Neue Erkenntnisse im Tötungsdelikt von Eschenz: Mann hat bereits einmal mit der Selbsttötung und der Tötung der Kinder gedroht – Kesb war mit Familie in Kontakt

Der Vater, der am 28. Juni in Eschenz seine siebenjährige Tochter, seinen vierjährigen Sohn und sich selber getötet hat, war den Schaffhauser Behörden bekannt. Die Mutter der Kinder holte aus Angst bereits einmal Hilfe bei der Schaffhauser Polizei.

Enrico Kampmann
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In diesem Haus hat der Mann seine zwei Kinder und sich selbst getötet.

In diesem Haus hat der Mann seine zwei Kinder und sich selbst getötet.

Keystone

Das tragische Tötungsdelikt in Eschenz vom vergangenen Wochenende hat eine Vorgeschichte im Kanton Schaffhausen. Der Mann, der zuerst seine beiden Kinder und anschliessend sich selbst getötet hat, war schon zuvor gegenüber den Schaffhauser Behörden auffällig geworden, wie diese an einer Pressekonferenz am Donnerstag bekannt gaben.

Die Ehefrau und Mutter der beiden Kinder habe Ende Oktober letzten Jahres Hilfe bei der Stadtpolizei Stein am Rhein gesucht, wo der Mann mit seiner Frau und den beiden gemeinsamen Kindern wohnhaft waren. «Ihr Mann drohte mit Suizid und Mord an ihr und ihren Kindern. Dabei hatte er ein Messer in der Hand», sagte Peter Sticher, Erster Staatsanwalt von Schaffhausen.

Kurz darauf sei er vor seinem Wohnort auf der Strasse festgenommen und auf die Polizeistation in Schaffhausen gebracht worden.

Wegweisung sowie Rückkehrverbot

Es wurde eine polizeiliche Wegweisung aus der gemeinsamen Wohnung und ein Rückkehrverbot angeordnet und der Mann für zwei Tage ins Psychiatriezentrum Breitenau eingewiesen. Dort wurde er «im Rahmen einer Fürsorgerischen Unterbringung psychiatrisch abgeklärt», wobei sich «keine Anzeichen einer Selbst- oder Fremdgefährdung» ergeben hätten, sagt Sticher.

Der Schock über die Tat war gross.

Der Schock über die Tat war gross.

Keystone

Daraufhin hätte die Unterbringung in der psychiatrischen Anstalt aufgehoben werden müssen und der Mann sei nach Hause geschickt worden. «Nach seiner Entlassung aus der Psychiatrie Ende Oktober gab es bis zum Zeitpunkt der Tat Ende Juni keinen weiteren Kontakt zwischen der Schaffhauser Justiz und dem Beschuldigten», teilt Sticher nun vor versammelter Journalistenschar mit.

Anfangs November hat die Frau ein Eheschutzgesuch am Kantonsgericht Schaffhausen eingereicht, wie Andreas Textor Vizepräsident des Kantonsgerichts am Donnerstag mitteilte. Das Verfahren lief zwischen November 2019 und Januar 2020.

Einvernehmliche Lösung der Kinderbetreuung

Daraufhin wurde der gemeinsame Haushalt aufgelöst und Mutter und Vater fanden eine einvernehmliche Lösung für die Kinderbetreuung. «Auch im Zusammenhang mit diesem Verfahren lagen keine Anzeichen von Selbst- oder Fremdgefährdung vor», sagt Textor.

Diese Art von Verfahren sei laut Textor üblich. Jährlich gäbe es im Kanton Schaffhausen weit über hundert Eheschutzgsuche. Ende März setzte sich die Mutter mit der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Schaffhausen in Verbindung. Sie meldete «einen Elternkonflikt im Rahmen der Trennungssituation», sagt Christine Thommen, Präsidentin der KESB.

Die Mutter habe gewünscht, dass die KESB mit ihrem Mann spreche. Diese habe für Mitte Juli beide Parteien zu einem Gespräch geladen, um die Situation klären zu können. Thommen sagt:

«Es wurde zu keinem Zeitpunkt geäussert, dass die Kinder durch den Vater gefährdet sein könnten.»

Zu dem Gespräch ist es freilich nie gekommen. Der Vater letztes Wochenende seine Kinder in Eschenz getötet.

Die Behörden waschen sich am Ende der Pressekonferenz weiss: Der Schaffhauser Regierungsrat Ernst Landolt, Vorsteher des Departementes für Volkswirtschaft und Justiz, gab zum Schluss bekannt, dass die Abklärungen des Justizdepartementes ergeben hätten, «dass die involvierten Schaffhauser Behörden in dieser Angelegenheit zu jeder Zeit korrekt gehandelt haben. Ebenso ergaben sich für die Behörden keine Anzeichen einer Selbst- oder Fremdgefährdung.»