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«Ich habe ihm den Rücken gestärkt» - Maureen Müller über Hochs und Tiefs während 16 Jahren an der Seite des Rorschacher Stadtpräsidenten

Politik spielt in Maureen Müllers Leben eine wichtige Rolle, ist sie doch mit SVP-Nationalrat und Stadtpräsident Thomas Müller verheiratet. Frustrierte Bürger besänftigt sie ihrem Mann und Rorschach zu liebe. Dass heute Frauen auf die Strasse gehen, hält sie nicht mehr für nötig.
Jolanda Riedener
«Das hier ist mein Paradies», sagt Maureen Müller. Ihre Leidenschaft ist die Gartenarbeit, die ihr beim Abschalten hilft. (Bild: Jolanda Riedener)

«Das hier ist mein Paradies», sagt Maureen Müller. Ihre Leidenschaft ist die Gartenarbeit, die ihr beim Abschalten hilft. (Bild: Jolanda Riedener)

Am Anfang wird es seltsam sein, ist sich Maureen Müller sicher. Die Rorschacherin mit brasilianischen Wurzeln wird ihren Ehemann bald öfters zu Gesicht bekommen. Stadtpräsident Thomas Müller (SVP) gibt sein Amt Ende dieses Jahres ab. Dass ihr Gatte endlich einmal etwas Zeit für sich habe, freue sie besonders. «Es wird eine Umstellung sein für uns», sagt sie mit einem Lächeln und wirft Hund Bobbi den Ball.

Seit 2003 ist Müller Stadtpräsident. «Weil ihm Rorschach so am Herzen liegt, arbeitet er auch viel», sagt Maureen Müller. «Sein Beruf macht ihn glücklich.» Wenn er nach einem langen Tag nach Hause komme, setze er sich jeweils nochmals an den Schreibtisch. Als vor 16 Jahren Müllers Kandidatur Thema war, war seine Frau dafür:

«Ich wollte sofort, dass Thomas als Stadtpräsident kandidiert.»

Rorschach liege ihr am Herzen und es habe damals jemanden gebraucht, der die Stadt wieder auf Vordermann bringt. «Dafür habe ich ihm den Rücken gestärkt.» Denn: Noch bevor Maureen Müller sich in ihn verliebte, hatte sie sich in die Hafenstadt verguckt.

Wenn das Wetter schön ist, ist Maureen Müller draussen. Und spielt zum Beispiel in ihrem Garten in Rorschach mit Hund Bobbi. (Bild: Jolanda Riedener)

Wenn das Wetter schön ist, ist Maureen Müller draussen. Und spielt zum Beispiel in ihrem Garten in Rorschach mit Hund Bobbi. (Bild: Jolanda Riedener)

Mit 21 kam sie nach Liechtenstein, um Deutsch zu lernen. Damals war die Brasilianerin für eine Schweizer Firma in Sao Paulo tätig. «Als ich Rorschach besuchte, war ich hin und weg.» In Liechtenstein lernte sie schliesslich ihren Mann kennen: «Als ich dann hörte, dass er aus Rorschach kommt, war ich begeistert.» Sie blieb vier Jahre in Liechtenstein, danach heirateten sie. Nach Sao Paolo zurück, wollte sie nicht. «Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Rorschach gefällt mir auch so gut, weil es eine kleine Stadt ist.»

Gemeinderätin, Übersetzerin und Mutter

Politik beschäftigt die 66-Jährige, eine eigene Karriere habe sie sich aber nie vorstellen können. «Ich war im Rorschacher Gemeinderat, bevor Thomas Stadtpräsident wurde», sagt sie. Dazu habe man sie aber überreden müssen. Dafür habe sie dadurch den Schweizer Politikbetrieb kennen gelernt.

«Wir haben immer viel diskutiert in der Familie», sagt sie. Die drei heute erwachsenen Kinder wohnen alle in der Nähe. Auch Maureen Müllers Vater war in Brasilien Gemeindepräsident. Ein Politiker war für sie deshalb nicht unbedingt erste Wahl. Sie sagt:

«Ich finde es schade, dass hier so wenig Leute wählen und abstimmen. Das ist doch ein Privileg.»

Derzeit weilt Thomas Müller in Bern – es ist Sommersession. «Wenn er als Nationalrat wiedergewählt wird, kann er langsam kürzertreten und muss sich nicht so plötzlich ganz aus der Politik zurückziehen», das sei ein Vorteil, ist sie überzeugt.

Bürger deponieren Frust bei der Ehefrau

Während 30 Jahren war Maureen Müller als Übersetzerin für Portugiesisch tätig und arbeitete vor allem am Kreisgericht. «Zuhause bei den Kindern zu sein, war sehr schön», sagt sie. Mit den Übersetzeraufträgen habe sie aber etwas Abwechslung gehabt.

«Wir waren immer ein Team», sagt sie über ihre Beziehung. Als Frau habe sie sich nie benachteiligt gefühlt. Maureen Müller ist überzeugt:

«Man muss nicht 100 Prozent arbeiten, um jemand zu sein. Wir leben in einer Zeit, in der Frauen auch ohne Streik etwas bewegen können.»

Nicht nur für ihren Mann seien die vergangenen 16 Jahren anstrengend gewesen. Auch Maureen Müller musste sich einiges anhören. «Es war eine gute Zeit und das Positive überwiegt.» Nicht selten klingelte aber ihr Telefon: Bürger haben ihren Frust bei ihr deponiert, oft stundenlang. Sie sagt:

«Mein Mann hatte genug zu tun, aber ich hatte Zeit, um ihnen zuzuhören.»

Die Leute seien jeweils dankbar gewesen, dass sie mit jemandem reden konnten. «Bei Anrufen mitten in der Nacht war meine Geduld aber am Ende.»

Genug von der Lohndiskussion

Weniger schön für die Kinder war, als Thomas Müller Präsident des FC St.Gallen war. «Wenn der Club verloren hatte, mussten sie sich in der Schule einiges anhören. Gleichzeitig lernten sie aber damit umzugehen», sagt Maureen Müller.

Besonders viel Echo hat sie auf Medienberichte über ihren Mann erhalten. Zum Beispiel durch Äusserungen zum Islam oder dem Streit um Sozialhilfe mit der Stadt St.Gallen stand Müller national im Scheinwerferlicht. «Reisserische Titel oder Dinge, die nicht stimmten, haben mich genervt und auch verletzt», sagt Maureen Müller. Besonders gestört habe sie die Diskussion über den Lohn ihres Mannes. «Er hat nicht nur verwaltet, sondern etwas bewegt», sagt sie. Steuern habe er der Stadt schliesslich auch genug gezahlt. «In dieser Position sind halt nie alle mit dir zufrieden.»

Am meisten freut sich Maureen Müller im kommenden Jahr darauf, mit ihrem Mann etwas länger nach Brasilien zu reisen. «Ohne den Druck, ständig per E-Mail oder telefonisch erreichbar zu sein.» Das sei in den vergangenen 16 Jahren zu kurz gekommen, meistens habe sie dort ohne ihn Ferien verbracht.

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