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Der Landsgemeinde-Ehrengast

Die Innerrhoder Regierung hatte zur Landgemeinde einen einzigen Ehrengast eingeladen, der weder ein Amt bekleidet noch als Würdenträger gilt: den Altstätter Victor Rohner.
Gert Bruderer
Victor Rohner.

Victor Rohner.

Als die Einladung eintraf, war er sich der Ehre, die ihm da ganz unverhofft zuteilgeworden war, zwar schon bewusst. Doch die Bedeutung wirklich zu ermessen, das gelang erst nach und nach, vor allem, als der Tag der Landsgemeinde angebrochen war und Rohner sich in einer kleinen Gruppe wiederfand. In dieser hatten sich neben der Bundesrätin Viola Amherd vor allem Regierungsräte als weitere Ehrengäste versammelt.

Jetzt «chonnt scho wieder so aan»

In der letzten Fernsehsendung der TVO-«Sommertour»-Reihe, mit der Rohner vergangenen Sommer durch die «Natur und Kultur im Appenzellerland» führte, verriet Landammann Roland Inauen ein Vorurteil, das er gehabt habe. Als er dem Altstätter erstmals begegnet sei, habe er gedacht, jetzt «chonnt scho wieder so aan» – ein Journalist, der einmal mehr die gängigen Klischees bemühe.

Doch Rohners Sendungen belehrten den Landammann eines Besseren. Der Altstätter sei mit einer Inbrunst und einer «Liebe zu unserem Land, unserem Alpstein» herangegangen, dass sich nur sagen lasse: Besser, authentischer «cha ma’s nüd mache». Eine bessere Art, «üsers Ländli z’präsentiere», gebe es nicht.

Die ausserordentliche Leistung ist der Grund, weshalb die Regierung von Appenzell Innerrhoden den ehemaligen TV-Sportreporter zur Landsgemeinde vom letzten Sonntag eingeladen hat. Am Festumzug teilzunehmen, hatte Rohner zunächst nicht vorgehabt. Der Landammann setzte Rohner jedoch in gespieltem Befehlston darüber in Kenntnis, dass der Umzug Teil des Ganzen sei und selbstverständlich jeder Ehrengast in diesem Umzug mitmarschiere.

Also fügte Victor Rohner sich in die «extreme Langsamkeit», mit der die Ehrengäste jeder Landsgemeinde sich bewegen, wenn sie die kurze Strecke vom Rathaus zum Landsgemeindeplatz auf eine Weise zurücklegen, als ginge es darum, möglichst nie am Ziel anzukommen.

So dürften sich auch grosse Sieger fühlen

Den «verzögerten Schritt», wie Rohner die Beinbewegungen nennt, hatte eine Appenzellerin als leicht zu meisternde Aufgabe beschrieben, indem sie Rohner versicherte: Sofern er tanzen könne, könne er auch diesen Schritt. Der TV-Mann fiel zwar ein paar mal aus dem Takt, taxierte die Vermeidung dieser kleinen Pannen aber als nicht überlebenswichtig.

Inmitten politischer Prominenz durch die Gasse zu schreiten, vorbei an links und rechts je vier, fünf Reihen dicht gedrängter Menschen, erinnerte den Ehrengast an grosse Sportereignisse. Ähnlich wie jetzt er, dachte Rohner, dürften erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler empfinden, wenn sie nach einem grossen Sieg nach Hause zurückkehrten und hier empfangen würden.

Ein wie Rohner als Ehrengast nach Appenzell gekommener Oberst bescheinigte dem TV-Journalisten, abgesehen von der Bundesrätin mit dem meisten Beifall bedacht worden zu sein, es könne aber nicht an seinem Schritt gelegen haben.

Von Oberegg zu Fuss nach Appenzell

Dass die Landsgemeinde mit viel feierlichem Zeremoniell verbunden ist, hatte Rohner natürlich gewusst. Auch dass Teilnehmer aus Oberegg Jahr für Jahr morgens um sechs losziehen, um die zwanzig Kilometer nach Appenzell via St. Anton, Landmark, Schwäbrig, Gais und Sammelplatz zu Fuss zurückzulegen, wobei sie die übliche Marschzeit um gut eine Stunde unterschreiten und in ungefähr viereinhalb Stunden das Ziel erreichen.

Würden Ehrengäste mitmarschieren, kämen sie auf diese Weise viel zu spät. Um neun beginnt der Gottesdienst, den der Altstätter als «sehr, sehr schön» erlebte. Nach einem Imbiss mit Siedwurst und Herdöpfelsalat, dem traditionellen Appenzeller Landsgemeinde-Znüni, spielten beim Rathaus Musikgesellschaft und Männerchöre, sodann wurden die anwesenden Partnerinnen und Partner der insgesamt 14 Ehrengäste zur Gasttribüne geleitet, derweil die Ehrengäste selbst sich für den Landsgemeindezug in Stellung brachten.

«Weder streng politisch noch abgehoben»

Der in den Nachmittag hinein dauernden Landsgemeinde, also der verfassungsmässigen Versammlung unter freiem Himmel, folgte auch diesmal – um halb vier – ein opulenter Zmittag.

Obschon auch dieser Teil klar strukturiert und akkurat organisiert gewesen sei, hätten die Gäste sich wohlgefühlt, sagt Rohner. Recht launig seien die Ansprachen gewesen, und es gehe bei dem Essen weder streng politisch zu, noch sei die Sache abgehoben.

Viele Reaktionen von Bekannten

Schon lange vor dem Landsgemeinde-Sonntag nahm Victor Rohner erstaunt Telefonate, E-Mails und SMS-Nachrichten entgegen – von Bekannten, die ihm gratulierten, weil er Landsgemeinde-Ehrengast geworden war. Es lag daran, dass alle Namen jeweils schon im Voraus öffentlich bekannt gegeben werden.

Nach der Landsgemeinde erhielt Rohner weitere Zuschriften. Den Landsgemeindemarsch habe er «schon gut im Griff bzw. in den Füssen», schrieb der Oberegger Bezirkshauptmann Hannes Bruderer in einem Mail, und Guido Buob, Geschäftsführer von Appenzellerland Tourismus, sprach von einer «sehr grossen Ehre». Sie wird einem Menschen maximal einmal im Leben zuteil.

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