Bluttat in Konstanzer Disco: Die Waffenlieferanten des Todesschützen erhalten Geldstrafen

Am Montag fällte das Bezirksgericht Kreuzlingen ein Urteil im Fall des Waffenverkaufs an den Todesschützen von Konstanz. Die beiden Angeklagten sind schuldig wegen Vergehen gegen das Waffengesetz, nicht aber der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. 

Urs Brüschweiler
Drucken
Teilen
Mit diesem M16-Sturmgewehr erschoss der Amokläufer am 30. Juli 2017 einen Türsteher in der Konstanzer Discothek Grey. (Bild: Oliver Hanser)

Mit diesem M16-Sturmgewehr erschoss der Amokläufer am 30. Juli 2017 einen Türsteher in der Konstanzer Discothek Grey. (Bild: Oliver Hanser)

«Es war eine schreckliche Tat», sagte die Kreuzlinger Bezirksgerichtspräsidentin und bezog sich auf die Blutnacht vom 30. Juli 2017 in der Konstanzer Diskothek Grey. Ein Amokläufer schoss um sich, tötete einen Türsteher und verletzte mehrere Personen schwer, bevor er von der Polizei erschossen wurde. «Natürlich interessiert es, wie es dazu kommen konnte. Also auch woher die Tatwaffe kam.» Zwei Männer, beide damals in Kreuzlingen wohnhaft, mussten sich deshalb am Montag vor dem Bezirksgericht verantworten. Sie hatten dem Todesschützen das Sturmgewehr ein halbes Jahr vor der Bluttat verkauft.

Waffenhandel auf dem Parkplatz von Stadler Rail

Der Hauptangeklagte, ein 32-jähriger Österreicher, hatte sich für die Verhandlung dispensieren lassen und war nur durch seinen Verteidiger vertreten. Er hatte die Waffe Ende November oder Anfang Dezember 2016 von einer Privatperson für 2000 Franken gekauft. Die Übergabe fand auf dem Parkplatz der Firma Stadler Rail in Bussnang statt. Woher das Sturmgewehr Marke Colt, Typ M16, ursprünglich stammt, konnte nicht geklärt werden. Der Vorbesitzer war kürzlich in einem anderen Verfahren bereits verurteilt. Klar sei gemäss Staatsanwalt, dass die Waffe aus Beständen der US-Streitkräften stamme. Besitz und Handel sind illegal.

Gar nicht einverstanden mit dem Waffenkauf war der Arbeitskollege des Österreichers, ein 35 jähriger Deutscher. Die beiden lebten zu der Zeit in derselben Wohnung in Kreuzlingen. «Ich kann nichts mit Waffen anfangen. Ich wollte das Gewehr auch nicht in meiner Wohnung haben», sagte er vor Gericht. Auch mit den Probeschüssen seines Kollegen zu Silvester 2016 in Kreuzlingen am See wollte er nichts zu tun haben. Er schilderte die Situation, dass er das Gewehr loswerden wollte, dem Bruder seiner damaligen Freundin. Dieser sagte zu, die Waffe seinem Mitbewohner abkaufen zu wollen. So kam es, dass Anfang Februar der spätere Amokläufer die Waffe in der Wohnung in Kreuzlingen abholte.

Beide waren grundsätzlich geständig

Diese Vorgänge sind unbestritten und die beiden Angeklagten sind diesbezüglich auch geständig. Für Vergehen gegen das Waffengesetz hat sie das Gericht jetzt auch verurteilt. Eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 40 Franken auf Bewährung und eine Busse von 1500 Franken wurden dem Österreicher aufgebrummt. Der Deutsche erhält eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 100 Franken und eine Busse von 1000 Franken. Beide müssen zudem rund 7000 Franken Verfahrenskosten bezahlen.

Amoklauf war nicht vorhersehbar

Freigesprochen wurden die beiden aber wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit mit Waffen. Es gab keine Anzeichen oder Beweise, dass die beiden hätten wissen können oder müssen, dass der spätere Amokläufer eine Straftat mit der Waffe plant. Auch wenn dies der Staatsanwalt anders gesehen hatte: 

«Beiden Beschuldigten war die Gefahr  bekannt. Mit dieser Waffe kann man gar nichts anderes machen.»

Zwischen dem Waffenverkauf und der Schiesserei in der Disco verging fast ein halbes Jahr.

Und der Verteidiger betonte, dass sein Mandant nichts von einer geplanten Straftat wusste: 

«Mein Mandant ging in keiner Art und Weise davon aus, dass der Waffenverkäufer ein Verbrechen plant.»

Gemäss dem Gericht reiche es für diesen Straftatbestand nicht aus, von psychischen Problemen und Drogenkonsum des Käufers zu wissen. Wären sie in diesem Anklagepunkt für schuldig befunden worden, hätten beiden