Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Verurteilter St.Galler Ex-Kantonsrat: Er warnte Schüler vor Sex im Internet

Der zurückgetretene Kantonsrat Michael Hugentobler hatte in Chatrooms sexuellen Kontakt mit Minderjährigen. Bis vor kurzem erteilte er an einer St.Galler Schule Social-Media-Kurse. Dabei lehrte er die Schüler auch, wie sie sich vor Übergriffen schützen.
Andri Rostetter
Der 37-Jährige war bis vor drei Jahren als Lehrer in der Flade in St.Gallen angestellt. (Bild: Thomas Hary)

Der 37-Jährige war bis vor drei Jahren als Lehrer in der Flade in St.Gallen angestellt. (Bild: Thomas Hary)

Seit Montag ist bekannt, dass der St.Galler Politiker und Internet-Unternehmer Michael Hugentobler in Internet-Chatrooms sexuellen Kontakt mit Minderjährigen hatte, aufgeflogen und rechtskräftig verurteilt ist. Der 37-Jährige war bis vor drei Jahren als Lehrer an der Flade angestellt, der Katholischen Kantonssekundarschule der Stadt St.Gallen. Danach wechselte er in die IT-Branche, war aber weiterhin als Berater und Informatik-Beauftragter an der Flade tätig, ab August 2018 im Auftragsverhältnis mit seiner eigenen Firma. Seit Montag habe Hugentobler keinerlei Mandate mehr im Zusammenhang mit der Schule, schreibt die Flade in einer Mitteilung. Zudem habe er keinen Zutritt mehr zu den Räumlichkeiten der Flade. Noch ab kommendem Montag hätte Hugentobler ein Skilager der Schule in die Lenzerheide begleiten sollen.

«Faszination 
Social Media»

Hugentobler hatte auch nach seiner Zeit als Lehrer Kontakt mit Schülerinnen und Schülern. In den vergangenen drei Jahren hielt er im Rahmen eines vierstündigen Kurses ein Referat mit dem Titel «Faszination Social Media». Dabei soll er die Schüler unter anderem davor gewarnt haben, freizügige Bilder von sich zu verschicken und mit Unbekannten zu chatten. Für den Kurs sei die Klassenlehrperson verantwortlich gewesen, das Programm wurde von der Schule zusammengestellt, sagt Schulratspräsidentin Margrit Stadler auf Anfrage. Für die Schule kommt Hugentoblers Verurteilung aus heiterem Himmel. In der gesamten Zeit habe es nicht die geringste Klage gegeben, sagt Stadler. «Es gab keinerlei Anzeichen für Fehlverhalten.» Hugentobler sei ein allseits geschätzter Mitarbeiter gewesen. Er sei 2004 als Lehrer an die Flade gekommen, zuerst als Aushilfe, später mit fester Anstellung. Die Schule veröffentlichte gestern eine Stellungnahme. «Schulrat und Lehrerschaft sind zutiefst betroffen und bedauern die unentschuldbaren Übergriffe. Bis gestern hatten wir keinerlei Kenntnis vom Verfahren gegen Michael Hugentobler», heisst es in dem Schreiben.

Computer, Festplatten und Handy beschlagnahmt

Hugentobler hatte unter anderem intime Bilder verschickt und vor einer Webcam sexuelle Handlungen an sich vorgenommen. Zudem hat er die minderjährigen Chatpartnerinnen aufgefordert, sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen. Bei einem der Kontakte handelte es sich gemäss Strafbefehl um einen verdeckten Ermittler der Kantonspolizei Bern. Im Rahmen der Ermittlungen wurden bei Hugentobler mehrere Computer, Festplatten, Speicherkarten und ein Mobiltelefon beschlagnahmt. Hugentobler wurde im Dezember wegen mehrfacher versuchter sexueller Handlungen mit einem Kind und mehrfacher Pornografie verurteilt (Ausgabe vom Dienstag). Das Strafmass beläuft sich auf eine bedingte Geldstrafe von 18000 Franken und eine Busse von 3600 Franken. Das Urteil ist rechtskräftig.

Bis zum Bekanntwerden der Delikte sass Hugentobler für die CVP im St.Galler Kantonsrat. Am Montag trat er von allen politischen Ämtern zurück. Inzwischen ist er auch aus der Partei ausgetreten, wie CVP-Kantonalpräsident Patrick Dürr gestern bestätigte. Am Montag löschte Hugentobler seine Social-Media-Konten auf Facebook und Twitter sowie seine persönliche Internetseite.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.