«Stirb stirb stirb stirb stirb»: Zwei neue Strafanträge im Fall des gestalkten Romanshorner Rollstuhlfahrers

Der von Stalking betroffene Silvan Mumenthaler hat noch einen Strafantrag wegen Erpressung eingereicht. In Zusammenhang mit einem Brand bei der Wohnung geht die Gebäudeverwaltung zudem wegen Sachbeschädigung gegen Unbekannt vor.

Tanja von Arx
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«Wir wissen nicht, wozu der Übeltäter noch in der Lage ist», sagt Silvan Mumenthaler. (Bild: Benjamin Manser)

«Wir wissen nicht, wozu der Übeltäter noch in der Lage ist», sagt Silvan Mumenthaler. (Bild: Benjamin Manser)

Schlimmer konnte es eigentlich nicht mehr kommen. Das dachten der politisch aktive Rollstuhlfahrer Silvan Mumenthaler und seine Frau, nachdem sie über ein Jahr lang mit Anrufen, sexistischen SMS und E-Mails belästigt worden waren, ebenso mit Buchungen für Hotels und Kreuzfahrten sowie Pizzabestellungen. Und nachdem zuletzt ein Unbekannter ein Hakenkreuz an Mumenthalers Wohnort in Romanshorn schmierte sowie einen vollen Hundekotbeutel dort deponierte − und einen Brandanschlag verübte. Doch es kam schlimmer.

Erzfeind und Angstgegner

Anfang Woche hat ein Übeltäter auf den Namen «silvans_nemesis» einen Instagram-Account erstellt, wobei Silvan Mumenthaler «Nemesis» auf Englisch versteht als «Erzfeind» oder «Angstgegner». Darüber wurden Hundert seiner Bilder geliked. Entsprechend dessen Einschätzung:

«Der Terror geht weiter.»

Zu allem Überfluss wird der Rollstuhlfahrer nun auch noch erpresst. Per Mail forderte ihn jemand dazu auf, 312 Euro zu zahlen, ansonsten würden seine Webtätigkeiten im Sinne «Besuch intimer Internetseiten» publik. «Ich wüsste gern, welche Seiten», sagt Mumenthaler dazu. Und hat daraufhin einen Strafantrag wegen unbefugter Datenbeschaffung, strafbarer Handlungen gegen das Vermögen, Erpressung, Ehrverletzung und Beschimpfung eingereicht.

Zwar gibt es auch im Aargau derzeit Erpresser-Attacken. Aufgrund der zeitlichen Nähe zu Medienberichten über die Mobbing-Vorfälle ist für Mumenthaler die Wahrscheinlichkeit aber hoch, dass es um die gleiche Person geht. «Ich halte an meinem Strafantrag fest.»

Eines ist klar: Silvan Mumenthaler und seine Frau haben Angst. «Ich will nicht, dass meiner Frau, meinem Hund oder mir etwas passiert», sagt der Rollstuhlfahrer. «Da ich behindert bin, kann ich mich allenfalls gar nicht wehren.» Nach allem, was man schon erlebt habe, sei man sich nie sicher, wozu dieser Jemand noch in der Lage sei. «Auf YouTube forderte er mich gar zum Selbstmord auf»:

Silvan Mumenthaler hat im Vorfeld bereits zwei Strafanträge eingereicht. Zur Zeit läuft ein Verfahren, das sich um Beschimpfung und Missbrauch einer Fernmeldeanlage dreht, wie die Staatsanwaltschaft Thurgau auf Anfrage mitteilt. Laut Mumenthaler sind indessen siebzig Prozent der früheren Taten aufgeklärt.

Polizei schweigt wegen Amtsgeheimnis

Matthias Graf, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, sagt auf Anfrage: «Wir haben einen 19-Jährigen verhaftet.» Weiterhin sei von Seiten der Gebäudeverwaltung unterdessen ein Strafantrag wegen Sachbeschädigung eingegangen. In Zusammenhang mit Medienberichten, die Mumenthaler dahingehend zitierten, dass die Polizei bisher nicht aktiv geworden sei, sagt Graf:

«Silvan Mumenthaler kommuniziert nicht alle Fakten.»

Dies würde der Öffentlichkeit ein einseitiges und falsches Bild vermitteln. «Uns sind die Hände gebunden, wenn es darum geht, Details bekannt zu geben. Einerseits wegen des Amtsgeheimnisses, andererseits aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes.»

Silvan Mumenthaler ist für einige eine Reizfigur. Zwar ist er parteilos und gehört nicht mehr der örtlichen SVP an, allerdings hat er in Zusammenhang mit dem Bau eines Spielplatzes auf der Bunkerwiese politisiert. Manchen stösst auch die Militäruniform auf, in der er üblicherweise zu sehen ist. Nach eigenen Angaben hat er allerdings einfach Camouflage gern und setzt sich für Assistenzhunde sowie Behinderte ein. «Und sie ist bequem.»