Weinfelden
Ein leerstehendes Pfarrhaus, Nothilfe und Friedensdemonstrationen – das tut die Stadt für Flüchtlinge aus der Ukraine

Die Stadt bereitet sich auf Flüchtlinge aus der Ukraine vor. Das sind die Massnahmen.

Sabrina Bächi
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Das Weinfelder Pfarrhaus. Hier sollen Flüchtlinge eine Unterkunft finden.

Das Weinfelder Pfarrhaus. Hier sollen Flüchtlinge eine Unterkunft finden.

Bild: Sabrina Bächi

Der Ukrainekrieg ist auch in der Region Weinfelden angekommen. Flüchtlinge kommen an, wohnen bei Privatpersonen, benötigen Obdach, Kleidung und Medikamente. Dieser Situation ist sich auch die Behörde der evangelischen Kirchgemeinde Weinfelden bewusst. Inspiriert wurde sie zudem von anderen Kirchgemeinden, die ebenfalls schon Flüchtlinge aufgenommen haben. Deshalb hat sie vergangene Woche entschieden, das leerstehende Pfarrhaus für Flüchtlinge aus der Ukraine vorzubereiten. «Es ist ein sehr grosses Haus», sagt Thomas Siegfried, Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde Weinfelden. Rund sieben Zimmer gibt es, die genutzt werden können.

Thomas Siegfried, Präsident Evangelische Kirchgemeinde Weinfelden.

Thomas Siegfried, Präsident Evangelische Kirchgemeinde Weinfelden.

Bild: PD

Zuvor hat Pfarrer Richard Häberlin dort gewohnt. Seitdem er die Stelle gewechselt hat, steht das Haus leer. Bis ein neuer Pfarrer oder eine neue Pfarrerin gefunden ist, steht das Haus zur Verfügung. «Es ist entsprechend nur zeitlich begrenzt für die Flüchtlinge gedacht», sagt Thomas Siegfried. Bis eine neue Seelsorgerin oder ein neuer Seelsorger dort einzieht, kann es aber durchaus noch ein Jahr oder länger dauern.

Betten und Matratzen sind gefragt

Die Kirchgemeinde hat nun ein Projektteam zusammengestellt, welches sich um das Anliegen kümmert. Die Zusammenarbeit soll hauptsächlich mit den offiziellen Stellen stattfinden. Sozialdiakonin Natalie Burkhart leitet das Team. Sie haben sich diese Woche zum ersten Mal getroffen und vieles ist noch unklar. Eines jedoch ist gewiss: Wenn Flüchtlinge kommen, dann braucht es Möbel, denn das Haus steht gänzlich leer. «Wir würden uns über Betten, Matratzen, Schränke oder Kommoden freuen», sagt Burkhart. Aber auch Spielzeug ist erwünscht, denn voraussichtlich werden auch in Weinfelden vor allem Mütter und Kinder einziehen. «Auch wer sonst mithelfen möchte, darf sich jederzeit melden», sagt Natalie Burkhart.

Die Katholische Kirchgemeinde indes hat sich entschieden, 5000 Franken Soforthilfe der Caritas zukommen zu lassen, damit diese Unterstützung vor Ort leisten kann. Dies hat die Kirchgemeinde in einer Mitteilung geschrieben. Die Gottesdienste am kommenden Wochenende werden in der Pfarrei St.Johannes als Friedensgottesdienste gestaltet.

Auch die Katholische Kirchgemeinde leistet einen Beitrag gegen die Flüchtlingskrise.

Auch die Katholische Kirchgemeinde leistet einen Beitrag gegen die Flüchtlingskrise.

Bild: Reto Martin

Am Samstag um 18.30 Uhr und am Sonntag um 10 Uhr finden diese im Pfarreizentrum Weinfelden statt. Auch der Pastoralraumgottesdienst am Sonntag um 19 Uhr in Bürglen wird entsprechend gestaltet, heisst es in der Mitteilung. «Der Krieg in der Ukraine fordert uns auf, finanziell zu helfen, wo es nötig ist, Flüchtlingen eine Unterkunft zu bieten und für den Frieden gemeinsam zu beten.»

Die Stadt kann Nothilfe leisten

Auch die Stadt Weinfelden bereitet sich auf Flüchtlinge vor. Kenntnis hat die Stadtkanzlei derzeit von einer Familie, die bei Privatpersonen wohnt. «Wir wollen bereit sein, bereiten uns entsprechend vor, damit wir Fragen beantworten oder klären und auch Hilfe anbieten können», sagt Stadtschreiber Reto Marty auf Anfrage. Die Stadt hat sich jedoch entschieden, nicht jetzt schon einen Aufruf für Hilfsgüter zu machen, wenn noch nicht klar sei, wer und wie viele Personen nach Weinfelden kommen und was genau benötigt wird. «Wir sehen eine rollende Planung vor», sagt Marty.

Stadtschreiber Reto Marty.

Stadtschreiber Reto Marty.

Bild: Donato Caspari

Wenn die Flüchtlinge da sind, soll ihnen geholfen werden. «Wir haben Notunterkünfte, können auch mit Nothilfe unterstützen, etwa für Essen, Medikamente oder Kleidung.» Wichtig sei, dass sich alle Weinfelderinnen und Weinfelder bei der Stadt melden, sofern sie Flüchtlinge aufnehmen. «Nur dann können wir auch unterstützen», sagt Marty. Dabei gehe es vor allem um technische Abläufe und Fragen wie etwa bezüglich Krankenversicherung oder der Beschulung von Kindern.

Wer seine Solidarität für die Ukraine kundtun will, der kann am kommenden Mittwoch auf dem Marktplatz an der Friedensdemonstration «Licht für die Ukraine» teilnehmen. Der Anlass ist organisiert von der Interpartei aller Weinfelder Ortsparteien. Es werden jedoch keine politischen Reden gehalten. Wer will, kann eine Kerze, ein Plakat oder eine Fahne mitbringen, heisst es auf dem Flyer.

Wer der Evangelischen Kirche Hilfe oder Mobiliar anbieten will, kann sich bei Natalie Burkhart melden unter: natalie.burkhart@evang-weinfelden.ch