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Schafe misshandelt? Tierschützer zeigen Thurgauer Landwirt an +++ Polizei auf dem Hof gesichtet

Nach dem Pferdeskandal von Hefenhofen droht dem Thurgau ein neuer Fall von Tiermissbrauch. Der Verein gegen Tierfabriken (VgT) hat am Montag Strafanzeige gegen einen Schafhalter aus Herrenhof bei Langrickenbach eingereicht. Das Veterinäramt und die Staatsanwaltschaft untersuchen den Fall gemeinsam.
(Bild: Screenshot Video)

(Bild: Screenshot Video)

(red) Am späteren Dienstagnachmittag ist die Polizei auf dem Hof in Herrrenhof vorgefahren. Wie eine Augenzeugin berichtet, war nebst einem Vertreter des Veterinäramtes auch die Staatsanwaltschaft vor Ort. Eine Sprecherin des Kantons bestätigt auf Anfrage, dass es sich um Abklärungen im Rahmen der eingereichten Strafanzeige handelt.

Ein Video zeigt einen Bauern im Stall, der Schafe an den Beinen packt und sie vom einen zu anderen Ort wirft. Auch soll er die Schafe schlagen, heisst es in einer Mitteilung des Vereins gegen Tierfabriken (VgT) Schweiz. Der Thurgauer Tierschützer Erwin Kessler schildert, dass die Schafe zum Teil mit Tritten und einem Knüppel misshandelt werden. Die Plattform YouTube hat das Video am Dienstagabend gelöscht.

Auf Anfrage von «FM1 Today» verteidigt sich der Bauer: Er sei gerade dabei gewesen, die Schafe in einen Anhänger einzuladen. Das Video sei in einem ungünstigen Moment entstanden und stamme vermutlich von einem Nachbarn, der wütend auf ihn sei.

Blick in den Stall in Herrenhof am Dienstagnachmittag. (Bild: Andrea Stalder)

Blick in den Stall in Herrenhof am Dienstagnachmittag. (Bild: Andrea Stalder)

Heftige Reaktionen auf Facebook

Der VgT hat das Video auf Facebook gepostet. Am Dienstagmittag hatte der Post bereits über 200 wütende Kommentare und wurde 600 Mal geteilt. Dabei werden der Landwirt und seine Familie heftig beschimpft.

Gemäss Staatsanwaltschaft geht die Art und Weise der Veröffentlichung des Falles durch den VgT zu weit. Selbstjustiz in Form von öffentlichen Beiträgen schade häufig mehr als sie nütze, da die Ämter dann schlechter verdeckt ermitteln können.

Videomaterial wird geprüft

Der VgT hat den Landwirt angezeigt. Ein Sprecher der Thurgauer Staatsanwaltschaft bestätigt, dass eine entsprechende Anzeige eingegangen sei. Sie stelle gemeinsam mit dem Veterinäramt weitere Untersuchungen an. Geklärt werden müsse unter anderem die Echtheit des Videos und wie legal die Aufnahmen beschafft wurden. Gemäss VgT wurde es im August aufgenommen.

Wie Markus Engeli von der Staatsanwaltschaft sagt, findet am Dienstag eine Absprachesitzung mit der Polizei, dem kantonalen Veterinäramt und der Staatsanwaltschaft statt. Diese hat mittlerweile stattgefunden. Dies bestätigt eine Sprecherin des Kantons am Nachmittag. Es ging dabei um das weitere Vorgehen in dieser Sache.

Besuch des Hofes am Dienstagnachmittag

«Eine Strafuntersuchung läuft derzeit nicht», betont Engeli. Zuerst müsse die Polizei ermitteln.«Wie bei jeder anderen Strafanzeige.» Zu prüfen gelte es beispielsweise, ob das Video echt ist. «Ein Video ist nicht per se ein Beweismittel.» Die Sache sei ja auch noch frisch. Wann mit Resultaten zu rechnen sei, konnte am Dienstag weder die Staatsanwaltschaft noch der Kanton sagen.

Die Strafanzeige des VgT ist am 15. Oktober 2018 bei der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen eingereicht worden. Das Veterinäramt hat die entsprechende Mitteilung als tierschutzrechtliche Anzeige entgegengenommen, wie der Kanton in einer Mitteilung schreibt. Wobei die eingereichten Unterlagen beim Veterinäramt völlig unzureichend gewesen seien. Der VgT wurde seitens des Amtes noch gleichentags aufgefordert, die fehlenden Unterlagen nachzureichen.

Bislang keine Beanstandungen

Die Tierhaltung des betroffenen Landwirtes hat nach bisherigen internen Abklärungen bis dato zu keinerlei tierschutzrechtlichen Beanstandungen geführt. Das Veterinäramt des Kantons Thurgau hat im Frühjahr 2018 den Neubau des Schafstalls tierschutzrechtlich abgenommen. Auch diese Abnahme gab zu keinen Beanstandungen Anlass. Der VgT fordert vom Veterinäramt, unverzüglich ein sofortiges Tierhalteverbot zu erlassen und die Tiere zu beschlagnahmen.

Welche Massnahmen sachlich geboten und verhältnismässig sind, werden die anstehenden Untersuchungen zeigen müssen. Diese werden in Zusammenarbeit von Staatsanwaltschaft und Veterinäramt geführt.

Nachbarschaftsstreit als mögliches Motiv

«Nein», sagt eine Person, die den Schafhalter von Herrenhof kennt. «Nein, ein Tierquäler ist er nicht.» Er sei aber ein impulsiver Mensch, der auch mal eine raue Sprache pflege. Sie fügt an: «Nutztierhaltung ist halt leider kein Jö-Geschäft und nicht immer herzig.» Da gehe es manchmal ruppig zu und her. Das wisse jeder, der die landwirtschaftliche Nutztierhaltung kenne.

Als Motiv sieht die Person ganz klar einen Nachbarschaftsstreit. «Die beiden haben das Heu nicht auf der gleichen Bühne.» Schon lange nicht. Der Landwirt und der Nachbar würden sich seit längerem Steine in den Weg legen. So habe der Nachbar dem Schafzüchter auch schon «den Tierschutz auf den Hals hetzen wollen». Doch dieser sei damals nicht gekommen.

Coop beendet Zusammenarbeit

Laut Recherchen vom Blick ist der Bauer Produzent für Coop und Bell. Dort zeigt man sich schockiert über das Video, wie Coop-Sprecherin Andrea Bergmann schreibt. «Wir haben die Zusammenarbeit per sofort beendet und untersuchen die Angelegenheit», sagt sie weiter. Auch Bell habe die Zusammenarbeit beendet. «Von unseren Lieferanten erwarten wir einen tadellosen Umgang mit ihren Tieren. Das in dem Video gezeigte Verhalten ist für uns inakzeptabel», schreibt eine Sprecher auf Anfrage von «Blick».

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