Fünf Wochen Totalsperre - Sitterviadukt wird saniert

Ab Samstag starten die Hauptarbeiten am Sitterviadukt. Für den Zugverkehr ist die Strecke zwischen Herisau und St. Gallen Haggen in den Sommerferien unterbrochen.

Laura Widmer
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Die Arbeiten finden in einer Höhe von 99 Metern statt. (Bild: Ralph Ribi)

Die Arbeiten finden in einer Höhe von 99 Metern statt. (Bild: Ralph Ribi)

Die Sanierungsarbeiten am Sitterviadukt finden in schwindelerregender Höhe statt. Die mit 99 Metern höchste Eisenbahnbrücke der Schweiz überspannt auf einer Länge von 365 Metern den Sittergraben beim Gübsensee. Täglich werden rund 10000 Personen darüber transportiert. Die Bauzeit für das Konstrukt betrug 1910 nur zwei Jahre. Kosten: 1,44 Millionen Franken. «Eine bewundernswerte Leistung», sagt Beat Burgherr, SOB-Gesamtprojektleiter der Bauarbeiten am Sitterviadukt. Zum Vergleich: Die Totalsanierung dauert von Februar 2019 bis Frühling 2021 und kostet mit 14 Millionen Franken rund das Zehnfache.

Die Bauarbeiten sind ein schwieriges Unterfangen und erfordern strenge Sicherheitsvorkehrungen. «Das Wichtigste ist, dass wir unfallfrei bleiben», sagt Burgherr. Die Vorarbeiten für die Totalsanierung des Sitterviadukts und des Sturzeneggtunnels haben Ende Januar begonnen. Einer der Pfeiler ist bereits vollkommen vom Gerüst eingekleidet. «Eigentlich ist es erstaunlich, dass wir erst jetzt den Start begehen», sagt Beat Burgherr.

Einschränkungen für Reisende und Touristen

Der Grund dafür ist, dass die Hauptarbeiten den Bahnbetrieb stark beeinträchtigen werden. Ab Samstag wird dieser zwischen St. Gallen und Herisau für die Dauer der Schulsommerferien vollständig unterbrochen. Die Schweizerische Südostbahn (SOB) setzt mit der Konzentration der Sanierung nicht nur auf Nachtarbeit – und ist damit «schneller, günstiger und qualitativ besser», wie Hans Altherr Verwaltungsratspräsident der SOB, bei einer Konferenz sagt.

Während der fünf Wochen wird von Montag bis Samstag zwei- bis dreischichtig gearbeitet. Statt Züge verkehren in den Sommerferien pro Tag 224 Ersatzbusse, um den Verkehr zu gewährleisten. Zu Stosszeiten werden weitere Busse eingesetzt. Die Reisezeit mit den Ersatzbussen ist zwischen 10 und 15 Minuten länger als mit dem Zug und ist auf die Anschlussverbindungen in Herisau und St. Gallen abgestimmt. Die Züge zwischen dem Bahnhof Haggen und St. Gallen verkehren während der Sperrung nach dem Regelfahrplan. Die Online-Fahrpläne werden angepasst.

Warenlift am Brückenpfeiler

Das Sitterviadukt ist eine dreiteilige Konstruktion. Ein Halbparabel-Fachwerkträger wird auf beiden Seiten von Vorlandbrücken aus Naturstein umschlossen. Die Totalsanierung umfasst einerseits die Erneuerung des Gleisbetts über die gesamte Länge der Brücke samt Schienen und Fahrleitungen, und eine Anhebung um rund zehn Zentimeter. Eine grosse Herausforderung ist dabei für Projektleiter Burgherr die Zugänglichkeit der Baustelle. Teilweise kann sie wegen der zeitgleich stattfindenden Bauarbeiten am Sturzeneggtunnel nur von der Seite St. Gallen Haggen oder über einen Warenlift erreicht werden, der am höchsten Pfeiler der Brücke installiert wurde.

Andererseits muss der Korrosionsschutz bei den Stahlteilen erneuert werden. Dafür müssen gemäss Burgherr, die alten Anstriche abgetragen und 25 Tonnen Farbe neu aufgetragen werden. Diese Arbeiten werden ab Ende September unter laufendem Bahnbetrieb ausgeführt.

Tunnelprofil wird angepasst

Etwas in den Hintergrund rückt angesichts der spektakulären Sanierung des Sitterviadukts der rund 224 Meter lange Sturzeneggtunnel, der westlich von der Brücke liegt. «Die Spritzbetonschalen werden ersetzt, weil sie an mehreren Stellen defekt sind», sagt Projektleiter Christian Traub. Die Sohle wird abgesenkt und Felsteile, die in den Tunnel ragen, werden abgefräst. Das Tunnelprofil wird so angepasst, dass künftig auch Doppelstockzüge den Tunnel passieren könnten. Ausserdem werden eine neue Entwässerung sowie ein neuer Kabelkanal eingebaut.