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Kommentar

Halbherziges Ja zum Klanghaus: Echte Solidarität sieht anders aus

Die Städte haben das Klanghaus Toggenburg in der Volksabstimmung vor dem Scheitern gerettet. Aus den ländlichen Regionen kam enttäuschend wenig Zustimmung. Sie haben es verpasst, ein deutliches Zeichen für Investitionen ausserhalb der grossen Zentren zu setzen.
Adrian Vögele
Adrian Vögele, Redaktor Ressort Ostschweiz

Adrian Vögele, Redaktor Ressort Ostschweiz

Es ist paradox. Da schickt sich der Kanton St.Gallen an, in einer ländlichen Region 22,3 Millionen Franken zu investieren. Das Volk stimmt ab – und die grösseren Städte retten das Klanghaus Toggenburg vor dem Scheitern. Gegen den Widerstand vieler Landgemeinden, etwa im Sarganserland, Rheintal und Fürstenland. Ein Stadt-Land-Graben der ungewöhnlichen Sorte: Er fiel sogar deutlich markanter aus als in der Abstimmung über Umbau und Erneuerung des Theaters St. Gallen im vergangenen Jahr. Echte Solidarität unter den Regionen sieht anders aus.

Auffällig ist die tiefe Stimmbeteiligung von 26 Prozent. Dass keine nationale Vorlage zur Abstimmung kam, hat zweifellos dazu beigetragen. Das war im Fall des Theaters St. Gallen anders: Die No-Billag-Initiative war ein hochemotionales Thema, das die Wählerinnen und Wähler mobilisierte – über 50 Prozent gingen im Kanton St.Gallen an die Urne, davon sagten 62 Prozent Ja zum Theater. Demgegenüber wirken die 54 Prozent für das Klanghaus halbherzig. Eine deutliche Zustimmung wäre wichtig gewesen als Zeichen an den Kanton, dass Investitionen auch ausserhalb von Zentren wie St.Gallen oder Rapperswil-Jona notwendig sind und erwartet werden.

Dass das Klanghaus den Sprung dennoch geschafft hat, ist erfreulich.Es ist Zeit, das Vorhaben nach Jahren der Planung und Optimierung endlich umzusetzen. Es ist kein Luftschloss ohne Bodenhaftung, und erst recht kein finanzielles «Fass ohne Boden» für die öffentliche Hand, wie Gegner kritisierten. Das Betriebsrisiko trägt in der überarbeiteten Variante nicht mehr der Kanton – und die über sechs Millionen Franken Sponsorengelder, die die Toggenburger schon geäufnet haben, sind beachtlich. Auch kann niemand ernsthaft behaupten, das Klanghaus sei kein Projekt für die breite Bevölkerung, wenn das Gebäude auch Vereinen, Schulklassen und Firmen zur Nutzung offen stehen wird. Die Klangkultur, der das Haus einen Raum geben soll, ist tief im Toggenburg verwurzelt und kein abstraktes Konzept von irgendwo her. Und auf die zusätzliche Wertschöpfung, die das Klanghaus bringen wird, kann das Toggenburg ohnehin nicht verzichten. All das scheint zu den Landgemeinden, die Nein gestimmt haben, nicht durchgedrungen zu sein. Für weitere dezentrale Projekte in anderen Regionen ist das ein schlechtes Omen.

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