Hunderte Anzeigen im Aargau, kaum welche in der Ostschweiz: Wie die Kantone mit nachlässigen Rückkehrern aus Risikogebieten umgehen

Wer aus einem Risikogebiet einreist, muss sich zwecks Quarantäne innert zwei Tagen beim Kanton melden. Über 300 Personen wurden im Kanton Aargau wegen Verstoss gegen diese Meldepflicht verzeigt. In der Ostschweiz hält man die Zügel lockerer.

Adrian Lemmenmeier-Batinić
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Ankunft am Flughafen Zürich. Ein Plakat weist auf die obligatorische Quarantäne bei der Einreise aus bestimmten Ländern hin.

Ankunft am Flughafen Zürich. Ein Plakat weist auf die obligatorische Quarantäne bei der Einreise aus bestimmten Ländern hin.

Ennio Leanza / KEYSTONE

Zehn Tage Quarantäne, zu Hause bleiben, Kontakte mit anderen vermeiden. Das blüht Reisenden, die aus einem sogenannten Risikogebiet in die Schweiz zurückkehren. Wer sich nicht an diese Weisung hält, kann gemäss Epidemiegesetz mit bis zu 10'000 Franken gebüsst werden. Wie der «Tagesanzeiger» berichtete, wurde im Kanton Zürich kürzlich der erste Strafbefehl wegen nicht Einhalten der Quarantänepflicht rechtskräftig: Ein Mann, der trotz Isolation einen Spaziergang machte, wurde mit einer Busse von 2000 Franken belangt.

Gebüsst wird auch, wer sich nicht innert zwei Tagen nach der Rückreise aus einem Risikogebiet bei den kantonalen Behörden meldet. Im Kanton Aargau wurden deswegen bereits 371 nachlässige Rückkehrer angezeigt, wie die «Aargauer Zeitung» berichtet. Wie gehen die Ostschweizer Kantone mit Verstössen gegen Melde- und Quarantänepflicht um?

«Verzeigt wurde noch niemand»: St.Gallen kontrolliert stichprobenartig

«Bisher wurden im Kanton St.Gallen noch keine Bussen ausgesprochen», heisst es beim Kanton auf Anfrage. Die Zahl der gemeldeten Rückreisenden bewege sich wöchentlich zwischen 500 und 600 Personen. Daraus schliesse man auf eine hohe Selbstdisziplin der St.Galler Bevölkerung. St.Gallen kontrolliert allerdings weniger flächendeckend als andere Kantone, etwa der Aargau. Dieser verwendet die Flugpassagierdaten, die der Kanton Zürich zur Verfügung stellt, und prüft für sämtliche Einreisenden, ob sie sich innert zwei Tagen gemeldet haben. St.Gallen hingegen kontrolliert vereinzelt, gestützt auf eine Stichprobe des Bundesamtes für Gesundheit (BAG).

Ebenso stichprobenartig kontrolliert der Kanton, ob die Quarantäne auch eingehalten wird. Contact Tracer erfragen per Telefon, ob sich die betroffene Person auch zu Hause aufhält. «Je nach Situation kann auch eine Kontrolle vor Ort stattfinden», schreibt der Kanton. «Verzeigt wurde noch niemand.»

Zwölf Anzeigen im Thurgau, Ausserrhoden sucht das Gespräch

Im Kanton Thurgau befinden sich derzeit 244 Rückkehrer aus Risikogebieten in Quarantäne. Bisher wurden 12 Leute angezeigt, die sich nicht binnen zweier Tage nach der Einreise beim Kanton gemeldet haben. Da die Strafverfahren noch laufen, steht die Höhe der Busse nicht fest. Wie der Kanton Aargau verwendet auch der Thurgau Flugpassagierdaten des Kantons Zürich zur Überprüfung der eingereisten Fluggäste.

Gleich gehen die Behörden Appenzell Ausserrhodens vor. «Eine Überprüfung findet über die Passagierdaten des Kantons Zürich sowie des BAG statt», heisst es aus Herisau. «Diese werden mit den Meldungen, welche die Reiserückkehrer über das Formular auf der Kantonswebseite machen, abgeglichen.» Wer sich nicht an die Meldepflicht halte, werde kontaktiert und über die Quarantänepflicht aufgeklärt. «Bisher haben wir damit gute Erfahrungen gemacht.» Bussen seien keine ausgesprochen worden. In Appenzell Ausserrhoden befanden sich am Mittwoch 67 Personen, die aus einem Risikogebiet eingereist sind, in Quarantäne. In Appenzell Innerrhoden sind es derzeit fünf.

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