Mikroplastik landet in Bach und Wiese: Grüne zeigen sich besorgt über Kunstrasen auf der Kellen in Tübach

Kunstrasenplätze werden oft mit Granulat befüllt, das teilweise aus recycelten Pneus besteht – so auch in Tübach. Das hat die Grünen des Kantons St.Gallen zu einer Interpellation veranlasst.

Valentina Thurnherr
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Granulat-Steinchen aus dem Kunstrasen verteilen sich auf die umliegenden Gebiete. Seit 1997 ist die Tübacher Sportanlage Kellen als Gemeinschaftsprojekt in Betrieb. (Bild: Ines Biedenkapp)

Granulat-Steinchen aus dem Kunstrasen verteilen sich auf die umliegenden Gebiete. Seit 1997 ist die Tübacher Sportanlage Kellen als Gemeinschaftsprojekt in Betrieb. (Bild: Ines Biedenkapp)

Der St. Galler Kantonsrat der Grünen, Marco Fäh, hat vor kurzem eine Interpellation beim Kanton bezüglich Kunstrasenplätzen eingereicht. Darin hält er fest, dass das Granulat, welches oft als Füllmaterial für solche Sportplätze verwendet wird, sich auf die nähere Umgebung und Gewässer ausbreitet. Die Teilchen würden so auch von Fischen oder Kleinstlebewesen aufgenommen.

Ein Video, bei dem ein Mitglied der Grünen St. Gallen einige solcher Granulat-Steinchen aus einem Bach fischt, hat er auf der Facebook-Seite der Partei geteilt. Die Teilchen stammen vom nahe gelegenen Sportplatz Kellen in Tübach. «Ich war vor kurzem an einem Wettkampf dort und dabei ist mir aufgefallen, dass sich die Granulat-Steinchen auf die nähere Umgebung verteilt haben», sagt Marco Fäh. In seiner Interpellation will er nun wissen, wie viele Kunstrasenplätze es im Kanton gibt und mit was diese verfüllt sind, wie viel Kunststoffgranulat jährlich in die Umwelt gelangt, und ob die Regierung dazu bereit wäre, in Zukunft via Sport-Toto nur noch Gelder für Plätze mit unbedenklicher Verfüllung zu gewähren.

«Die genauen Auswirkungen des Granulats sind noch zu wenig erforscht, Fakt jedoch ist, dass das Plastik in die Umwelt gelangt und sich dort nicht vollständig abbaut», sagt Fäh. Bereits jetzt sei erwiesen, dass im Bodensee drei Viertel der Fische Mikroplastik in sich haben, wegen beispielsweise Abrieb von Pneus oder Littering. «Und von Tübach ist es nicht mehr weit bis zum See.» Als Alternative schlägt Fäh Quarzsand als Unterlage vor oder einen Winternaturrasen.

Winternaturrasen soll Abhilfe schaffen

Als Alternative zum Kunstrasen gilt der Winternaturrasen. Bei diesem besteht der Untergrund aus einer Sandschicht und er kann auch in den Wintermonaten bespielt werden. Im Frühsommer benötigt er eine Erholungsphase von etwa zwei Monaten, um wieder in Stand gestellt zu werden. Einzig bei gefrorenem Boden sollte auf die Benutzung des Rasens verzichtet werden.

Ende 2016 wurden erste Stimmen laut, die sich über den Granulat-Unterlag bei Kunstrasen beschwerten. Ein holländischer Journalist hatte Anfang Oktober desselben Jahres in seinem Film «Gefährliches Spiel» auf die gesundheitlichen Risiken eines Gummigranulates aufmerksam. Das recycelte Produkt aus alten Autoreifen wird demzufolge auf vielen Kunstrasenplätzen eingesetzt und soll unter anderem Weichmacher enthalten, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein.

Nach dem Einbau des Kunstrasens Wasser geprüft

Vor rund drei Jahren sagte der damalige Verwaltungspräsident des Zweckverbandes Regionale Sport- und Erholungsanlagen Kellen Tübach, Thomas Würth, dass das Granulat auf ihrem Sportplatz womöglich aus alten Autoreifen bestehe. Als die Anlage gebaut wurde, habe man aber Wasserproben untersucht. Dies bestätigt auch der jetzige Verwaltungspräsident des Zweckverbandes, Goldachs Gemeindepräsident Dominik Gemperli: «Nach dem Einbau des Kunstrasens mussten Wasserproben aus der Goldach entnommen werden, da diese ganz in der Nähe des Platzes liegt. Damals war alles in Ordnung und es gab weder Beanstandungen noch Nachbesserungen.» Gemäss Aussagen des Bundesamtes für Gesundheit liege zudem kein spezielles Gesundheitsrisiko durch das Granulat vor.

Bezüglich der Interpellation der Grünen sei weder er noch der Verwaltungsrat des Zweckverbandes Kellen kontaktiert worden. «Selbstverständlich werden aber auch wir uns bei einer künftigen Totalsanierung der Kunstrasenfelder mit den Fragen der Ökologie beschäftigen», sagt Gemperli. Dabei würden sie auch auf Nachhaltigkeit Rücksicht nehmen.