Aufregung um volle Tribüne am Public Viewing im Espenmoos: St.Galler Stadtpolizei verteidigt FCSG-Fanaufmarsch

Rund 1000 Fans des FC St.Gallen sahen am Mittwochabend am Public Viewing im Espenmoos, wie Grün-Weiss gegen den FC Basel tauchte. In den sozialen Medien löst am Tag danach vor allem die vollbesetzte Haupttribüne im Espenmoos Diskussionen aus. Die St.Galler Stadtpolizei erklärt, warum alles rechtens war.

Luca Ghiselli
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Es spielt der Zweite gegen den Dritten, vier Runden vor Schluss. Spitzenkampf, die Tribüne ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Nicht etwa im Kybunpark, wo der FC St.Gallen gegen den FC Basel spielt. Dort sind nur 750 Fans im Stadion, so verlangt es die Covid-Schutzverordnung, daran hat man sich als Fussballfan schon fast gewöhnt.

Es ist eine andere Tribüne – eine geschichtsträchtige dazu – die an diesem Mittwochabend ausverkauft ist. Im Espenmoos, der alten Spielstätte von Grün-Weiss, haben sich knapp 1000 Fans zum Public Viewing eingefunden. Der FC St.Gallen verliert 0:5, und am nächsten Morgen gibt nicht nur die Niederlage zu reden. Auf Twitter erhitzen sich die Gemüter ob der vollen Ränge. Kein Abstand, keine Masken und die grosse Frage: Geht das?

Die St.Galler Stadtpolizei findet: Das geht. Sie hat den Anlass des Newsportals «FM1Today», das wie das «St.Galler Tagblatt» zur CH-Media-Gruppe gehört, bewilligt. Sprecher Dionys Widmer klärt auf: «Der Mindestabstand ist nicht mehr generell gesetzlich vorgeschrieben. Es handelt sich um eine Empfehlung des Bundes, die wir natürlich unterstützen.» Bei Veranstaltungen gebe es zwar noch den Mindestabstand. Dieser dürfe aber unter gewissen Umständen auch unterschritten werden. «Deshalb ist das kein Grund, die Veranstaltung nicht zu bewilligen.»

Im Gesetzestext heisst es dazu wörtlich: «[...] Können aufgrund der Art der Aktivität, wegen örtlicher Gegebenheiten oder aus betrieblichen oder wirtschaftlichen Gründen während einer bestimmten Dauer weder der erforderliche Abstand eingehalten noch Schutzmassnahmen ergriffen werden, so muss die Erhebung der anwesenden Personen vorgesehen werden.»

Contact Tracing und Sektoren von maximal 300 Personen sind einzige Bedingungen

Die einzigen Bedingungen, die in der Covid-Verordnung des Bundes festgehalten seien, sind das Contact-Tracing und die Unterteilung in Sektoren von maximal 300 Personen, die sich nicht vermischen dürfen. Weil der Veranstalter diese Vorgaben eingehalten habe, habe die Stadtpolizei den Anlass denn auch bewilligen müssen.

Widmer sagt: «In Clubs feiern auch 300 Personen dicht an dicht. Trotzdem können diese Veranstaltungen gemäss Verordnung stattfinden.» Und warum kann die Tribüne im Espenmoos gefüllt werden, während im Kybunpark nur 750 Zuschauer sitzen? «Weil Veranstaltungen mit über 1000 Personen nicht erlaubt sind», erklärt Widmer. Rechnet man Funktionäre et cetera dazu, seien dort ebenfalls knapp 1000 Personen anwesend.

«Absolutes Minimum» wurde eingehalten

Einige User in den sozialen Medien sind mit dieser Antwort der Stadtpolizei nicht zufrieden. Diverse Kommentatoren bemängeln, der Veranstalter habe nur das «absolute Minimum» eingehalten, die Zuschauer würden «wie in einer Legebatterie» aufeinandersitzen – und das polizeilich bewilligt.

Dionys Widmer hält fest:

«Es wäre Willkür, die Bewilligung nicht zu erteilen, wenn der Veranstalter alle Gesetzesvorgaben einhält.»

Veranstalter zeigt Verständnis

Noch am Donnerstagvormittag meldet sich auch der Veranstalter «FM1Today» auf Twitter zu Wort – und zeigt Verständnis für die Irritation der User. Man habe zwar alle Massnahmen gemäss Schutzkonzept eingehalten, prüfe nun aber für kommende Veranstaltungen weitergehende Massnahmen. Das nächste Public Viewing findet am 31. Juli für die Partie gegen Neuchâtel Xamax statt.

Auf Nachfrage präzisiert André Moesch, Leiter Events bei CH Media: «Wir haben das Schutzkonzept für das Public Viewing im Espenmoos von den Behörden prüfen und bewilligen lassen und vor Ort alle Massnahmen gemäss den Covid-Bestimmungen umgesetzt.»