«Eine riesige Unverschämtheit»: Mann verkauft als Schwarzer verkleidet «Mohrenköpfe» in Rorschach

Ein Unbekannter hat am Donnerstagmittag in Rorschach «Mohrenköpfe» verkauft. Er war dabei geschminkt und verkleidet. Seine Aktion sorgt für Empörung. Strafbar macht sich der Mann indes nicht.

Raphael Rohner, Tim Naef
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«Das ist doch eine riesige Unverschämtheit, man kann sich doch in der heutigen Zeit nicht als Schwarzer verkleiden und ‹Mohrenköpfe› verkaufen», sagt eine Frau aus Rorschach, welche die groteske Situation auf einem Parkplatz in der Stadt beobachtet hat. Ein Mann stellte einen Verkaufsstand für «Mohrenköpfe» auf und malte sich das Gesicht schwarz an. Zudem trug er eine Kraushaar-Perücke und ein buntes Gewand.

Beim Unternehmen, vor dem der Mann seinen Stand aufgebaut hatte, läute das Telefon im Minutentakt, sagt eine Frau: «Die Leute reklamieren und wollen wissen, wer das war. Ich weiss es nicht, und der Chef ist derzeit nicht erreichbar.» Man war offenbar überrascht von der Aktion.

Kein guter Witz: Der Mann verkaufte «Mohrenköpfe».

Kein guter Witz: Der Mann verkaufte «Mohrenköpfe».

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Kein Straftatbestand

Auch die Kantonspolizei St.Gallen hat Kenntnis von der Verkaufsaktion. «Im Verlauf des Tages gingen mehrere Meldungen bei uns ein», sagt Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen. Erstmals habe man am Donnerstagmorgen um kurz vor 12 davon gehört.

Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen

Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen

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Daraufhin habe man eine Polizeipatrouille losgeschickt, um den Sachverhalt abzuklären. Die Beamten hätten vor Ort die Situation dokumentiert und die Personalien des Mannes aufgenommen. Zudem habe man die Stadt Rorschach in Kenntnis gesetzt. «Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen werden vorderhand keine weiteren Massnahmen eingeleitet», so Schneider weiter.

Stadt Rorschach kann nicht handeln

Auch die Stadt Rorschach habe nichts gegen die Aktion unternehmen können, hiess es auf Anfrage. «Als ich von diesem Fall gehört habe, hielt ich es für einen schlechten Witz – das kann doch nicht sein», sagt Marcel Aeple, Stadtschreiber von Rorschach.

Marcel Aeple, Stadtschreiber von Rorschach.

Marcel Aeple, Stadtschreiber von Rorschach.

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Doch auch den Behörden seien die Hände gebunden, sagt Aeple weiter:

«Wenn ich etwas hätte machen können, hätte ich. So etwas ist einfach deplatziert und muss nicht sein.»

Streit um «Mohrenköpfe» in Regalen

Der Vorfall in Rorschach ereignet sich nur wenige Tage, nachdem der Detailriese Migros die «Mohrenköpfe» der Aargauer Firma Dubler aus ihren Regalen verbannten. Kunden hatten sich beschwert, dass der Name der Süssigkeit rassistisch sei.

Dies wiederum geschah, nachdem in den Vereinigten Staaten der Afroamerikaner George Floyd durch einen Polizeibeamten vor laufenden Kameras getötet worden war. Seitdem gehen Hunderttausende Menschen in den USA auf die Strasse, um gegen strukturellen Rassismus und Polizeigewalt gegen Dunkelhäutige zu demonstrieren.

«Blackfacing»

Wenn weisse Menschen sich ihr Gesicht schwarz anmalen, um Schwarze darzustellen, spricht man von «Blackfacing». Das Phänomen tauchte Anfang des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal auf. In den theatralischen «Minstrel Shows» in den USA haben sich weisse Schauspieler schwarze Gesichter gemalt, dazu dicke, geschminkte Lippen und geflickte Kleidung angezogen – und das nicht nur, um Schwarze darzustellen, sondern auch, um sie zu karikieren, die Schwarzen als unzivilisiert, dumm, als feige oder etwa als sexversessen zu zeigen. «Blackfacing» wurde zur Belustigung eines weissen Publikums eingesetzt. Auch Schwarze sind mit Blackface auf die Bühne, aber das nur, um überhaupt die Möglichkeit zu haben, vor weissem Publikum aufzutreten.

Bei diesen Minstrel-Shows ist ein gezieltes Degradieren der Afro-Amerikaner geschehen. Damals hat man das nicht hinterfragt. Aber in der heutigen Zeit ist klar: Es verletzt andere, ob man es böse meint oder nicht, ist dabei nicht massgebend. Deshalb wird diese Form der Darstellung als nicht mehr zeitgemäss angesehen. (chs)

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