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Wahlposse in Hohentannen: Der Mann, der anonym Gemeindepräsident werden wollte, zieht sich zurück

Weil Werner Minder im Februar seine Wahl zum Gemeindepräsidenten ausschlug, kommt es am 28. April zu einem zweiten Wahlgang mit vier Bewerbern. Werner Keller hätte lieber anonym kandidiert. Nachdem sein Name von der «Thurgauer Zeitung» nun doch publiziert wurde, zieht er seine Kandidatur zurück.
Manuel Nagel

«Wir Hohentanner und Heldswiler sind ein zufriedenes und lustiges Völklein und wohnen in einer kleinen Gemeinschaft von 620 Einwohnern», steht auf der Website der Gemeinde. Dort oben, auf dem Hochplateau zwischen Bischofszell und Kradolf, auf 570 Metern über Meer, geniesse man eine vorteilhafte Lage mit Blick auf den Säntis und ins Thurtal hinunter, ist ausserdem zu lesen. Wer möchte da nicht Präsident dieser Gemeinde sein.

Wahl aus gesundheitlichen Gründen abgelehnt

Werner Minder will nicht mehr. Und das, obwohl am 10. Februar 155 von 160 Stimmbürgern ihm das Vertrauen gaben und ihn in seinem Amt bestätigten. Doch vier Tage später gab Minder bekannt, dass er aus gesundheitlichen Gründen die Wiederwahl nicht annehmen werde.

Nun kommt es am 28. April zu einem zweiten Wahlgang, wo das relative Mehr genügt. Wer am meisten Stimmen bekommt, wird ab dem 1. Juni Werner Minders Nachfolger. Drei Personen haben ihr Interesse für dieses Amt angemeldet und konnten sich am 3. April an einer Kandidatenvorstellungsrunde der Bevölkerung präsentieren. Zudem wurden die Steckbriefe des Kandidatentrios auch per Flugblatt in der ganzen Gemeinde verteilt.

Lukas Hoffmann aus Balterswil. (Bild: Andrea Stalder)Lukas Hoffmann aus Balterswil. (Bild: Andrea Stalder)
Paul Stahlberg aus Schönenberg. (Bild: Georg Stelzner)Paul Stahlberg aus Schönenberg. (Bild: Georg Stelzner)
Werner Keller aus Hohentannen. (Bild: PD)Werner Keller aus Hohentannen. (Bild: PD)
Kandidat Y aus Hohentannen. (Bild: Grafik: sbu)Kandidat Y aus Hohentannen. (Bild: Grafik: sbu)
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Herr X will Gemeindepräsident werden

Doch die kleine Gemeinschaft des zufriedenen und lustigen Völkleins bleibt gerne unter sich. Medien wurden weder zur Vorstellungsrunde eingeladen noch informiert. Man wähnt sich unweigerlich bei Asterix und Obelix, deren kleine Dorfgemeinschaft sich ebenfalls von der Aussenwelt abschottet.

Negative Konsequenzen befürchtet

Zwei von den Dreien, die neuer Hohentanner Majestix werden möchten, sind Lukas Hoffmann aus Balterswil und Paul Stahlberg aus dem benachbarten Schönenberg an der Thur. Also von dort her, wohin die Hohentanner so gerne hinunterschauen.

Die dritte Person ist Werner Keller, der in Hohentannen wohnt und sich «seit dem Zuzug nach Hohentannen stets für die Gemeinde engagiert» hat, wie er seine Motivation zur Kandidatur beschreibt. Doch seinen Namen hätte er lieber nicht in der Zeitung gelesen. Er befürchte negative Konsequenzen von seinem derzeitigen Arbeitgeber, wenn dieser erfährt, dass er für das Amt des Gemeindepräsidenten kandidiert. «Ich bin in einer Kaderposition, in der ich mir das nicht erlauben kann», sagt er und kündigt rechtliche Konsequenzen an, falls er seinen Namen in der Zeitung lesen werde.

«Ich bin einer, der polarisiert»

sagt der Kandidat. Einer, der hinstehe, die Wahrheit sage und direkt auf die Leute zugehe. «Doch das haben nicht alle Leute sehr gern», sagt er.

Am Dienstag, nachdem die «Thurgauer Zeitung» seinen Namen publik gemacht hatte, zog sich Werner Keller schliesslich aus dem Wahlkampf zurück.

Befürchtung, die Wahl verkomme zur Lotterie

Hinter der vierten Kandidatur, die erst am Dienstag bekannt wird, stehen drei ehemalige Gemeinderäte, zu denen auch der einstige Vizegemeindepräsident René Honauer gehört. Nach der Vorstellungsrunde der drei bisherigen Kandidaten am 3. April habe er mit Gemeindebewohnern gesprochen. Vielen genüge die aktuelle Auswahl nicht. Honauer befürchtet, weil übernächsten Sonntag eine einfache Mehrheit reiche und die Bevölkerung verunsichert sei, die Wahl verkomme zu einer Lotterie.

«Ich weiss, welche Voraussetzungen an das Amt des Gemeindepräsidenten gestellt werden», sagt Honauer, der während zweier Monate für den damaligen Präsidenten Christof Rösch einsprang. «Ich bin keiner, der die Faust im Sack macht, wenn es für mich auch nicht stimmt. Deshalb bin ich nun aktiv geworden», sagt René Honauer.

Der Thurgauer Rechtsdienst ist nicht zuständig

Der Rechtsdienst der Staatskanzlei des Kantons Thurgau schreibt auf die Frage, wie es um die Geheimhaltung des Namens eines Kandidierenden einer politischen Wahl von Gesetzes wegen steht: «In datenschutzrechtlichen beziehungsweise privatrechtlichen Belangen ist der Rechtsdienst der Staatskanzlei nicht zuständig.» Dennoch gibt es eine Einschätzung des Rechtsdienstes: «Für die Veröffentlichung des Namens der betroffenen (kandidierenden) Person spricht, dass sie für ein öffentliches Amt kandidiert und auf ihren Wunsch hin auch bereits ein Steckbrief über sie im offiziellen Gemeindeblatt der Gemeinde Hohentannen publiziert worden ist. Prima vista halten wir es daher für zulässig, die Namen der Kandidaten zu publizieren.» Tatsache ist, dass Werner Keller seine Kandidatur spätestens mit der Veröffentlichung im Gemeindeblatt öffentlich gemacht hat. (red)

Ein weiterer Kandidat

In einem Flugblatt, das am Wochenende verteilt wurde, wird ein vierter Kandidat angekündigt. Deswegen gebe es am Dienstagabend eine weitere Kandidatenvorstellungsrunde. Man habe «in den vergangenen Tagen in der Bevölkerung viel Unsicherheit gespürt», heisst es im Schreiben an die Hohentanner, das die ehemaligen Gemeinderäte Ursi Brüschweiler Weber, René Honauer und Lise Schmidhauser unterzeichnet haben. (man)

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