Der Bürgler Gemeindepräsident hat noch keine Zeit zum Aufräumen

Am 31. Mai gibt Erich Baumann das Gemeindepräsidium von Bürglen ab. In den vergangenen acht Jahren erlebte er gesundheitliche und politische Hochs und Tiefs. Am Montag steht nun seine letzte Gemeindeversammlung an.

Mario Testa
Merken
Drucken
Teilen
Gemeindepräsident Erich Baumann im Eingangsbereich des Gemeindehaus von Bürglen. (Bild: Mario Testa)

Gemeindepräsident Erich Baumann im Eingangsbereich des Gemeindehaus von Bürglen. (Bild: Mario Testa)

«Ich wäre froh, wenn ich etwas aufräumen könnte», sagt Erich Baumann. «Aber momentan geht es noch nicht, das Tagesgeschäft läuft noch. Im Moment gilt es für mich, die Gemeindeversammlung gut vorzubereiten.» Auf die Übergabe seines Amts an Kilian Germann kurz danach freue er sich, sagt der Gemeindepräsident von Bürglen. «Etwas Wehmut ist auch dabei, aber ich freue mich auf die Zeit nach dem Präsidium. Es fängt für mich ein neuer Abschnitt an.»

Acht Jahre lang war der heute 63-Jährige Gemeindepräsident von Bürglen. Der CVP-Mann kam 2011 ins Amt. Unzufrieden mit dem Erreichten ist er nicht:

«Ich bin nicht angetreten mit dem Anspruch, Bürglen zu prägen. Trotzdem haben wir im Gemeinderat einige Ziele erreicht.»

So habe er gute Anpassungen in der Verwaltung vornehmen können: Ein Bauverwalter eingesetzt und die Gemeindeschreiberin entlastet. Dazu die Stellen der Sozialen Dienste und des Krankenkassen-Case-Managements aufgestockt. «Das war dringend nötig. Gut, dass wir das erreicht haben.» Auch den Abschluss der Generellen Wasserversorgungsplanung verbucht Baumann als Erfolg, ebenso die Strassensanierungen sowie die Einführung der Tempo-30-Zonen in der Gemeinde.

Werkhof-Niederlage und Exodus im Gemeinderat

Die grösste Niederlage erlitt Erich Baumann und der Gemeinderat bei der Abstimmung über die Sanierung des Werkhofs. «Ganz ehrlich, das ist für mich auch unbefriedigend. Da habe ich eine Niederlage eingesteckt, die grosse Auswirkungen hatte.» Ebenso unschön sei die Situation anfangs der zweiten Legislatur gewesen, als bereits nach kurzer Zeit drei Gemeinderäte wieder zurücktraten.

Auch den vergangenen Wahlkampf nennt Baumann «nicht sehr schön».

«Wir haben in Bürglen keine schlechte politische Kultur. Aber die Ortsparteien tragen noch Altlasten mit sich herum.»

Erich Baumann sagt weiter: «Das ist bedauerlich, weil sich innerhalb den Ortsparteien alle Leute fürs Dorf einsetzen.»

Die Vielseitigkeit des Amts als Gemeindepräsident sei etwas vom Schönsten gewesen, gleichzeitig die grösste Herausforderung. «Jeder Tag ist anders. Aber die Vielseitigkeit birgt die grosse Gefahr, sich in ihr zu verlieren.» Auch die Leitung des Gemeinderats habe ihm immer gefallen. «Es gibt natürlich auch weniger schöne Aufgaben, aber auch mit denen muss man sich befassen. Ich habe unangenehme Themen nicht einfach abdelegiert», sagt der ehemalige Leiter der Primarschule Bürglen.

Persönlich erlitt Baumann in seiner Amtszeit zwei heftige Rückschläge. Zuerst hatte er einen Bandscheibenvorfall, später folgte gar ein Hirnschlag. «Nach dem Schlägli gab es schon Zeiten, in denen ich mich fragte, weshalb ich mir das antue. Aber nur selten – und ich mache auch gar nicht mein Amt verantwortlich dafür, das hätte auch sonst passieren können. Heute geht es mir wieder gut.»

Dank des Engagements von Vizepräsidentin Jasmin Schönholzer und seiner Pensenreduktion auf 80 Prozent habe er wieder gut in den Arbeitsalltag zurückgefunden. Wenn dieser in zehn Tagen ein Ende findet, dann zieht es Erich Baumann an den Bodensee nach Güttingen. Sein Haus in Bürglen überlässt er seinem Sohn und dessen Familie.

«Ich wäre gerne hier geblieben, aber das Haus passt für eine Familie viel besser – ich freue mich darauf, nun ganz zu meiner Frau zu ziehen.»

Gemeindeversammlung

Am Montagabend findet die Gemeindeversammlung in der Mehrzweckhalle Bürglen statt. Zur Abstimmung kommt die Jahresrechnung 2018, die bei einem Aufwand von 9,42 Millionen und einem Ertrag von 9,98 Millionen mit einem Überschuss von 560000 Franken abschliesst. Weitere Traktanden an der Versammlung sind drei Einbürgerungsgesuche, ein Kreditantrag für den Gemeindeanteil zur Sanierung des Kreisels in Opfershofen sowie die Abrechnung der Ersatzbeschaffung des Tanklöschfahrzeugs. Die Versammlung beginnt um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle mit einer kurzen Jungbürgerfeier. (red)