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Nach 400 Jahren Abwesenheit: Der Waldrapp-Weibchen Sonic fliegt eine Tour de Suisse

In Überlingen aufgezogen, in die Toscana geflogen und erstmals wieder an seiner historischen Brutstätte bei Bad Ragaz eingetroffen. Der Waldrapp, eine der am stärksten bedrohten Vogelarten, kehrt zurück. Ein Weibchen mit Peilsender fliegt derzeit durch die Schweiz.
Margrith Widmer
Das Waldrapp-Weibchen Sonic mit schimmerndem Gefieder. Kann die Vogelart wieder angesiedelt werden?Bild: PD

Das Waldrapp-Weibchen Sonic mit schimmerndem Gefieder. Kann die Vogelart wieder angesiedelt werden?Bild: PD

Er war Opfer extremer Überjagung und gehört zu den weltweit am stärksten bedrohten Vogelarten: der Waldrapp. Jetzt ist ein Exemplar an einen der historischen Brutstandorte zurückgekehrt. In Überlingen aufgezogen, ist das Waldrappweibchen Sonic, das mit einem Peilsender ausgestattet ist, zuletzt in Bad Ragaz geortet worden.

Die Felswände in Bad Ragaz zählen nebst den Molassewänden am Bodenseeufer bei Überlingen zu den bekannten einstigen Brutkolonien der schwarzen, gänsegrossen Vögel. Bis ins Mittelalter waren Waldrappe eine verbreitete Zugvogelart in Europa.

Der Schweizer Naturforscher Conrad Gessner berichtete bereits im 16.Jahrhundert von der Brutstätte im Rheintal.

Jetzt könnte Sonic wieder an die historischen Brutstandorte zurückkehren, wie Johannes Fritz, Leiter des europäischen Wiederansiedlungsprojekts «Life Reason for Hope», mitteilt. Zusammen mit 30 Artgenossen wurde Sonic im Herbst darauf trainiert, einem Ultra-Leichtfugzeug von Überlingen in die Toscana zu folgen. Dort wurden die Vögel ausgewildert. Am 5.Juni 2019 verliess Sonic die Toscana.

Sonic legte mehr als 1500 Kilometer zurück

Inzwischen hat Sonic über 1500 Kilometer zurückgelegt. Sie flog über den Comersee und hielt sich seit dem 24. Juni in der Umgebung von Bad Ragaz auf. «Es scheint, dass sich dieses Tier gerade in diesem Gebiet wohlfühlt und wieder ein Habitat vorfindet», sagt Hans Peter Grünenfelder von der Grovni Foundation, die sich für den Erhalt der Vielfalt von Flora und Fauna einsetzt.

Seit drei Wochen befindet sich Sonic nun auf einer Tour de Suisse: Sarganserland, Neuenburgersee, Domat-Ems, Zürcher Oberland, Thurgau.

Die Frage sei nun, ob und wann Sonic nach Überlingen, ihrem Aufzuchtort, zurückkehren werde, sagt Grünenfelder.

Schon die erste Zugroute der Waldrappe in die Toscana mit von Menschen geführter Migration war ein Erfolg des Waldrapp-Teams. Fritz sagt:

«Der Flug von Sonic ist ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung dieser Artenschutzmethode.»

Sonic folge einer direkten Route in ihr Brutgebiet. Andere Artgenossen wählten eine weiter östlich gelegene Route. Sonic bestätige, dass man mit dieser Methode auch komplexere Zugmuster gründen könne, wie sie bei den meisten Zugvogelarten zu finden seien, sagt der Leiter des Projekts, Johannes Fritz. Das sei ein essenzieller Fortschritt für die Wiederansiedlung des Waldrapps. «Dadurch erschliessen sich aber auch bedeutende neue Möglichkeiten für den Artenschutz bei Zugvögeln.»

In den Felswänden am Bodenseeufer brüten

Sonic gehört zum europäischen Wiederansiedlungsprojekt «Life Reason for Hope». Die Gründung einer migrierenden europäischen Population soll zur Erhaltung dieser weltweit vom Aussterben bedrohten Art beitragen. Das Projekt wird von acht Partnern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt. Sonic ist noch nicht geschlechtsreif. Für sie gibt es noch keine Notwendigkeit, ins Brutgebiet zu fliegen. Offenbar habe sie in Bad Ragaz ein attraktives Nahrungsgebiet gefunden, sagt Fritz.

«Ob sie weiter nach Überlingen fliegt oder direkt in die Toscana zurückkehrt, ist nicht voraussehbar.»

Zwei Waldrappe aus der Überlinger Kolonie halten sich am Alpensüdrand auf. Sie könnten noch in diesem Sommer über die Alpen fliegen. Das Verhalten von Sonic und ihren Artgenossen gebe Grund zur Hoffnung, dass 2020 erstmals geschlechtsreife Waldrappe nach Überlingen zurückkehren werden. Sie könnten dann in den Felswänden am Bodenseeufer brüten. «Der Flug von Sonic ist ein wichtiger Meilenstein für die Erhaltung dieser charismatischen Vogelart», sagt Fritz.

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