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Operieren statt bestrahlen: Appenzeller Ärzte greifen bei Brustkrebs häufiger zum Skalpell

Im Kanton St.Gallen werden von Krebs befallene Brüste selten chirurgisch entfernt. In den beiden Appenzell hingegen werden überdurchschnittlich häufig sogenannte Mastektomien durchgeführt. Das hat unterschiedliche Gründe.
Rossella Blattmann
Mammografie-Aufnahme einer Brust zur Früherkennung von Tumoren. (Bild: Keystone)

Mammografie-Aufnahme einer Brust zur Früherkennung von Tumoren. (Bild: Keystone)

In den Schweizer Spitälern sind Mastektomien seit fast 20 Jahren rückläufig. Eine Mastektomie ist eine operative Entfernung von Brustgewebe. Das kann eine vollständige oder teilweise Entfernung der Brustdrüse sein, aber auch eine komplette Brustamputation. Eine im April dieses Jahres veröffentlichte Studie belegt diesen Rückgang. Die Studie wurde vom Krebsregister Ostschweiz, dem Schweizer Tropen- und Public-Health-Institut sowie dem Kantonsspital St.Gallen verfasst. Spezialisten haben 70000 Brustkrebspatientinnen im Zeitraum zwischen 2000 und 2012 untersucht. Die Zahlen zeigen: Bei 50- bis 69-jährigen Frauen hat sich der Anteil von Mastektomien schweizweit von 43 auf 30 Prozent verringert. Bei den über 70-Jährigen verringerte sich der Wert von 61 auf 43 Prozent.

Regional gibt es aber grosse Unterschiede. Im Kanton St.Gallen liegen die Mastektomieraten nicht nur unter dem Schweizer Durchschnitt, es sind sogar die tiefsten Werte überhaupt. In den Kantonen Appenzell Ausserhoden und Appenzell Innerrhoden hingegen werden überdurchschnittlich viele Mastektomien durchgeführt. Schweizweit gehören die beiden Appenzell zu den Kantonen mit den höchsten Raten.

«Früherkennung verbessert die Lebensqualität»

Christian Herrmann

Christian Herrmann

Dies hat verschiedene Gründe. Laut Christian Herrmann, Epidemiologe beim Krebsregister Ostschweiz, gehe die Hälfte der Patientinnen im Kanton St.Gallen in ein Brustzentrum, zum Beispiel jenes des Kantonsspitals St.Gallen. Das wirke sich auf die Art der Therapie aus. «In einer spezialisierten Einrichtung wird viel eher brusterhaltend operiert.» Dagegen habe sich gezeigt, dass in kleinen Spitälern in ländlichen Gegenden wie den beiden Appenzell die Patientinnen seltener brusterhaltend operiert werden.

Nach einer brusterhaltenden Operation sei eine Radiotherapie nötig, damit der Tumor nicht zurückkomme. «In ländlichen Gegenden scheuen viele den Aufwand von Bestrahlungsterminen über mehrere Wochen hinweg.» Zudem hätten einige Frauen geringere Ängste über ein Wiederauftreten des Krebses, wenn die Brust komplett wegoperiert werde. Im Kanton St.Gallen gibt es das Früherkennungsprogramm «Donna». Mit Hilfe solcher kontrollierten Programme sinke die Häufigkeit einer Mastektomie, sagt Herrmann. «Durch die Früherkennung von Brustkrebs gibt es viel mehr Behandlungsoptionen für die Patientinnen.»

Peter Böhi

Peter Böhi

Bei sehr kleinen Tumoren, die bei den Screenings erkannt würden, liesse sich zum Beispiel brusterhaltend operieren. «Früherkennung allgemein, aber vor allem die kontrollierten, regelmässigen Screenings eines Programms verbessern die Lebensqualität der Frauen klar.» Dass beide Appenzell laut der Studie eine überdurschnittlich hohe Mastektomierate haben, komme unerwartet. «Ich bin sehr überrascht», sagt der Gynäkologe Peter Böhi, Standortleiter des Spitals Heiden.

Sowohl im kantonalen Spital in Heiden als auch in Herisau behandle man die Brustkrebspatientinnen in einer Netzwerkzusammenarbeit mit dem Brustzentrum des Kantonsspitals St.Gallen. «Auch bei uns ist das brusterhaltende Vorgehen Standard.» Er kenne die Studie nicht. Die Erklärung sei wohl in einem anderen Behandlungsstandard zu suchen, meint Böhi.

Im Gegensatz zu St.Gallen fehlen in Inner- und Ausserrhoden Frühererkennungsprogramme. Der Nutzen eines Mammografie-Screenings werde schon lange kritisch diskutiert, sagt Böhi. Deshalb sei es bis heute nicht in allen Kantonen eingeführt worden. «Ein Screening vermindert die Sterblichkeit durch Brustkrebs nur minimal.» Zudem bringe es eine Palette von Problemen und unerwünschten Effekten mit sich, wie jenes der Überdiagnostik und -therapie. «Ganz abgesehen von den Kosten, weshalb ich selbst meinen Patientinnen von der Teilnahme abrate.» Umgekehrt sei es richtig, das Bewusstsein der Frauen zu fördern. Wichtig sei, dass sich die Frauen rechtzeitig beim Frauenarzt für weitere Abklärungen meldeten, falls sie eine Veränderung in der Brust ertasten.

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