Umwelt
«Drei Brücken» – Erfolgreiche erste Modelle für den Hochwasserschutz

Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinden und des Kantons St.Gallen war in Obernach, in der Technischen Universität München zu Gast. Dort haben sie Schutzmodelle für den Binnenkanal betrachtet.

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Die Gemeinde- und Kantonsvertreterinnen und -vertreter erlebten die Simulation eines Hochwassers mit Einstau- und Entwässerungsprozess live mit.

Die Gemeinde- und Kantonsvertreterinnen und -vertreter erlebten die Simulation eines Hochwassers mit Einstau- und Entwässerungsprozess live mit.

Bild: PD

Der Hochwasserschutz für den Rheintaler Binnenkanal schreitet voran. So haben jüngst Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinden und des Kantons St.Gallen ein Modell dafür in der Versuchsanstalt Obernach der Technischen Universität München besucht.

In Obernach finden derzeit Modellversuche statt, schreibt der Zweckverband Rheintaler Binnenkanal in einer Medienmitteilung. In einer Versuchshalle wurde das Gebiet «Drei Brücken» inklusive Drosselbauwerk und Dämmen in den Dimensionen 1:40 nachgebaut. Mithilfe des Modells simulieren die Projektverantwortlichen die Auswirkungen eines Hochwassers. Erste Versuche hätten gezeigt, dass Drosselbauwerk, Rückhalteraum und Entwässerung wie erwartet funktionieren. Das Modell macht sichtbar, wie viel Wasser das Drosselbauwerk zurückhalten muss, um die un­teren Siedlungsgebiete vor Hochwasser zu schützen.

Die Vertreterinnen und Vertreter von Gemeinden und Kanton erlebten live die Simulation eines Hochwassers mit Ein­-stau- und Entwässerungsprozess. Dank des Modells können die Versuche visualisiert und erlebbar gemacht werden. Weiter helfen Simulationen den Projektverantwortlichen, Funktionalität und Abläufe der Drosselung besser zu verstehen.

«Wir haben bereits gesehen, dass im Bereich des Drosselbauwerks und des Schwemmholzrechens unterschiedliche Wasserspiegellagen bestehen. Das hilft uns, Zuströmung und Drosselung zu optimieren», sagt Roland Hollenstein, Gesamtprojektleiter des Hochwasserschutzprojekts. Es werden weitere Be­sichtigungsfahrten organisiert. Die Termine für die Bevölkerung werden bald publiziert.

Drosselbauwerk und ein Rückhalteraum

Ein neues Drosselbauwerk soll im Binnenkanal bei den «Drei Brücken» künftig die Wasserabflussmenge regulieren und die darunter liegenden Gebiete vor Hochwasser schützen. Bei grossen Abflussmengen kann das Wasser gedrosselt und das Notwendigste im Rückhalteraum zurückgehalten werden. Dazu ist ein rund ein Kilometer langer Hauptdamm entlang der Rietstrasse vorgesehen. Das Projekt ist auf ein statistisch gesehen alle hundert Jahre stattfindendes Hochwasser ausgelegt.

Gleichzeitig sollen Binnenkanal und Rietaach im Gebiet «Drei Brücken» zum Naherholungsgebiet und die Gewässer ökologisch aufgewertet werden. Die Gesamtkosten des Hochwasserschutzprojekts mit allen Begleitmassnahmen belaufen sich auf rund 41 Millionen Franken. Davon tragen Bund und Kanton rund zwei Drittel. Der restliche Betrag wird auf die Gemeinden aufgeteilt.

Wie nötig der Hochwas­serschutz ist, hätten Ereignisse in der Vergangenheit gezeigt, schreiben die Verantwortlichen. Das Schadenpotenzial durch Hochwasser am Binnenkanal sei hoch. Besonders die Gemeinden Widnau und Au waren in den Jahren 1999, 2013 und 2017 von schweren Überschwemmungen betroffen, die jeweils Schäden in Millionenhöhe zur Folge hatten. Die Zuflüsse aus dem Appenzellerland verschärfen die Hochwassersituationen jeweils und wirken sich auf die Seitengewässer und auf die Einleitungen aus der Siedlungsentwässerung aus.

Verlaufen die Arbeiten am Projekt planmässig, könnten die Hochwasserschutzmassnahmen ab 2025 umgesetzt werden, heisst es in der Mitteilung weiter. Die Verantwortlichen rechnen mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren. (pd)