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Kommentar

HSG-Spesenprofessor tritt zurück: Hoch geflogen, tief gefallen

Nach einem Jahr Ungewissheit tut sich etwas in der Affäre um den HSG-Professor, der mittels Spesen weit über 100'000 Franken veruntreut haben soll: Er tritt zurück. Die Geschichte um Reiche, Schöne und teuren Wein ist filmreif. Das hilft niemandem. Am wenigsten der geschädigten Uni.
Odilia Hiller
Odilia Hiller. (Bild: Michel Canonica)

Odilia Hiller. (Bild: Michel Canonica)

Der Stoff ist filmreif. Es ist die Geschichte eines deutschen Rechts- und Wirtschaftsprofessors, der sich in die Welt der Schönen und Reichen verirrt und sich selber verliert. Geschrieben wurde sie an der Universität St.Gallen.

Sein Forschungsgebiet sind die Superreichen, seine Wirkungsorte Rio de Janeiro, São Paulo, Buenos Aires und St.Gallen. Als gefragter Experte für internationale Handelsfragen, riesige Familienvermögen und Kapitalgesellschaften jettet er um die Welt. Heute London, morgen Paris, übermorgen Sydney. Die akademische Karriere läuft wie am Schnürchen.

Idealer Geldgeber und Ausgangspunkt

Dort, wo ein brasilianischer Wohltäter und Multimilliardär die akademischen Bande zwischen dem europäischen Festland und dem Schwellenland Brasilien mit mehreren Millionen Franken stärken will, findet er einen idealen Geldgeber und Ausgangspunkt: eine ambitionierte Provinzuniversität, die es schafft, auf dem internationalen Parkett mitzuspielen. Der es fernab der Metropolen dank ihres exzellenten Rufs gelingt, die Teppichetagen globaler Konzerne mit Nachwuchs zu bestücken und akademische Koryphäen nach St.Gallen zu holen.

Der hochfliegende Professor legt die lange Leine, an der man Professorinnen und Professoren auf dem St.Galler Rosenberg wirken lässt, als Freipass aus für ein Leben auf grossem Fusse. Auf die Spesenrechnung kommen bei ihm First- und Business-Class-Flüge, teurer Wein und grosse Runden in Gourmetrestaurants. Als Co-Direktor des Instituts, an dem er lehrt, werden seine Spesen gar nicht oder sehr flüchtig visiert – von Kollegen.

Sester ist ein kleiner Fisch

Ein Jahr nach Bekanntwerden des Spesenskandals rund um Professor Peter Sester gibt der Universitätsrat nun dessen Rücktritt bekannt. Das Strafverfahren gegen ihn ist hängig.

Ebenfalls ein Jahr später ist klar: Sester ist ein kleiner Fisch. Seine Karriere hat er auf denkbar ungeschickte Weise selber ruiniert. Ungleich grösser ist der Schaden, den er in der Institution anrichtet, die ihn mit offenen Armen und einem laxen internen Kontrollsystem empfangen hatte. Sie muss jetzt um eine Abstimmung über ihren Ausbau bangen, deren Ausgang lange klar schien. Das wiederum dürfte dem Professor, der schon zuvor sehr viel an sich dachte, herzlich egal sein.

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