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Interview

«Man soll nicht Wasser predigen und Wein trinken»: Das sagt der Verbandspräsident zum rasenden Ostschweizer Fahrlehrer

Ravaldo Guerrini, Präsident des Ostschweizerischen Fahrlehrer-Verbands, äussert sich zum Ostschweizer Fahrlehrer, der mit 130 km/h in der 60er-Zone unterwegs war.
Rossella Blattmann
Ravaldo Guerrini, Präsident des Ostschweizerischen Fahrlehrer-Verbands. (Bild: pd)

Ravaldo Guerrini, Präsident des Ostschweizerischen Fahrlehrer-Verbands. (Bild: pd)

Ein Ostschweizer Fahrlehrer ist mit seinem Tesla Model 3 mit 130 km/h durch eine 60er-Zone gefahren. Er liess sich dabei filmen und postete das Video auf Instagram. Der Mann zeigte sich schliesslich selber bei der Stadtpolizei St.Gallen an. Die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen hat wegen des mutmasslichen Raserdelikts Ermittlungen aufgenommen. Ravaldo Guerrini, Präsident des Ostschweizerischen Fahrlehrer-Verbands (OFV), kann nur den Kopf schütteln.

Ein Ostschweizer Fahrlehrer ist mehr als doppelt so schnell durch eine 60er Zone gerast. In einer Kurve kam er ins Schleudern. Was sagen Sie dazu?

Ravaldo Guerrini: Ich habe aus den Medien davon erfahren. Ich, sowie der gesamte Vorstand des OFV verurteilen so ein Verhalten aufs Schwerste. Der Mann ist für mich kein Fahrlehrer. «Fahrleerer» trifft es wohl eher.

Sie sind seit 33 Jahren Mitglied des OFV, sieben Jahre davon als Präsident. Zudem sind Sie auch selber als Fahrlehrer in Rapperswil-Jona aktiv. Kratzt der mutmassliche Raser am Image der Fahrlehrer in der Ostschweiz?

Ja. Ein Fahrlehrer soll an erster Stelle ein Vorbild für seine Schülerinnen und Schüler sein. Solche unsinnigen Aktionen schaden dem Ansehen aller anderer Fahrlehrer in der Ostschweiz. Man soll nicht Wasser predigen und Wein trinken.

Das Video hat der Beschuldigte danach auf Instagram verbreitet. Warum hat er das wohl gemacht?

Der Mann wollte mit dem Tesla-Raser-Video auf Instagram wohl sein Image verbessern und neue, vor allem junge Fahrschüler gewinnen. Genau sagen kann ich das aber nicht.

Was ist für Sie das Schlimmste an dieser Geschichte?

Dass sich der Mann seiner Vorbildfunktion überhaupt nicht bewusst zu sein scheint. Ich befürchte auch, dass es Fahrschüler geben könnte, die das Video gesehen haben und das verwerfliche Verhalten ihres «Lehrers» nachahmen könnten. «Ah, cool, wie schnell der Tesla meines Fahrlehrers doch fährt!» Nebst vielen vorbildlichen Neulenkern und Lernenden gibt es natürlich auch welche, die das Gefahrenbewusstsein im Strassenverkehr noch nicht entwickelt haben.

Handelt es sich beim Beschuldigten um ein Mitglied des OFV?

Da der oder die beteiligten «Täter» noch nicht offiziell bekannt sind, gilt die Unschuldsvermutung. Falls es sich, was ich nicht glaube, um ein Mitglied des OFV handeln würde, würden wir diesen Fahrlehrer sofort aus dem Verband ausschliessen.

Dem mutmasslichen Raser droht nebst bis zu vier Jahren Freiheitsstrafe ein Berufsverbot. Würden Sie ein solches begrüssen?

Auf jeden Fall. Wer die grundlegenden Verhaltensregeln im Strassenverkehr auf solche Weise missachtet, soll nicht mehr als Fahrlehrer arbeiten dürfen.

Angenommen, der Mann wird von sämtlichen Vorwürfen befreit und darf weiter Jugendlichen das Autofahren beibringen. Wird das überhaupt möglich sein?

Das kommt ganz drauf an. Arbeitet der Mann in einer grösseren Stadt wie St.Gallen, wo es zahlreiche Fahrschulen gibt, wird vermutlich irgendwann Gras über die Sache wachsen. Ist er jedoch in einem eher kleinen Ort wie Appenzell unterwegs, dann wird es ihm wohl kaum mehr möglich sein, ungestört seinen Fahrlehrer-Beruf auszuüben. Es ist mir ein Anliegen darauf hinzuwiesen, dass wenn ein Elektriker einen Kurzschluss verursacht, nicht alle Elektriker den gleichen Fehler machen. So verhält es sich auch bei den Fahrlehrerinnen und Fahrlehrern.

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