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Super Bowl gab den Ausschlag: Die Stadt St.Gallen schenkt ihren Beizern eine Freinacht

Die Beizer der Stadt dürfen eigentlich nur an Silvester, am St.Galler Fest und während der Fasnacht die ganze Nacht öffnen. Während zwei Jahren können sie neu eine zusätzliche Freinacht beantragen. Grund dafür ist ein nächtlicher Sportanlass.
Sandro Büchler
Happy Hour und noch viel mehr: In einer Freinacht müssen Gastronomen die Türen nicht schliessen und können drinnen die ganze Nacht ausschenken. (Bild: Philipp Baer)

Happy Hour und noch viel mehr: In einer Freinacht müssen Gastronomen die Türen nicht schliessen und können drinnen die ganze Nacht ausschenken. (Bild: Philipp Baer)

Achtmal pro Jahr dürfen Restaurants, Bars und Clubs in der Stadt St.Gallen durchgehend öffnen: in der Silvesternacht, den beiden Nächten während dem St.Galler Fest, den drei Nächten von Fasnachtsdonnerstag bis -samstag sowie am 1. Mai und am Nationalfeiertag. In den Jahren mit einem Kinderfest gewährt die Stadtpolizei eine weitere Freinacht.

Jetzt kommt eine zusätzliche Nacht hinzu. Anfang Monat hat die Stadtpolizei die Gastronomen per Post über ein Pilotprojekt informiert. «Versuchsweise kann pro Gastwirtschaft und Kalenderjahr neu einmal eine Aufhebung der Schliessungszeit für einen bestimmten Anlass beantragt werden», heisst es im Brief. Konkret: Die Stadt schenkt den Wirten einmal im Jahr eine Freinacht.

Super Bowl gab Initialzündung

«Der Super Bowl hat die Zusatznacht ausgelöst», sagt Stadträtin Sonja Lüthi. Das Endspiel der US-amerikanischen Football-Liga ist eines der grössten Sportereignisse des Jahres – und erfreut sich auch in St.Gallen grosser Beliebtheit. Doch die TV-Übertragung läuft in der Schweiz mitten in der Nacht. Den St.Galler Beizern, die das Spiel im vergangenen Februar zeigen wollten, untersagte dies die Stadtpolizei. Um 2 Uhr nachts hätten die Gastronomen ihren Laden dichtmachen müssen – mitten im Spiel. Die Wirte sagten deshalb die geplanten Veranstaltungen kurzfristig ab.

«Die Super-Bowl-Übertragungen der vergangenen Jahre bewegten sich in einem rechtlichen Graubereich», sagt René Rechsteiner, Präsident von Gastro Stadt St.Gallen. Nach dem Frust hat sich der Gastroverband zusammen mit den Behörden an einen Tisch gesetzt. «Die Lösung ist nun eine frei wählbare Freinacht pro Jahr und Betrieb», sagt Rechsteiner.

Für Lüthi, Vorsteherin der Direktion Soziales und Sicherheit, ist das ein guter Kompromiss: «Wir wollen den Gastrobetrieben einen Schritt entgegenkommen.» Die Nächte ohne Polizeistunde sind vorerst jedoch auf zwei Jahre begrenzt. In der Testphase richtet die Stadt ihr Augenmerk auf die Einhaltung der Nachtruhe.

«Die Freinächte sollten nicht dazu führen, dass die Leute rausgehen und Party machen.»

So gilt die Bewilligung – wie auch bei den regulären Freinächten – nur für das Innere der Betriebe.

«Der Versuch ist ein guter Ansatz, ist aber ausbaufähig», sagt Daniel Weder, Vorstandsmitglied des Vereins «Nacht Gallen», der sich für ein lebendiges Nachtleben in der Stadt einsetzt. «Die Gastwirte müssen aber darauf achten, Ordnung vor dem Laden zu halten, sodass keine Klagen eingehen.» Denn werde der Lärm zu gross, würden sich Anwohner beschweren. Dadurch könnte die Extranacht gefährdet werden.

New Orleans, Olympische Spiele, Weltmeisterschaften?

Das Resultat des Versuchs hängt aber nicht nur vom allfälligen Lärm ab. «Auch das Bedürfnis der Beizer muss vorhanden sein», sagt Stadträtin Lüthi. Wie die Gastrobetriebe die geschenkte Nacht nutzen, ist ihnen überlassen. Lüthi erwähnt internationale Sportveranstaltungen, die in der Nacht stattfinden: «Tennismatches, Weltmeisterschaften, Olympische Spiele».

Gastrovereinspräsident René Rechsteiner hält das «New Orleans Festival» für einen potenziellen Termin für die Freinacht. Daniel Weder sagt: «Die Freinacht ist für Bars und Restaurants ohnehin attraktiver als für die Clubs.» Denn Clubbetriebe können durch bauliche Massnahmen und Bewilligungen meist sowieso die ganze Nacht offen halten.

«Quantensprung in der Gesellschaft»

Die zusätzliche Freinacht sei ein wichtiger Schritt für ein florierendes Zentrum, fügt Rechsteiner an. Der Dialog mit den Stadtbehörden im Rahmen von «Zukunft Innenstadt» werde weiter vorangetrieben. Die Gesellschaft habe einen Quantensprung erlebt. In den Nächten würden sich heutzutage mehr Leute bewegen als früher. Rechsteiner erwähnt nächtliche Zug- und Busverbindungen. «Die Stadt muss sich den heutigen Bedürfnissen anpassen.» Lüthi hat Verständnis dafür: «So will auch der Stadtrat das Gastroreglement zeitgemässer gestalten.» Dies brauche aber seine Zeit.

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