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Im Herbst noch aussortiert, jetzt gesetzt: FCSG-Verteidiger Milan Vilotic ist wieder da

Milan Vilotic ist nicht mehr aus der Stammformation des FC St.Gallen wegzudenken. Der 32-jährige Serbe hat bei den Ostschweizern schwierige Zeiten erlebt, doch er ist in der Rückrunde da, wenn es ihn braucht. Im Sommer läuft der Vertrag aus.
Christian Brägger
Milan Vilotic: Vom Stammspieler aufs Abstellgleis und wieder zurück. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus, Kybunpark, 20. April 2019)

Milan Vilotic: Vom Stammspieler aufs Abstellgleis und wieder zurück. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus, Kybunpark, 20. April 2019)

Wer bald die Spielzeit 2018/19 des FC St. Gallen rekapituliert, wird sich die eine oder andere Frage stellen. Eine könnte lauten: Wie war es möglich, dass es Milan Vilotic 16 Meisterschaftsspiele lang zu keiner einzigen Einsatzminute reichte? Der Serbe in der Hierarchie teilweise nicht einmal die Nummer vier der Innenverteidiger war?

Es gab Gründe: Vilotics Saisonstart war durchzogen, er agierte unglücklich und holte zwei rote Karten. Vielleicht war auch das System von Trainer Peter Zeidler nicht seines, zudem lief es der Mannschaft ohne ihn mehr oder weniger gut. Aber seit Ende März haben Vilotic und Zeidler und damit auch die Saison – zumindest bis Donnerstagabend in Lugano – in versöhnlicher Weise zueinander gefunden. Nicht dass der Innenverteidiger seither überragend gespielt hätte, aber immerhin souverän, solid, mit guter Ausstrahlung und Körpersprache. Was in St.Gallen schon viel wert sein kann.

Vilotic ist wieder aufgestanden und nach der langen Durststrecke gesetzt, weil es bei allem Stürmen und Drängen der Jungen ganz ohne Routine halt eben doch nicht geht, Talent allein nicht reicht. Siehe Tranquillo Barnetta oder auch Andreas Wittwer. Vilotic denkt an diesem Montagmittag nach, dann sagt er: «Es geht nicht um das Alter oder den Namen eines Spielers. Sondern um die Mannschaft. Darum, ob du gut oder schlecht bist. Und darum, dass das Team deinen Wert erkennt und schätzt.»

Der Ruf, der nicht mit der Realität übereinstimmt

Weil Vilotic in der Schublade steckt, ein schwieriger Charakter zu sein, hat man von ihm in der Zeit, in der er sich auf der Tribüne wiederfand, einiges erwartet. Vielleicht sogar Stunk. Oft wurde Zeidler deswegen gefragt, wie sich der Innenverteidiger denn verhalte. Die Antwort blieb stets dieselbe:

«Ich muss ihm ein Kränzchen winden, er ist ein Musterprofi und Vorbild für die Jungen. Ich kann ihm in den Trainings absolut nichts vorwerfen.»

Stunk kam nicht im Ansatz, dafür seriöses, fokussiertes Arbeiten – und Ruhe. Wer mit Vilotic redet, begegnet denn auch einem ganz und gar anderen Menschen, als es sein Ruf ist. Einem friedfertigen Sportler, den die Hochs und Tiefs der Karriere haben reifen lassen. Einem, der noch immer geprägt ist von den Kriegserlebnissen der Kindheit in der Heimat, die einen anders werden lassen, weil man sie schlicht nicht mehr loswird. Die einen nur an das Heute denken lassen, nicht aber an das Morgen. «Ziel muss es sein, dass ein Land in Ruhe leben kann. Ohne Nationalismus, ohne Faschismus. Dass Generationen über Generationen nicht über Kriege reden müssen, sondern gute Werte entwickeln können», sagt er.

«Ich mache kein Theater»

Natürlich gab es Momente, die schwierig waren im vergangenen Herbst und zu Beginn der Rückrunde. Aber Vilotic sagt, er hätte seine Rolle gekannt und es nütze überhaupt nichts, sauer zu werden. Ihm geht es um gelebte Transparenz und Ehrlichkeit. Sei dies seitens des Vereins vorhanden, dann könne er mit Entscheiden umgehen. «Ich mache kein Theater, lerne vielmehr in jeder Situation, das ist meine Philosophie. Ich will stets ein besserer Mensch werden.»

