Gemeinde Salmsach will Halle selber nutzen: Jetzt muss der 89-jährige Richard Neururer seinen Flohmarkt räumen

Seit über 40 Jahren führt der Romanshorner Richard Neururer einen Flohmarkt in der Salmsacher Bucht. Ende Jahr ist Schluss. Die Gemeinde will die Halle selber nutzen.

Markus Schoch
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Richard Neururer in seinem Flohmarkt mit einer Rose in der Hand. (Bild: Andrea Stalder)

Richard Neururer in seinem Flohmarkt mit einer Rose in der Hand. (Bild: Andrea Stalder)

Richard Neururer hat zwar am Montag seinen 89. Geburtstag gefeiert. Doch sein zweites Zuhause in der Salmsacher Bucht aufzugeben, fällt ihm nicht leicht. In einer ehemaligen Fabrik führt er seit über 40 Jahren einen Flohmarkt. Das Gebäude ist über und über voll mit Gegenständen aller Art. Es müssen Tausende sein. «Bei mir findet man alles», sagt Neururer.

Bis Ende November muss er das 40 Meter lange Haus direkt an der Aach räumen. Die Gemeinde hat ihm den Mietvertrag gekündigt, weil sie eigene Pläne hat. «Wir haben immer gesagt, dass Richard Neururer so lange bleiben kann, bis wir selber Bedarf haben», sagt Gemeindepräsident Martin Haas. Und jetzt ist es soweit: «Wir haben ein Projekt», sagt Haas.

Platz für Werkhof und Bootsbesitzer

Geben die Stimmbürger an der Gemeindeversammlung im Dezember grünes Licht, soll es bereits im nächsten Jahr realisiert werden. In den ehemaligen Werkhallen soll es Platz geben für den Werkhof und die Bootsbesitzer, deren Schiff im kleinen Hafen in der Aachmündung liegt. Vorgesehen ist auch eine Art Begegnungszentrum. Eine Projektgruppe ist derzeit daran, die Details auszuarbeiten und die Kosten zu ermitteln.

Die Fabrikhalle ist voll mit Gegenständen aller Art (Bild: Andrea Stalder)

Die Fabrikhalle ist voll mit Gegenständen aller Art (Bild: Andrea Stalder)

Neururer will den Plänen nicht im Weg stehen. Er weiss nur noch nicht genau, wie er die Fabrik in den nächsten Monaten leer bringen soll. Ganz alleine steht er allerdings nicht da. So hat sich bereits ein Hilfswerk bei ihm gemeldet, das ihm das eine oder abnehmen würde. Am liebsten wäre Neururer allerdings, er könnte noch so viel als möglich verkaufen.

2013 verwarf die Gemeinde ein Neubau-Projekt

Es ist nicht das erste Mal, das sich die Gemeinde mit der Umnutzung des Flohmarkt-Liegenschaft beschäftigt. Bereits 2013 traf sie entsprechende Abklärungen: Die Idee war, in der einen Hälfte Infrastruktur-Räumlichkeiten der Gemeinde unter zu bringen, in der anderen Hälfte war eine offene Halle vorgesehen. Ein Fachplaner riet der Gemeinde dann aber aus Kostengründen davon ab. «Es wäre ein Fass ohne Boden gewesen», sagte der damalige Gemeindepräsident Kurt Helg. Das Gebäude sei in einem desolaten Zustand.

Gemeindepräsident Martin Haas. (Bild: Reto Martin)

Gemeindepräsident Martin Haas. (Bild: Reto Martin)

Der Gemeinderat entschied sich dann an anderer Stelle für einen Neubau, der 850'000 Franken gekostet hätte. Die Stimmbürger verwarfen den Kredit vor sechs Jahren aber fast einstimmig und deckten die Behörde mit Kritik ein.

Dass die Gemeinde Salmsach jetzt das machen will, wovon sie einst aus Angst vor den finanziellen Folgen abgesehen hatte, sei kein Widerspruch, sagt Haas. «Fachleute bescheinigen uns heute, dass es durchaus möglich ist, dieses Gebäude zu sanieren und es auch Sinn machen würde.»

Es geht voran mit der Aufwertung

Neben dem Flohmarkt ist jetzt ein Pumptrack in Betrieb. (Bild: PD)

Neben dem Flohmarkt ist jetzt ein Pumptrack in Betrieb. (Bild: PD)

Das Projekt der Gemeinde ist ein weiterer Puzzlestein in der Aufwertung der Salmsacher Bucht, wo sich auch die Badiwiese befindet. Seit letztem Jahr ist bereits ein Pumptrack in Betrieb, der auf eine private Initiative zurückgeht. Es gibt neuerdings auch einen Foodstand. Und dieses Jahr soll ein Brunnen sowie ein Spielbereich mit Sonnensegel dazukommen - finanziert mit Geldern des EW Romanshorn, das 2019 das 150-Jahr-Jubiläum feiert und die Vertragsgemeinden aus diesem Anlass beschenkt.

Noch immer nichts gegangen ist in Zusammenhang mit der Umlegung der Aach, deren Lauf künftig durchs Naturschutzgebiet auf Romanshorner Seite führen soll. Die Federführung liegt beim Kanton. Haas hat in dieser Angelegenheit schon lange nichts mehr aus Frauenfeld gehört. «Ich müsste mal wieder nachfragen.»

Die Jurten sind bereits wieder weg

Jurte in der Salmsacher Bucht. (Bild: Reto Martin)

Jurte in der Salmsacher Bucht. (Bild: Reto Martin)

Bereits Geschichte sind die Jurten, in denen Touristen während dreier Jahre in der warmen Jahreszeit übernachten konnten. Der Vertrag der Gemeinde mit der Betreiberin lief Ende 2019 im gegenseitigen Einverständnis aus. Über die Gründe ist Stillschweigen vereinbart worden. Geblieben ist ein Container mit WC-Anlagen und Duschen, den die Gemeinde weiter nutzen will. Der neue Standort ist derzeit vorne beim Fabrikgebäude.

Der Flohmarkt von Richard Neururer ist täglich zwischen 16 und 20 Uhr geöffnet.