Strassenplanung
Für die BTS sollen die Bahngleise angehoben werden: Doch kein Viadukt vor Weinfelden

Die Bodensee-Thurtalstrasse soll westlich von Weinfelden doch noch unter der SBB-Strecke durchführen. Dafür müssen aber die Gleise um zwei Meter angehoben werden. Das macht das umstrittene Viadukt hinfällig und das Grundwasser werde dennoch genügend geschützt, heisst es beim Kanton.

Silvan Meile Jetzt kommentieren
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Ein Modell zeigt das einst geplante Strassenviadukt am Fusse des Ottenbergs.

Ein Modell zeigt das einst geplante Strassenviadukt am Fusse des Ottenbergs.

Donato Caspari

Die 33 Kilometer lange und 1,5 Milliarden Franken teure Bodensee-Thurtalstrasse (BTS) von Bonau nach Arbon erfährt nochmals eine Planänderung. Ein Viadukt ist nun nicht mehr geplant, sagt Peter Imbach, BTS-Gesamtprojektleiter beim Kanton Thurgau. 2019 überraschte der Kanton mit den Plänen, dass zum Schutz des Grundwassers westlich von Weinfelden eine mächtige Strassenbrücke die Eisenbahnlinie überqueren soll. Denn die Strasse unter der Bahnlinie in Richtung des geplanten Ottenbergtunnels zu leiten und damit ins Grundwasservorkommen zu bauen, sei nicht verantwortbar, hiess es damals. Wie ein Riegel würde die unterirdische Strasse den Grundwasserstrom stören. Zu gross sei die Gefahr, dass das dortige Trinkwasser im Untergrund beeinträchtigt werden könnte.

Nicht nur die Weinfelder staunten, als der Kanton ein grosses Strassenviadukt vorstellte, dass auf der flachen grünen Wiese am Eingang der Stadt über die Bahngeleise gebaut werden soll. Sofort kam Kritik auf, wegen der Ästhetik und des befürchteten Lärms, der sich vom Viadukt in die Quartiere verbreite. Dennoch übergab der Kanton Thurgau im Dezember 2019 die abgeschlossene Projektierung der BTS inklusive Viadukt an das Bundesamt für Strassen (Astra), das für diese geplante Nationalstrasse zuständig ist.

Bahngleise werden um zwei Meter angehoben

Nun ist das Viadukt aber wieder vom Tisch. Auch weil der Widerstand gegen eine solch mächtige Betonbrücke sehr gross war, wurde das SBB-Trasse in die weiteren Abklärungen miteinbezogen, erklärt Peter Imbach. Um die in den Boden versenkte Strasse grundwasserkonformer zu bauen, soll sie nun weniger tief gelegt werden. Stattdessen ist geplant, das bestehende doppelspurige Gleis der SBB um zwei Meter anzuheben.

In dieser «optimierten Tiefenlage», wie es Imbach ausdrückt, soll die geplante Schnellstrasse die Eisenbahnlinie unterqueren und dann «in einer Wanne» unterirdisch, aber dennoch unter freiem Himmel, in Richtung Ottenberg verlaufen, wo sie in einem Tunnel verschwindet. Dadurch werden die Durchflusskapazitäten des Grundwasserstroms deutlich unter dem gesetzlichen Maximum von zehn Prozent beeinträchtigt und das Viadukt hinfällig. Nun werde das kantonale Tiefbauamt diese Optimierung beim Astra einreichen.

BTS-Gesamtprojektleiter Peter Imbach.

BTS-Gesamtprojektleiter Peter Imbach.

Reto Martin

Das geschieht auf den letzten Drücker. In wenigen Tagen, sagt Imbach, werde der Bund die nächsten Realisierungshorizonte geplanter Nationalstrassenprojekte definieren und in die Vernehmlassung schicken. Der Kanton Thurgau hofft, dass der Bund die BTS bei den zu realisierenden Projekten ab 2027 berücksichtigt.

Nochmals 40 Millionen Franken teurer

Die unterirdische Streckenführung und die Anhebung des Bahntrasses verteuern jedoch das Projekt. Ein Viadukt wäre etwas günstiger gewesen, sagt Imbach. Mit der nun definitiv anvisierten Lösung müsse mit Mehrkosten von 40 Millionen Franken gerechnet werden. Dabei seien die Arbeiten an den SBB-Gleisen, die sich auf eine Streckenlänge von rund 700 Meter auswirkten, einberechnet.

Die Erhöhung der Eisenbahnschienen und die spätere Unterquerung der Strasse dürfte eine Bauzeit von rund 1,5 Jahren beanspruchen, sagt Imbach. Dennoch soll der Bahnverkehr nur an insgesamt vier Wochenenden unterbrochen werden. Denn für den Bau eines entsprechenden Damms mit Brücke an der Stelle der heutigen Gleise würde nebenan eine provisorische SBB-Strecke gebaut werden, um den Zugsverkehr aufrechtzuerhalten. Als wäre das noch nicht aufwendig genug: Dafür müssen auch noch Verhandlungen mit Landeigentümern geführt werden.

2012 stimmte das Thurgauer Stimmvolk der BTS zu. Das Preisschild von damals 800 Millionen Franken wurde später auf rund 1,5 Milliarden Franken erhöht. Nun kommen also nochmals 40 Millionen hinzu. Verantwortlich für den Bau und die Finanzierung ist der Bund.

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