Lernen, der Natur Sorge zu tragen: In Hinterforst entsteht ein Biotop

Beim Schulhaus Bächis in Hinterforst wird ein Biotop gebaut, das auch ein Schulzimmer im Freien sein soll. Die Kinder sollen hier nicht nur lernen, sondern sich auch ihrer Verantwortung für die Umwelt bewusst werden.

Max Tinner
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Stechen, hacken, schaufeln: Hinterforsts Kinder mühen sich beim Spatenstich für ihr Biotop gehörig ab – gut, macht nachher der Bagger weiter. Zwischen den Kindern arbeitet Initiantin Malin Wiget (im schwarzen Shirt) fleissig mit. (Bild: Max Tinner)

Stechen, hacken, schaufeln: Hinterforsts Kinder mühen sich beim Spatenstich für ihr Biotop gehörig ab – gut, macht nachher der Bagger weiter. Zwischen den Kindern arbeitet Initiantin Malin Wiget (im schwarzen Shirt) fleissig mit. (Bild: Max Tinner)

Nach den paar heissen Sommertagen war der Oberboden gestern recht trocken. Die Kindergärtler und Schulkinder von Hinterforst mühten sich deshalb ziemlich ab, als sie vor dem Mittag für einen Spatenstich am Rand der Sport- und Spielwiese mit ihren Spaten, Schaufeln und Hacken einigermassen ansehnliche Löcher freilegen wollten.

Sie bekommen hier kein neues Schulhaus, aber immerhin ein Schulzimmer im Freien. Ein Biotop mit Weiher, Sträuchern, Krautsäumen und Wiesenblumenflächen dazwischen. Und mit grösseren Steinen, auf die sie sich setzen können. Hier sollen die Kinder erkennen, was Biodiversität ist, warum Artenvielfalt wichtig ist, weshalb immer mehr Tier- und Pflanzenarten verschwinden und was man dagegen tun kann. Die Kinder sollen lernen, der Natur Sorge zu tragen. Nicht theoretisch im Schulzimmer, sondern praktisch, draussen in der Natur.

Darum werden sie in den nächsten Wochen und Monaten auch nicht nur zuschauen, wie das Biotop entsteht, sondern das ihnen Mögliche selbst dazu beitragen. Zwar nicht bei den Aushubarbeiten für den Weiher und die Steinlinsen. Dafür werden Baumaschinen eingesetzt. Aber danach beim Bepflanzen und später auch bei der Pflege des Areals.

Die Natur zeichnen und mit ihr rechnen

Angedacht ist, dass das Aussenschulzimmer nicht nur für den Naturkundeunterricht genutzt wird, sondern auch als alternative Lernumgebung für andere Fächer. Etwa fürs Zeichnen. Oder fürs Rechnen: Beispielsweise werden sich im Teich dereinst viele Kaulquappen tummeln, deren Bestand geschätzt und hochgerechnet werden könnte.

Das Konzept für die ökologische Aufwertung des Spickels Boden zum Freiluftschulzimmer zwischen Schnelllaufbahn und Gärten der Nachbarn hat Malin Wiget aus Rebstein als Abschlussarbeit an der Fachmittelschule in Heerbrugg entwickelt. Dass es nun gerade in Hinterforst realisiert wird, liegt nicht zuletzt daran, dass ihr Vater, Björn Wiget, hier Lehrer ist, womit der erste Kontakt bereits geknüpft war.

Der angehenden Lehrerin liegt die Natur selber sehr am Herzen. Sie wünscht sich, dass den heutigen Kindern später als Erwachsenen die Natur nicht egal ist und dass eine Generation heranwächst, die handelt: «Reden bewegt nur den Mund; handeln aber bewegt die Welt», zitierte Malin Wiget gestern beim Spatenstich die deutsche Texterin Jutta Metzler.

Vor diesem Hintergrund geniesst das Projekt viel Goodwill. Es wird von der Dr. Bertold Suhner-Stiftung für Natur-, Tier und Landschaftsschutz mit einem namhaften Beitrag unterstützt, ebenso vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Gartenbauer Rolf Lüthi und viele Einwohner hätten sich ebenfalls begeistern lassen, freut sich Schulleiter Roland Bösch.