Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

St.Galler Regierung: «HSG-Vorwürfe der Linken sind überspannt»

Ein HSG-Professor berät die Ruag und verfasst gleichzeitig eine Studie über Rüstungsgeschäfte. Die SP spricht von «einem weiteren Verstoss gegen die wissenschaftliche Ethik». Die Regierung hält dagegen.
Regula Weik
Mit ihrem Druck auf die Institute, Aufträge zu akquirieren, zwinge die HSG die Institute zur Übernahme problematischer Aufträge, so SP und Grüne. (Bild: Hanspeter Schiess)

Mit ihrem Druck auf die Institute, Aufträge zu akquirieren, zwinge die HSG die Institute zur Übernahme problematischer Aufträge, so SP und Grüne. (Bild: Hanspeter Schiess)

Eine Studie der HSG kommt zum Schluss, dass sich Gegengeschäfte bei Rüstungskäufen für die inländische Industrie lohnen. Autor der Studie ist Thomas Friedli, Professor für Betriebswirtschaft und Direktor des Instituts für Technologiemanagement an der Universität St. Gallen. So weit, so unproblematisch. Doch Friedli nimmt noch eine weitere Aufgabe wahr. Er ist gleichzeitig Mitglied des strategischen Advisory Board des Schweizer Rüstungskonzerns Ruag.

Das gehe ganz und gar nicht und zeige «einmal mehr in erschreckendem Ausmass die problematische Verknüpfung von Tätigkeit an der Universität und praktischem Engagement von HSG-Dozierenden in der Wirtschaft», hält die Fraktion von SP und Grünen im St. Galler Kantonsparlament in einem politischen Vorstoss fest. Zwar sei die Entschädigung für das Mandat «nicht besonders hoch»; Friedli erhält für drei bis vier Sitzungen jährlich«einschliesslich Vorbereitung» insgesamt 7500 Franken. Doch stelle sich die Frage, ob er die Ruag mit seiner Studie indirekt begünstige.

Dieses Mandat von Friedli sei sowohl auf der Forschungsplattform der HSG als auch in der Studie ausgewiesen. «Es bestehen keinerlei Anzeichen für einen Interessenskonflikt», hält die Regierung in ihrer Antwort auf den Vorstoss von SP und Grünen fest. Allein der Umstand, dass das Engagement in einer politisch kontroversen Branche erfolge, lasse nicht auf einen solchen schliessen. «Es besteht kein rechtlich relevanter Handlungsbedarf», noch seien, wie von SP und Grünen gefordert, irgendwelche Sofortmassnahmen «über den initiierten Reformprozess» hinaus notwendig.

«Problematische Universitätskultur»

Mit ihrem Druck auf die Institute, Aufträge zu akquirieren, zwinge die HSG die Institute zur Übernahme problematischer Aufträge, so SP und Grüne weiter. Es seien längst keine Einzelfälle mehr, es sei vielmehr Ausdruck einer «problematischen Universitätskultur». Die Regierung hält dagegen. Sie habe in den vergangenen Wochen und Monaten wiederholt kommuniziert, dass sie den lockeren Umgang von Institutsangehörigen mit Finanzen missbillige und eine kulturelle Neuorientierung verlange.

SP und Grüne lassen sich nicht so einfach abspeisen. Sie bleiben hartnäckig. Konstellationen wie im «Rüstungsfall» zögen «nicht nur die wissenschaftliche Integrität des betreffenden Professors in Zweifel». Sie stellten darüber hinaus Reputation und wissenschaftsethische Massstäbe der HSG in Frage. Es sei fraglich, ob bei einer derartigen Häufung von Fällen «die Selbstregulierung der Universität» noch angemessen sei.

Die Integritätsrichtlinien der HSG entsprächen dem internationalen Standard, hält die Regierung in ihrer Antwort dagegen. Der Vorwurf «fortgesetzter Verstösse von Instituten der Universität gegen die wissenschaftliche Ethik» sei «überspannt und nicht verhältnismässig». Eine Einschränkung der Autonomie der HSG sei kein Thema.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.