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«Bi en richtige Saugoof gsi»: Schauspieler Walter Andreas Müller im Gespräch mit Bea Petri im «Phönix» in Steckborn

Schauspieler, Parodist, Satiriker, Radio- und TV-Moderator sowie Globi-Stimme Walter Andreas Müller gastierte am Sonntagabend im Phönix-Theater Steckborn und brachte die Stimmung im Gespräch mit Bea Petri zum Glühen.

Margrith Pfister-Kübler
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Auf dem roten Sofa beim Talk mit Walter Andreas Müller und Talk-Chefin Bea Petri.

Auf dem roten Sofa beim Talk mit Walter Andreas Müller und Talk-Chefin Bea Petri.

Bild: Margrith Pfister-Kübler

Geradezu ein Müller-Mysterium offenbarte schon der filmische Vorspann mit Polizeisirenen, als Schauspieler, Parodist, Satiriker, Radio- und TV-Moderator und Globi-Stimme Walter Andreas Müller (WAM) am Sonntagabend im Phönix-Theater Steckborn zum Talk «Bea Petri im Gespräch mit ...» auf dem roten Sofa Platz nahm. Das Publikum kam in Scharen, WAM (Jahrgang 1945) wirkte wie ein Zeitmesser, und Bea Petri spickte das Gespräch mit so inspirierenden Fragen und Details, dass das Publikum nur schon mit den Bildern über Müllers Karriere mitgerissen wurde. Es flimmerten Filmausschnitte als Fischer von der Bettwarenfabrik, über die Bundesräte Christoph Blocher und Moritz Leuenberger bis zu Rollen als Hans Meier in «Fascht e Familie». Sogar ein Jodler ging über die Leinwand.

«Was der alles kann», flüsterte eine Besucherin. Das Müllersche «Grüezi» mit seinem blitzblanken schelmischen blauen Blick sorgte für positive Energieübertragung. Und Bea Petri schüttelte ihre Mähne und liess schnell ahnen, worin das Sosein von Müller ist. Sie sagte:

«Du machsch eifach alles.»
Bea Petri, Talk-Leiterin.

Bea Petri, Talk-Leiterin.

Bild: Andrea Stalder

Müller erzählte frei von der Leber weg, wie er Bundesrat Blocher oder den Fussballfunktionär Sepp Blatter «nachmachte». Mit der entsprechenden Mimik löste er ehrliche Bewunderung aus. Müller nahm das Publikum mit auf seine bisherige Lebensreise und wurde durch Bea Petri immer wieder mit einem hohen Mass an Feingefühl auf Eckpunkte fixiert. Sketches, TV-Auftritte bis hin zu privaten Bildern von seinem Erdhaus im Zürcher Oberland und seiner Oldtimerleidenschaft liess WAM das Publikum miterleben, wie so ein Künstlerleben tickt. Immer wieder waren heitere Lachsalven im Publikum zu hören.

Globi-Stimme seit 1976

Weil Walter Andreas Müllers Stimme auch aus zahlreichen Kindersendungen und -hörspielen bekannt ist, steigerte sich das Vergnügen des Publikums. Seit 1976 spielt er den Globi mit über drei Millionen verkauften Tonträgern.

«Für mich ist Globi ein Wegbereiter gewesen. Es ist eine Ehre, dass Globi immer noch so gut läuft.»
Walter Andreas Müller, Schauspieler, Parodist, Satiriker, Radio- und TV-Moderator und Globi-Stimme.

Walter Andreas Müller, Schauspieler, Parodist, Satiriker, Radio- und TV-Moderator und Globi-Stimme.

Bild: Mario Testa

Lachend erzählt er, wie er von einem Buben völlig entgeistert angeschaut wurde, und der Bub sagte: «Was, so en alte Maa, und das isch de Globi.» Müller gab sofort ein Müsterli von seiner Globi-Stimme und erntete Applaus. Es wurde klar, dass er, der einst von Hollywood träumte, in der Schweiz seinen Boden fand. Er übt seinen Beruf immer mit Vergnügen aus. Um es genauer zu sagen: Er übt sein Vergnügen als Beruf aus.

«Zweitmutter» verantwortlich für Karriere

Da hakte Bea Petri im Privaten nach: «Man weiss so nichts über deine Herkunft.» Müller holte Luft und sagte: «Da muss ich aufpassen, dass ich nicht zu viel schwätze.» Dann liess er das Publikum teilhaben an seinem privaten Start. Als Einzelkind ist er aufgewachsen in Wollishofen. Der Vater war Maschinensetzer (heute heisst das Polygraf) bei der NZZ, und als Walter Andreas vierjährig war, wurde seine Mutter krank. Kinderlähmung und Epilepsie. Er sagt nachdenklich:

«Ich mag mich haarscharf daran erinnern, wie sie umgefallen ist.»

Im Februar 1951 ist die Mutter 34-jährig gestorben. «Ich kam zuerst zu einer Tante nach Thalwil und wurde von der Grossmutter betreut.» Als er elfjährig war, hat sein Vater wieder geheiratet. «Ich war eifersüchtig und bin en richtige Saugoof gsi», blendet er zurück. Dann spricht er liebevoll von seiner «Zweitmutter», die vor zwei Jahren 97-jährig gestorben ist. «Sie ist schuld, dass ich Schauspieler wurde.» Denn mit seiner Zweitmutter und Vater ging's einst zu den Seespielen nach Steckborn. «Ich erinnere mich an die Lustige Witwe-Aufführung.»

Beim Musik-Hug hat er eine KV-Ausbildung abgeschlossen und wollte aber Opernsänger werden. Mit einer Körpergrösse von 1,62 m habe er aber zu den Kleinwüchsigen gehört. Also nichts mit Heldentenor. «Ich wollte nach Hollywood, wollte gross usecho.» Er setzte auf Schauspielunterricht, bekam Engagements. «Bis zu meinem 35. Altersjahr habe ich Buben gespielt», sagt er und nickt dazu. 1978 hat er in der Niederdorfoper – Musical von Paul Burkhard – den Jüngling gespielt. Er bot dem Publikum Einblick in die Szenerien der Schauspielerei, des Radios, TV und Film.

Irgendwann war der Phönix-Talk zeitlich zu Ende, obwohl das Publikum noch stundenlang hätte lauschen mögen, weil WAM so im Menschlichen blieb, übte der Abend eine besondere Wirkung aus. Tosender Applaus war der Dank und eine Steckborner-Tasche mit Spezialitäten bekam er mit auf den Nachhauseweg.