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«Es war nie die Absicht, jemanden zu verärgern»: Stadt Romanshorn rückt abtransportierten Brunnen wieder raus – um den Unterhalt müssen sich künftig aber die Anwohner kümmern

Vor über einem Jahr hatte die Stadt den Quartierbrunnen im Löffelpark klammheimlich abtransportiert. Empörte Anwohner forderten seither ihren Treffpunkt zurück. Nun stellt die Stadt den historischen Wasserquell zurück - allerdings will sie mit dessen Unterhalt nichts mehr zu tun haben.
Annina Flaig
Bald wird er wieder hier stehen: der Brunnen von 1871 an seinem angestammten Ort im Löffelpark. (Bild: PD)

Bald wird er wieder hier stehen: der Brunnen von 1871 an seinem angestammten Ort im Löffelpark. (Bild: PD)

Ein Jahr lang wurde über den verschwundenen Brunnen debattiert. «Es waren teils hitzige Diskussionen», sagt Stadtrat Patrik Fink, Ressortverantwortlicher Versorgung und Entsorgung. Er leitete die städtische Verhandlungsdelegation. Mit im Boot waren auch Stadtpräsident David H. Bon und Stadtrat Christoph Suter. Auf der Gegenseite standen die Brunnenaktivisten des Jakob-Schoop-Wegs.

Diese reagierten empört, als die Stadt kurz vor Weihnachten 2017 ihren Dorfbrunnen aus dem Fundament riss und abtransportierte. Die Rede war von einer klammheimlichen Nacht- und Nebelaktion. Denn die Stadt hatte die Bevölkerung nicht informiert. Patrik Fink sagt rückblickend:

«Damit hatten wir unabsichtlich einen empfindlichen Nerv getroffen.»

Der Brunnen wurde im Werkhof zwischengelagert, wo er bis heute steht.

Quartierverein putzt den Brunnen

Grund für die bizarr anmutende Aktion war die Durchsetzung der sogenannten haushaltssichernden Massnahmen. Denn die Parkanlagen sind laut Fink eine Position auf dieser Liste. Durch die Räumung des Löffelparks könne die Stadt 3000 bis 4000 Franken jährlich einsparen. «Es war nie die Absicht, jemanden zu verärgern», sagt Fink. Er fügt jedoch an: «Die Romanshorner wollen sparen. Und sparen tut weh, wenn es konkret wird.»

Doch die Anwohner des kleinen Löffelparks am Jakob-Schoop-Weg konnten sich damit nicht abfinden. Sie reichten eine Petition ein und forderten den Brunnen zurück. Für die Medien kramten sie Fotos von fröhlich planschenden Kindern aus mehreren Generationen hervor und betonten, dass die Stadt sie ohne Vorwarnung ihres Quartiertreffpunktes beraubt habe. Rückendeckung erhielten sie von der Museumsgesellschaft. Diese betonte, dass der fast 150-jährige Brunnen ein historischer Zeitzeuge sei und zum Ortsbild gehöre.

Nun gibt es offenbar eine Lösung, mit der sich alle abfinden können: Die Stadt rückt den Brunnen wieder raus und stellt ihn an seinen angestammten Ort zurück. Allerdings wird sie nicht mehr für dessen Unterhalt aufkommen. Diese Kosten sowie den wöchentlichen Brunnenputz während des Sommers übernimmt künftig der neu gegründete Quartierverein Löffelpark und Umgebung.

Brunnenaktivisten suchen Gönner

Vereinspräsident und Anwohner Daniel Bischof ist zufrieden:

«Ich glaube, wir haben das Beste daraus gemacht. Wir erhalten unseren Brunnen zurück, und die Stadt kann Geld einsparen.»

Allerdings sei die Finanzierung noch nicht gesichert, respektive hat der Verein erst sechs Geldgeber – es sind die Gründungsmitglieder. Diese suchen nun unter anderem mit ihrer Präsenz am Romanshorner Lenz vom 28. April weitere Gönner für die kleine Parkanlage.

Denkbar sind laut Bischof eine Sitzbank und eine schöne Bepflanzung, die den Platz zu einer kleinen Oase machen. Sobald sich der Verein Löffelpark und die Stadt auch über die Ausgestaltung des Parks einig sind, wird der Brunnen laut Fink wieder aufgestellt.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Die Stadt behält es sich vor, den Brunnen von 1871 später allenfalls durch einen anderen Brunnen auszutauschen. Dies, falls an einem anderen Ort in Romanshorn ein höheres öffentliches Interesse am Brunnen bestehen würde. Konkrete Pläne gibt es laut Fink aber noch nicht.

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