeit, sich auf diese Aufnahmeprüfung vorzubereiten als die Thurgauer, die bis wenige Tage davor noch ihre Kantiprüfungen schreiben.

Protestschreiben der Maturanden

Die Thurgauer Kantonsschüler haben sich mit einem Schreiben bei Erziehungsdirektorin Monika Knill (SVP) beschwert. 327 von 413 Maturanden haben gemäss Slongo unterschrieben. Die zentrale Forderung: Die Abschlussprüfungen absagen. In einem Telefongespräch habe die Erziehungsdirektorin ihren Entscheid begründet und daran festgehalten.

Unter Einhaltung der gesundheitlichen Schutzmassnahmen sollen die Schülerinnen und Schüler ihre Ausbildung an den Thurgauer Mittelschulen regulär abschliessen können. Bei den Anforderungen an die Prüfungen soll aber auf die spezielle Situation mit dem Fernunterricht Rücksicht genommen.

Regierungsrätin Monika Knill war gestern nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Ihr Sekretariat verwies auf eine Medienorientierung am Donnerstagnachmittag. Gegenüber SRF sagte sie vor einigen Tagen: Die Prüfungen zum Abschluss der Mittelschulzeit seien auch eine Krönung, ein «Schlussbouquet, und das möchten wir den jungen Menschen nicht vorenthalten, das gehört irgendwie dazu». Für Slongo gehörten jedoch auch eine Abschlussreise und eine Feier zu einem solchen Schlussbouquet. Das fällt aber dieses Jahr definitiv ins Wasser.