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Kontaktbar abgebrochen, «Playersclub» zu vermieten: Wittenbachs Sündenmeile wird braver

Der «Bauhof» in Kronbühl wurde innert kurzer Zeit dem Erdboden gleichgemacht. Das Etablissement mit «freischaffenden Künstlerinnen» muss einem Wohnhaus weichen. Die Anwohner sind erfreut.
Sebastian Schneider

Bereits seit einigen Tagen ist der «Bauhof» an der St. Gallerstrasse in Kronbühl nur noch eine tiefe Baugrube. Im Juni wurde der Abbruch bewilligt, kurz darauf fuhren die Bagger auf.

Wo einst die Kontaktbar samt roten Einzelzimmern im Obergeschoss stand, kommt ein Wohnhaus zu stehen. Offenbar ist das den Anwohnern nur recht: Gegen das im März eingereichte Baugesuch sind keine Einsprachen eingegangen.

Im Gegensatz zum Abbruch und Neubau verlief die Neueröffnung im Herbst 2006 alles andere als geräuschlos. Die Wogen gingen vor allem in den ersten Monaten hoch. Anwohner beklagten sich über Kunden, die nachts vors Bordell fuhren und laute Gespräche im Lokal führten.

Verklungen sind die Beanstandungen bis heute nicht. Ein Anwohner spricht von «Provokationen» und meint damit Frauen in etwas gar knapper Unterwäsche, die auch für seine Kinder nicht zu übersehen gewesen seien.

Der legendäre Bauhof mit Kontaktbar ist nur noch eine Baugrube, am Freitag, 27. Juli 2018, in Wittenbach. (TAGBLATT/Benjamin Manser)

Der legendäre Bauhof mit Kontaktbar ist nur noch eine Baugrube, am Freitag, 27. Juli 2018, in Wittenbach. (TAGBLATT/Benjamin Manser)

Kronbühl als Klein-Schanghai?

Spätestens mit dem Einzug des Etablissements geriet Kronbühl in Verruf. Wegen der verwahrlosten Häuser, der Tankstellen und der zwei Rotlichttreffpunkte (siehe Zweittext) machte sich gar der damalige Leiter des Hochbauamts Sorgen und mahnte im «Tagblatt», die St. Gallerstrasse dürfe nicht zu einer Sündenmeile verkommen.

Gewerbler und Bewohner von Kronbühl wehrten sich gegen Vorwürfe, wie in einem «Tagblatt»-Artikel im März 2007 zu lesen ist. Man sei weder Schanghai noch der Zürcher Kreis 4, sagten die Ladenbesitzer in einer Umfrage.

Die Diskussion von damals belegt, dass die «etwas andere Quartierbeiz» nicht wirklich willkommen war. Albert Etter, damaliger Gemeindepräsident von Wittenbach, hätte die Eröffnung des Etablissements gerne verhindert. Doch dafür hatte die rechtliche Grundlage gefehlt, wie er Ende Oktober 2006 sagte. Er habe aber der Polizei gesagt, sie solle regelmässige Kontrollen durchführen. Es müsse verhindert werden, dass in diesem Bordell Arbeiterinnen illegal arbeiteten, lautete seine Forderung.

Der damalige Betreiber Alfred Imhof war versucht, das Bordell in ein besseres Licht zu rücken. Die «heissen Girls», wie sie im Inserat hiessen, nannte er im «Tagblatt» «freischaffende Künstlerinnen». Und sein Betrieb sei eine Kontaktbar, kein Bordell. Die Gäste könnten sich an der Bar mit den Frauen unterhalten und einen Handel ausmachen. Was später im oberen Stock in den Zimmern passiere, wisse er nicht.

Tatsächlich scheint der Betrieb geordnet geführt worden zu sein. Auch wenn Alfred Imhof auf Knall und Fall im Sommer 2012 als Betreiber aufhörte und das Bordell zwischenzeitlich geschlossen werden musste.

Dem jetzigen Gemeindepräsidenten Fredi Widmer sind keine grösseren Zwischenfälle bekannt. Widmer sagt auf Anfrage, dass die Polizei regelmässig vor Ort war und sie die Sache stets im Griff gehabt habe.

Peinliche Nachbarschaft für Familienvater

Die Kantonspolizei bestätigt die Kontrollbesuche im Bordell. «Wie wir es in vergleichbaren Betrieben tun, prüften wir auch beim ‹Bauhof›, ob die Arbeiterinnen eine Bewilligung hatten», sagt Mediensprecher Gian Andrea Rezzoli. Beim «Bauhof» habe es keine nennenswerten Probleme gegeben. Gerade in den vergangenen Jahren sei es ruhig gewesen um die Kontaktbar.

Was für die Polizei «ruhig» bedeutet, kann für Anwohner immer noch störend sein. Ihm selber sei es ja egal gewesen, sagt einer. Aber er habe Kinder. Und Familie. Eine albanische, wie er selber betont. So sei es für ihn besonders peinlich gewesen, wenn er seine Eltern bei sich empfing. Zudem habe man immer wieder halb nackte Frauen gesehen. «Wir haben es dem Eigentümer immer wieder gesagt», sagt der Anwohner.

Ihm komme der Abbruch und Neubau natürlich recht. Umso mehr, weil ihm als langjähriger Anwohner eine Wohnung zugesichert wurde. «Wir werden im Erdgeschoss wohnen, damit wir draussen einen Garten pflegen können», freut sich der Familienvater. Warum der Eigentümer den Betrieb einstellen musste, wisse er nicht. Der Eigentümer weilt derzeit in den Ferien. Für eine Stellungnahme war er nicht zu erreichen.

Playersclub in St. Gallen.

Playersclub in St. Gallen.

Club sucht einen neuen «Player»

An der gleichen Strasse, in knapp 200 Metern Entfernung vom abgebauten «Bauhof», befindet sich ein weiteres Etablissement. Just über der Gemeindegrenze, also auf Stadtboden, befindet sich der «Playersclub», auch bekannt als «Club Herz».

Seit kurzem ist auch dort sichtbar, dass ein Wechsel stattfindet. «Zu vermieten», erklärt ein Plakat, das am Balkon angebracht wurde. Die roten Vorhänge sind zur Hälfte zugezogen, auf dem Vorplatz am Nebeneingang ist einzig ein umgekippter leerer Container zu sehen.

Dass der benachbarte Club verwaist ist, während der «Bauhof» in Kronbühl abgebrochen wird, ist reiner Zufall, wie der Eigentümer der St. Galler Liegenschaft auf Anfrage unterstreicht.

Sein Pächter habe aus zeitlichen Gründen den Betrieb nicht mehr führen können. In der Zwischenzeit habe er fast das ganze Haus renovieren lassen. Nun sei es Zeit für einen neuen Betreiber.

An der Nutzung der Räume soll sich nichts ändern, weshalb es an der «Sündenmeile» zwischen St. Gallen und Wittenbach weiterhin ein Etablissement gibt. (ses)

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