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Konkurs in Tägerwilen – vor der Insolvenz gab es Rolex-Uhren, einen Bonus für den Chef und Sekt

Die Genie Holding AG lud ihre 50 Angestellten zu einem aufwendigen Weihnachtsessen ein. Dann blieb sie ihnen zwei Monatslöhne schuldig. Auch die Vermieterin und 250'000 Kunden warten auf ihr Geld.
Thomas Wunderlin
Die Genie Holding AG erlebte keinen Aufschwung im Zecchinel-Dienstleistungszentrum Tägerwilen. (Bild: Nana do Carmo)

Die Genie Holding AG erlebte keinen Aufschwung im Zecchinel-Dienstleistungszentrum Tägerwilen. (Bild: Nana do Carmo)

Ein Päckli mit T-Shirt, Hemd und Jacke erhielten die rund 50 Mitarbeiter der Tägerwiler Genie Holding AG zu Weihnachten. «Dazu gab es zwei teure Sektflaschen», sagt ein Beschenkter. Die Bescherung fand in einem der besten Kreuzlinger Restaurants statt. Wie «Bild» und «Focus» berichten, soll sich der 45-jährige Patron Boris Wehlauer gegenüber seinen Freunden noch grosszügiger gezeigt haben; 15 bis 20 Kollegen hätten eine Rolex im Wert von mehr als 40'000 Euro pro Stück erhalten.

Die Genie Holding AG hatte erst im November ihren Sitz innerhalb Tägerwilens verlegt. Am alten Standort war der Platz zu klein geworden. In den neuen Räumen im Zecchinel-Zentrum hätte es hingegen Platz für die dreifache Mitarbeiterzahl gehabt. Offensichtlich rechnete man mit einem weiteren Ausbau.

Chef hatte ein Lächeln auf den Lippen

Doch am 15. Februar verkündete der Genie-Holding-Chef seinen enttäuschten Mitarbeitern die Pleite. Laut «Blick» trug er ein Lächeln auf den Lippen. «Das Lächeln kann ich bestätigen», sagt ein Entlassener. Auch die Meldung stimme, dass zum Ende intensiv Akten vernichtet worden seien.

Er frage sich, weshalb die Staatsanwaltschaft nicht aktiv geworden sei. In der Zeitung sei ja auch gestanden, dass sich der Chef noch einen fetten Bonus überwiesen habe und die Miete für seinen neuen privaten Wohnsitz mit Firmengeldern für ein Jahr im voraus bezahlt habe.

Chef verteilte Anträge für Insolvenzentschädigung

Die meisten Mitarbeiter der 2013 gegründeten Firma hatten nur eine Kündigungsfrist von einem Monat. Ihren letzten Lohn erhielten sie am 16. Januar. Sie haben deshalb Anspruch auf die Löhne für Februar und März. Bei einem Konkurs übernimmt die Arbeitslosenkasse die sogenannte Insolvenzentschädigung. Das Antragsformular erhielten die Mitarbeiter zusammen mit der Kündigung ausgehändigt. Rund 50 Anträge seien eingegangen, sagt Daniel Wessner, Chef des Amts für Wirtschaft und Arbeit:

«Die Leistungen werden teilweise schon ausbezahlt.»

Wie viele Entlassene sich arbeitslos melden, ist offen. Laut Wessner sind darunter viele Grenzgänger, die sich eventuell in ihrem Heimatland melden. Im Arbeitsmarkt seien derzeit «qualifizierte Leute» gesucht.

Auf ihr Geld wohl noch lange wartet Cornelia Zecchinel: «Wir haben noch Miete ausstehend.» Zahlen nennt sie nicht:

«Wir haben alles dem Konkursamt übergeben.»

Einen neuen Mieter habe sie noch keinen. Die Staatsanwaltschaft war für diese Zeitung nicht erreichbar.

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