Der Faktencheck zum Fall Herrenhof: Nachbarschaftsstreit oder Tierquälerei?

Der Verein gegen Tierfabriken (VgT) beschuldigt einen Thurgauer Schafhalter der Tierquälerei. Dabei stützt er sich auf das Video eines Nachbarn, der sich am Geruch der Tiere stört. Bei einer Kontrolle finden die Thurgauer Behörden keine Hinweise auf Tierquälerei. 

Christof Krapf
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Auf einem Rundgang durch den Stall mit dem Vater des beschuldigten Schafzüchters. (Bild: Andrea Stalder)

Auf einem Rundgang durch den Stall mit dem Vater des beschuldigten Schafzüchters. (Bild: Andrea Stalder)

Der Fall eines Thurgauer Schafzüchters aus Herrenhof schlägt hohe Wellen. Der Verein gegen Tierfabriken (VgT) hat eine Strafanzeige wegen Tierquälerei gegen den Bauern eingereicht. Was ist an der Geschichte wahr und was unklar? Und welche Rolle spielt der Nachbar des Landwirts?

Die Ausgangslage:

  • Der Verein gegen Tierfabriken (VgT) hat Strafanzeige wegen Tierquälerei gegen einen Thurgauer Schafzüchter eingereicht. 
  • Als Beweis fügt der VgT ein von einem Nachbarn gedrehtes Video an. Youtube hat das Video mittlerweile gelöscht. 
  • Der beschuldigte Landwirt bestreitet die Vorwürfe und vermutet, dass ein Nachbar ihn «angeschwärzt» habe. 
  • Coop und Bell - der Landwirt produziert für die beiden Unternehmen - haben die Zusammenarbeit vorerst beendet.

Das wissen wir:

  • Bei einer unangemeldeten Kontrolle auf dem Hof haben die Thurgauer Behörden keine Hinweise auf Tierquälerei gefunden. 
  • Gemäss der Thurgauer Staatsanwaltschaft hat der Landwirt bei der Kontrolle offen informiert, bereitwillig Zutritt gewährt und sich kooperativ verhalten.
  • Die Staatsanwaltschaft teilt mit, dass die vom VgT eingereichten Unterlagen völlig unzureichend gewesen seien. Die Behörden forderten den Verein auf, die fehlenden Unterlagen nachzuliefern. 
Ein Blick in den Stall des angezeigten Bauern in Herrenhof. (Bild: Andrea Stalder)

Ein Blick in den Stall des angezeigten Bauern in Herrenhof. (Bild: Andrea Stalder)

Das wissen wir nicht:

  • Auf einem vom Nachbarn des Bauern aufgenommenen Video ist zu sehen, wie der Landwirt mit einem Knüppel auf etwas einschlägt. Ob er - wie vom VgT vermutet - die Tiere oder wie er angibt, auf ein Gatter schlägt, ist nicht ersichtlich.
  • Unklar ist, ob der Nachbar den Bauern bei den Behörden anschwärzen wollte. Im Gespräch mit der «Thurgauer Zeitung» nervt er sich vor allem über den Gestank der Schafe.

Was es mit dem Video auf sich hat:

  • Auf dem vom Nachbarn des Bauern aufgenommen Video ist zu sehen, wie der Landwirt Schafe packt und durch die Luft wirft.
  • Ein Videospezialist sagt, das Video könnte manipuliert worden sein. Auf der Aufnahme würden sich die Tiere viel zu schnell bewegen und die Bewegungen ungewöhnlich nervös wirken. Auch eine Tonspur fehlt. Laut dem Experten ist das ein weiteres Indiz dafür, dass der Film manipuliert wurde. 
  • Der Nachbar, der das Video aufgenommen hat, sagt, er habe den Film den Thurgauer Behörden nicht geschickt. Er habe diesen lediglich an den VgT weitergeleitet. 

Das sagen die Behörden:

  • Die Staatsanwaltschaft und das Veterinäramt des Kanton Thurgau stellen weitere Untersuchungen an. Eine Strafuntersuchung wurde aber nicht eröffnet.  
  • Die Behörden klären auch die Echtheit des Videos sowie die Frage, wie legal die Aufnahmen beschafft wurden. 
  • Gemäss der Staatsanwaltschaft geht die Art und Weise der Veröffentlichung des Videos in den Sozialen Medien zu weit. 
  • Wann mit Resultaten der Untersuchung zu rechnen ist, kann die Staatsanwaltschaft nicht sagen.

Das sagt der Schafzüchter: 

  • Der Landwirt gibt an, er sei zum Zeitpunkt der Aufnahme des Videos beim Verladen der Tiere gewesen. Das Video sei in einem ungünstigen Moment entstanden.
  • Die Frau des Bauern sagt: «Hätten wir die Tiere tatsächlich geschlagen, wäre das dem Tierarzt - spätestens beim Fleisch des Tieres - aufgefallen.»

Das sagt der VgT:

  • Nebst der Strafanzeige forderte der VgT ein sofortiges Tierhalteverbot und eine Beschlagnahmung der Tiere. Nach einer Kontrolle entsprachen die Behörden dieser Forderung nicht. 

Der Beitrag von TVO zum Fall: