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Die Deponiesituation im Raum St.Gallen spitzt sich zu

Der Kanton ist auf mehr Deponien angewiesen. Seit diesem Monat kann im Tüfentobel zudem weniger Aushub abgeladen werden. Schneller voran geht’s bei den geplanten Standorten, etwa in Gossau, deswegen nicht.
Perrine Woodtli
Die Deponie Tüfentobel, die sich in Engelburg befindet, gehört zu den grössten Deponien im Kanton. (Bild: Urs Bucher (9. November 2017))

Die Deponie Tüfentobel, die sich in Engelburg befindet, gehört zu den grössten Deponien im Kanton. (Bild: Urs Bucher (9. November 2017))

Bauunternehmer der Region St. Gallen stehen vor einem Problem. Seit diesem Monat kann auf der Deponie Tüfentobel in Gaiserwald deutlich weniger sauberer Aushub pro Jahr abgeladen werden («Tagblatt» vom 26. März), nämlich nur noch 60000 Tonnen, was knapp einem Fünftel von dem entspricht, was 2018 gebracht wurde. Die Konsequenz: Die Unternehmer wissen nicht, wohin mit ihrem Material. Und die Zahl der Deponien im Kanton ist sowieso schon knapp.

Grund für die Einschränkung ist ein hängiges Enteignungsverfahren. Man habe 2003 vergessen, mit den Grundeigentümern privatrechtliche Abgeltungsverträge und Grundbucheinträge zu vereinbaren, hiess es seitens der Stadt St. Gallen, deren Entsorgungsamt die Deponie betreibt. Mit allen Landeigentümern, ausser einem, habe die Stadt Lösungen gefunden. Um einen Annahmestopp zu verhindern, sei nach Absprache mit dem Kanton die Einschränkung erlassen worden.

Trotz Einschränkung alle Standorte wie üblich prüfen

Unabhängig von der Lage im Tüfentobel sucht der Kanton seit Jahren nach alternativen Deponiestandorten. Im Raum Wil bis St. Gallen fällt jährlich rund 0,4 Millionen Kubikmeter Aushubmaterial an, das auf Deponien abgelagert werden muss. In den vergangenen drei Jahren hat er zwölf Standorte in den kantonalen Richtplan aufgenommen. Dazu gehören auch drei Standorte in Gossau. Die Projekte für die Deponien Radmoos, Degenau und Nutzenbuech befinden sich in Bearbeitung. Degenau und Nutzenbuech liegen zum Teil auf Oberbürer Boden. Die Deponie Nutzenbuech soll mitten im Nutzenbuecherwald entstehen. Ihr müssten rund 25 Hektar Wald weichen («Tagblatt» vom 1. Februar). Die Standorte befinden sich alle im Nordwesten Gossaus. Der Grund dafür ist unter anderem die Lage an der Autobahn. Die neue Einschränkung im Tüfentobel beschleunige die Planung der Gossauer Deponien aber nicht, sagt Tensing Gammeter, Leiter Sektion Abfall und Rohstoffe beim Kanton. Obwohl sich die Situation nun zuspitze, würden Deponien in einem ordentlichen Verfahren ausgearbeitet, geprüft und erst bewilligt, falls dies umwelt- und planungsrechtlich möglich sei. «Wir sind nach wie vor zuversichtlich, dass sich mit den geplanten Deponien die Situation innerhalb der nächsten ein bis drei Jahre entspannen kann.» Dies hänge auch davon ab, wie sich die laufenden Projekte entwickelten.

In der Region gibt es derzeit nur zwei Deponien

Abgesehen von Gossau sind auch Deponien in Mörschwil und Häggenschwil vorgesehen. In Mörschwil ist seit 2017 die Deponie Unterbüel in Betrieb. Für diese wurde kürzlich das Einzugsgebiet auf die Region St. Gallen-Rorschach beschränkt. Dadurch soll laut Gammeter die Entsorgungssicherheit für die Region gewährleistet werden. In Mörschwil sind zwei weitere Standorte vorgesehen. Während sich die Deponie Aachen wie die Gossauer Standorte erst in der Bearbeitung befindet, ist beim Standort Riederen bereits die Vorprüfung durch den Kanton erfolgt. Der nächste Schritt ist die öffentliche Auflage.

In Häggenschwil ist derweil im Rütiholz eine Deponie geplant. Das Projekt befindet sich in der Vorprüfung beim Kanton. Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring hatte an der Bürgerversammlung im März mitgeteilt, dass man damit rechne, die Ergebnisse Ende April zu erhalten. Danach sollen die Bürger informiert werden. Falls all diese Deponien realisiert werden können, dauert es aber noch eine Weile bis zur Betriebsaufnahme. Der Druck auf die restlichen Deponien in der Region werde sicher zunehmen, sagt Gammeter. «Der Export ins nahe Ausland oder in Nachbarkantone ist eine Möglichkeit.» Man müsse damit rechnen, dass die Aushubentsorgung mit mehr Aufwand und Transportkilometern verbunden sein wird.

Wann eine dieser Deponien frühestmöglich ihren Betrieb aufnehmen könnte, sofern alles planmässig abläuft, kann Gammeter nicht sagen:

«Eine Prognose für einzelne Standorte abzugeben ist nicht möglich und wäre unseriös, da im Bewilligungsverfahren noch vieles passieren kann, etwa Einsprachen.»

Deshalb sei man auch darauf angewiesen, dass mehrere Projekte parallel vorangetrieben werden.

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