Nur einmal, da war das Runterschlucken eines Zeidler-Entscheids nicht einfach: Als der Serbe nach einem dritten auch ein viertes Mal in der U21 des FC St.Gallen spielen sollte, was den Stolz verletzte und die Gefühlswelt durcheinanderbrachte. Da dachte Vilotic, es sei nun genug, er sei doch für die erste Mannschaft hier. Er sieht sich nicht als spielerischen, sondern als persönlichen Leader, der mit Instinkt spielt. Als ein Profi, den man bringen muss, wenn der absolute Siegeswille gefragt ist. Weil er am stärksten in solchen Drucksituationen sei. Dennoch ist Vilotic in der Kabine eher ein Stiller, doch laut ist vom St.Galler Kader keiner.

Bis jetzt haben sie noch nicht miteinander geredet

Sechs Jahre lang spielte Vilotic in der Schweiz mit der Aufenthaltsbewilligung B. Im vergangenen Sommer unterschrieb er am 17. Juli beim FC St. Gallen einen Halbjahresvertrag; just am selben Tag hatte ihm die Ausländerbehörde brieflich beschieden, dass er ohne Anstellung nach dem Engagement bei den Grasshoppers die Schweiz verlassen müsse und den Status B verliere. Im Winter dehnten die Ostschweizer das Engagement zur Überraschung vieler aus, weil der Spieler damals nicht zum Zug kam.

Milan Vilotic im Zweikampf gegen den Basler Valentin Stocker. (Bild: Andy Müller/Freshfocus)

Milan Vilotic im Zweikampf gegen den Basler Valentin Stocker. (Bild: Andy Müller/Freshfocus)

In diesem März erhielt Vilotic nach all den Jahren in der Schweiz schliesslich die Aufenthaltsbewilligung C, weswegen er nun mit der Frau und der vierjährigen Tochter nach der Karriere im Land bleiben darf. Derzeit baut Vilotic für seine Familie eine Wohnung in Oerlikon. Aktuell steht noch nicht fest, wie es mit Vilotic weitergeht. Der Vertrag läuft im Sommer aus, er sagt, er wolle noch mindestens zwei Jahre weiterspielen und würde sich sehr glücklich schätzen, «wenn St.Gallen mit mir zusammensitzen würde».

Noch sind sie nicht zusammengesessen, massgebend könnte sein, ob St.Gallen den jungen Leonidas Stergiou als rechten Innenverteidiger sieht. Vilotic ist auch eher auf der rechten Seite zu Hause, er sagt:

«Ich kann beides spielen, halblinks oder halbrechts.»

Wichtig sei es, dass in St.Gallen Kontinuität komme und es im Kader nicht zu viele Wechsel gebe, damit etwas entstehen könne. Der 32-Jährige ist zufrieden mit sich, spürt, dass er auf dem richtigen Weg ist; dieser hat schwieriger kaum sein können.

Der Aberglaube soll am Donnerstag in Lugano helfen

Das drittletzte Saisonspiel in Lugano kann St.Gallen einen Schubs Richtung Europa League geben. Auf die Tabelle wollen die Ostschweizer aber nicht schauen, weil die Hochrechnerei nichts bringe. Auch zur Kaderplanung für die neue Saison wollen sie sich vorläufig nicht mehr äussern, gestern sagte Peter Zeidler: «Wir sind im Soll, es ist normal im Fussball, dass zu diesem Zeitpunkt vieles offen ist. Ich empfinde das nicht als negativ.» Der Coach blieb vage bei seinen Ausführungen, aber zwischen den Zeilen konnte man lesen: Es ist für ihn gar nicht so klar, dass der Vertrag mit Andreas Wittwer nicht doch erneuert wird.

Im Tessin muss Zeidler auf den gelbgesperrten Tranquillo Barnetta und den verletzten Alain Wiss verzichten. Zudem fehlt Nicolas Lüchinger, der sich einem kleinen operativen Eingriff am Knie unterzieht, nach den Ferien die Vorbereitung aber mitmachen kann. «Wir wollen in Lugano mit Mentalität und Selbstvertrauen endlich etwas holen», sagt der Trainer. Das wird schwer genug, jüngst gab es gegen die Tessiner wenig zu melden. St. Gallen lässt nichts unversucht und übernachtet aus Aberglauben im selben Hotel wie damals, als es im August 2017 mit dem 1:0 den letzten Auswärtssieg im Tessin holte. (cbr)

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