Terra Nova
Wahrscheinlich noch in diesem Jahr können die Steinacher über das 65 Meter hohe Hochhaus der HRS abstimmen

Dazu müssten aber voraussichtlich noch vor den Sommerferien mindestens 200 Personen das Referendum ergreifen. Der Gemeindepräsident ist ziemlich sicher, dass ein Teil der Bevölkerung Unterschriften sammeln wird für einen Entscheid an der Urne.

Markus Schoch
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Visualisierung des geplanten Hochhauses der HRS an der Grenze zwischen Arbon und Steinach.

Visualisierung des geplanten Hochhauses der HRS an der Grenze zwischen Arbon und Steinach.

Bild: PD

Nach einer über achtjährigen Planungsphase für das Hochhaus der HRS an der Grenze zwischen Steinach und Arbon im östlichen Teil des Saurer WerkZwei nähert sich der Tag der Entscheidung. Am kommenden Montag legt die Gemeinde Steinach Änderungen am überarbeiteten kommunalen Rahmennutzungsplan für 30 Tage ein zweites Mal öffentlich auf.

Gemeindepräsident Michael Aebisegger hofft, die bereinigten Unterlagen noch vor den Sommerferien dem fakultativen Referendum unterstellen zu können. Heisst: Der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, eine Abstimmung über den Rahmennutzungsplan und damit auch über den Zonenplan herbeizuführen, der so geändert werden soll, dass das 64,5 Meter hohe Hochhaus mit 20 Geschossen gebaut werden kann. Die Rahmenbedingungen dafür sind in einem so genannten Sondernutzungsplan festgelegt.

Die Steinacher können aber nur dann an der Urne über das Projekt mit dem Namen Terra Nova befinden, wenn das dereinst mindestens 200 von ihnen mit der Unterschrift verlangen. Gemeindepräsident Aebisegger sagt:

Gemeindepräsident Michael Aebisegger.

Gemeindepräsident Michael Aebisegger.

Bild: PD
«Ich gehe mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass einige versuchen werden, den neuen Zonenplan wegen Terra Nova vors Volk zu bringen.»

Das Hochhaus sei markant und nochmals 20 Meter höher als die geplanten Zwillingstürme der HRS auf dem «Metropol»-Areal in Arbon.

Schwerpunktzone soll Hochhaus den Weg ebnen

Um es hochziehen zu können, soll der zuletzt als Parkplatz genutzte Standort im Rahmen der Zonenplanrevision von der Industrie in eine so genannte Schwerpunktzone nach Artikel 19 des Planungs- und Baugesetzes überführt werden. Die Schwerpunktzone ermöglicht die Überbauung von Siedlungsgebieten, die zur Umstrukturierung bestimmt sind. Erschlossen ist das rund 6'700 Quadratmeter grosse Gelände über einen Kreisel an der neuen Linienführung der Kantonsstrasse (NLK).

Aussicht auf den See: Visualisierung einer Wohnung in Terra Nova.

Aussicht auf den See: Visualisierung einer Wohnung in Terra Nova.

Bild: PD

Im Hochhaus, in dessen Bau die HRS zwischen 60 und 70 Millionen Franken investieren würde, sind rund 90 Wohnungen geplant. Dazu auf drei Geschossen Büros und im Erdgeschoss Gewerbeflächen sowie ein Restaurant. Im obersten Vollgeschoss sind ausserdem nebst den notwendigen technischen Einrichtungen Flächen für eine halböffentliche Nutzung wie beispielsweise ein Konferenzraum mit Sanitäranlagen und kleiner Küche vorgesehen.

Als Kompensation für die Erlaubnis, so viel Volumen (fast 60'000 Kubikmeter) auf relativ kleiner Fläche bauen zu dürfen, überlässt die HRS der Gemeinde 9'650 Quadratmeter Land im Gebiet Schöntal, das zu einem Grünraum mit Erholungsfunktion werden soll. Die Details würde die Gemeinde gegebenenfalls in einem partizipativen Prozess gemeinsam mit der Bevölkerung festlegen.

Ein Hochhaus an diesem Ort ist seit 15 Jahren im Gespräch

Auf diesem Areal beim Kreisel der neuen Linienführung der Kantonsstrasse soll das Hochhaus gebaut werden.

Auf diesem Areal beim Kreisel der neuen Linienführung der Kantonsstrasse soll das Hochhaus gebaut werden.

Bild: Reto Martin

Ein Hochhaus an diesem Ort ist eine Hinterlassenschaft der damaligen Stadtpräsidentin Lydia Buchmüller aus der Testplanung im Jahr 2006 für das gesamte Saurer WerkZwei. Auf den Ergebnissen dieser Testplanung fusst der grenzüberschreitende Richtplan. Dieser sieht an der Aach auf Steinacher Boden einen «markanten Abschluss der neuen Arboner Stadtkante» mit einem Hochhaus vor. Das kantonale Amt für Raumentwicklung und Geoinformation hatte 2017 den Gestaltungsplan für das Hochhaus bei der Vorprüfung positiv beurteilt.

Sondernutzungsplan

Daran muss sich die HRS halten

Der Sondernutzungsplan für das Hochhaus trifft grundeigentümerverbindliche Bestimmungen zu den Themen Bebauung, Erschliessung, Umgebung sowie Ver- und Entsorgung, wo ein öffentliches Interesse an deren Festlegung besteht. Konkret regelt er die architektonische und städtebauliche hohe Qualität der Bauten und Freiräume; die hohe Wohnqualität; Positionierung, Volumen, Nutzung und Gestaltung der Bauten; die Lage, Nutzung und hochwertige Gestaltung der Freiflächen unter Einbezug der Aach; die Anordnung der Parkierungsanlage; die strassenmässige Erschliessung einschliesslich Güterumschlag in Abstimmung zu den angrenzenden Verkehrsanlagen; die energetischen Anforderungen. (mso)