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Rettungsaktion: Warum ein Regierungsrat eigenhändig 10'000 Bachforellen in der Sitter aussetzt

Regierungsrat Bruno Damann hat in der Sitter junge Bachforellen ausgesetzt. Nur so können die Bestände dieser Fische überleben.
Christoph Renn
Regierungsrat Bruno Damann (links) packt mit an und setzt die Jungfische in der Sitter aus. (Bild: Bilder: Urs Bucher)

Regierungsrat Bruno Damann (links) packt mit an und setzt die Jungfische in der Sitter aus. (Bild: Bilder: Urs Bucher)

Die Wiese des Open Air Geländes im Sittertobel spriesst in ungewöhnlich kräftigem Grün. Vögel zwitschern. Das Wasser in der Sitter fliesst in meditativer Konstanz. Doch die idyllische Szenerie trügt. Vor allem für die Fische in der Sitter sind die Lebensumstände prekär. Deshalb hat Regierungsrat Bruno Damann, Vorsteher des St. Galler Volkswirtschaftsdepartementes, gestern die Gummistiefel angezogen und in der Sitter auf dem Open Air Gelände 10000 junge Bachforellen ausgesetzt. Durch das Einsetzen der fingerlangen Jungfische soll der Forellenbestand in der Sitter gerettet werden.

Die jungen Bachforellen sind acht Wochen alt. (Bild: Urs Bucher)

Die jungen Bachforellen sind acht Wochen alt. (Bild: Urs Bucher)

Insgesamt werden pro Jahr rund 100000 Jungfische in der Sitter auf St. Galler Boden ausgesetzt. «Diese Massnahmen sind dringend geworden, weil die Sitter von der intensiven Wasserkraftnutzung und den jahrelangen Kiesentnahmen im Oberlauf stark beeinträchtigt wurde», sagt Michael Kugler, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Denn wenn genügend Wasser für die Stromproduktion vorhanden sei, steige der Pegel des Flusses massiv und sinke kurze Zeit später ebenso stark. «Die Fortpflanzung ist unter diesen Bedingungen für die im Fluss lebenden Bachforellen und Äschen fast unmöglich.»

Die Fischeinsätze sind nur Übergangslösungen

Solche Fischeinsätze zur Stützung des Bestandes sind nicht mehr als eine Überbrückung der Folgen der Energiegewinnung. Eine längerfristige Möglichkeit, die Fische vor dem vollständigen Verschwinden aus der Sitter zu bewahren, sind laut Kugler naturnahe, in den Fluss mündende Seitenbäche. «Dort finden Fische und andere Wasserlebewesen die nötigen Lebensraumbedingungen, um aufzuwachsen und sich erfolgreich fortpflanzen zu können», sagt Christoph Mehr, zuständig für die Einzugsgebiete Thur und Sitter beim Amt für Natur, Jagd und Fischerei.

Ein Regierungsrat im Element: Bruno Damann (rechts).

Ein Regierungsrat im Element: Bruno Damann (rechts).

Im Zuge des Baus des Kleinwasserkraftwerks Grafenau auf Höhe des Kehrichtheizkraftwerkes wurden solche Massnahmen umgesetzt. Zusammen mit Pro Natura haben der Kanton und die Betreiber sechs ökologische Ersatzmassnahmen ausgearbeitet. So wurden unter anderem mit zwei bis drei Tonnen schweren Steinen, die schneckenförmig angeordnet wurden, vier sogenannte Lenkbuhnen erstellt. «In diesen Buhnen können die Bachforellen laichen. Sie wurden nötig, weil es kaum noch natürliche Laichgebiete gibt», erklärt Mehr. Zudem wurde der Unterlauf des Billenbergbaches auf dem Gelände des Open Airs St. Gallen im vergangenen Jahr offengelegt.

Viele der 10000 rund acht Wochen alten Bachforellen werden die Aussetzung in die Sitter jedoch nicht überleben. «Wir rechnen damit, dass knapp zehn Prozent der Fische das laichfähige Alter erreichen», sagt Christoph Mehr.

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