Swiss League
Die Wand des HC Thurgau: Goalie Luis Janett spielt das Playoff seines Lebens

Mit einer sagenhaften Fangquote von 95 Prozent ist Torhüter Luis Janett ein entscheidender Erfolgsfaktor beim HC Thurgau. Der erst 21-jährige Rückhalt hat eine ganz besondere Routine vor jedem Match - und spielt in der Freizeit leidenschaftlich gerne Gesellschaftsspiele.

Matthias Hafen
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Luis Janett: «Thurgau ist für einen Goalie ein dankbarer Klub, weil die Vorderleute viele Schüsse abblocken.»

Luis Janett: «Thurgau ist für einen Goalie ein dankbarer Klub, weil die Vorderleute viele Schüsse abblocken.»

Bild: Mario Gaccioli (Weinfelden, 17. März 2022)

Noch ist die Saison nicht zu Ende. Und dennoch bilanziert Luis Janett schon heute:

«Der Wechsel zum HC Thurgau ist das Beste, was mir in meiner jungen Karriere passieren konnte.»

Der 21-jährige Goalie aus Freidorf bestritt bislang alle sieben Playoff-Spiele des HCT. Fünfmal hexte er seine Mannschaft zum Sieg. Dreimal war seine Fangquote 96 Prozent und höher. Mittlerweile steht sein Name in den Notizbüchern diverser National-League-Klubs. Wenn einer den EHC Kloten im Halbfinal stoppen kann, dann er.

HC-Thurgau-Goalie Luis Janett .

HC-Thurgau-Goalie Luis Janett .

Bild: PD/HC Thurgau

Spiele gegen Kloten motivieren den jungen Thurgauer besonders. Nicht nur, weil sein Zwillingsbruder Gian bei den Flughafenstädtern unter Vertrag steht (im Playoff allerdings überzählig ist). Auch Luis Janett besitzt noch einen Vertrag bei den Zürchern, ist diese Saison nur ausgeliehen vom HCT. Doch während ihm nach dem Übertritt von den Junioren zu den Erwachsenen in Kloten mehr und mehr das Vertrauen fehlte, setzt Thurgau ganz bewusst auf das Goalietalent. Deshalb unterschrieb Luis Janett für nächste Saison beim HC Thurgau.

Thurgaus Goalietrainer Malmquist holt aus Janett das Beste

Ein entscheidender Faktor dafür war der vollamtliche Goalietrainer des HC Thurgau. Luis Janett sagt:

«Ohne Karl Malmquist wäre ich nicht dort, wo ich heute bin.»

Und der HCT-Goalie fügt an: «Er steht jeden Tag mit uns auf dem Eis, pusht mich und holt das Beste aus mir heraus.» Malmquist gebe ihm wie der gesamte Trainerstab das nötige Vertrauen. Ein Vertrauen, das Janett mit starken Leistungen zurückzahlt.

Schon früh war dem ehemaligen Pikes-Junior bewusst, dass sich die Karriere eines Goalies im Kopf entscheidet. Janett sagt:

«Ich arbeitete schon als 16-Jähriger mit einem Mentaltrainer.»

Damit er für ein Spiel parat sei, brauche er eine bestimmte Routine, hole sich schon im Warm-up am Morgen ein gutes Gefühl und gehe am Abend immer alleine einlaufen. «Ich brauche diesen Moment für mich», so der junge Thurgauer.

In der Kabine gilt Luis Janett als Spassvogel, der alle zum Lachen bringen kann. Sich selber bezeichnet er als chaotisch. Ausgleich holt sich Janett mit Gesellschaftsspielen. Skull King ist gerade hoch im Kurs.

Luis Janett im zweiten Playoff-Halbfinalspiel gegen den EHC Kloten.

Luis Janett im zweiten Playoff-Halbfinalspiel gegen den EHC Kloten.

Bild: Mario Gaccioli (Weinfelden, 30. März 2022)

Janetts Verpflichtung kam beim NL-Partner Rapperswil-Jona nicht gut an

Dass Trainer Stephan Mair in seiner letzten Saison mit Thurgau endlich den Playoff-Goalie gefunden hat, den er sich schon in den Jahren zuvor gewünscht hat, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Janett war bei der Planung der Saison 2021/22 zuerst gar nicht vorgekommen in den Überlegungen des Klubs.

Doch Mair realisierte, dass der 19-jährige Jan Rutz im Tandem mit Bryan Rüegger für den angepeilten Erfolg nicht reichen würde, machte sich für eine Ausleihe von Janett stark. Damit zog er den Ärger des NL-Partnerteams Rapperswil-Jona auf sich, das Rutz beim HCT aufbauen wollte. Doch wie sich jetzt zeigt, entschied Mair im Sinne von Thurgau genau richtig.

Playoff-Halbfinal (best of 7). 3. Runde. Freitag, 1. April, 19.45 Uhr: Kloten - Thurgau; Stand: 1:1.