Nach seinem Rücktritt aus dem Quartierverein St.Georgen sagt Martin Boesch: «Das war ein Putsch»

Im Quartierverein St.Georgen hat es gekracht: Neue und bisherige Vorstandsmitglieder haben Martin Boesch zum Rücktritt gedrängt. Mit ihm ging auch Präsident Andy Rechberger. Jetzt spricht Boesch.

David Gadze
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Martin Boesch war seit 1986 im Vorstand des Quartiervereins St. Georgen. (Bild: Benjamin Manser)

Martin Boesch war seit 1986 im Vorstand des Quartiervereins St. Georgen. (Bild: Benjamin Manser)

Im Quartierverein St. Georgen ist am vergangenen Wochenende eine Ära zu Ende gegangen: Präsident Andy Rechberger und Vorstandsmitglied Martin Boesch, von 1999 bis 2013 selbst Präsident, hatten an der Hauptversammlung überraschend ihren Rücktritt erklärt. Boesch hatte schon damals davon gesprochen, dass es «kein harmonischer Übergang» sei.

Nun redet der langjährige ehemalige SP-Stadtparlamentarier Klartext: Er spricht von einem «Putsch», von «Erpressung». Andy Rechberger und er seien zum Rücktritt gedrängt worden.

Widerstand von allen Seiten

Was war passiert? Vor einem knappen Monat habe sich um das neue (und alte) Vorstandsmitglied Werner Ruppeiner eine Gruppe formiert und dazu bereit erklärt, dem Vorstand beizutreten, erzählt Boesch. Allerdings nur unter der Bedingung, dass er, Boesch, zurücktrete. «Das kam für mich zunächst nicht in Frage.» Rechberger und Boesch, die eine letzte Amtszeit von zwei Jahren planten, schlugen der Gruppe vor, sich im Sinne eines «harmonischen Übergangs» dem bestehenden Vorstand anzu­schliessen. Diese habe das abgelehnt. Und kurz darauf hätten Vizepräsident und Kassier Martin Ruppeiner sowie Maria Roth ihren Rücktritt eingereicht – wegen Boesch. Somit wären nur noch drei Personen im Vorstand verblieben. «So wäre der Quartierverein nicht funktionsfähig gewesen», sagt Boesch. Schliesslich habe Andy Rechberger keine andere Wahl gehabt, als gemeinsam mit Boesch zurückzutreten und so den Weg freizumachen für einen Neuanfang. «Es war wie eine Firmenübernahme. Mir war klar, dass eine Kampfwahl sinnlos war», sagt Boesch.

Werner Ruppeiner, der Bruder von Martin Ruppeiner, war bereits von 2003 bis 2013 im Vorstand – und trat damals laut eigener Aussage wegen Boesch zurück, ebenso Franz Inauen. Der ehemalige CVP-Stadtparlamentarier räumt ein, dass man Rechberger «missbraucht» habe, um Boeschs Rücktritt zu erzwingen und den Vorstand zu erneuern. «Das nehme ich auf meine Kappe.» Mit dem angedrohten Rücktritt seines Bruders habe er jedoch nichts zu tun.

Doch warum ist dieser Martin Boesch ein rotes Tuch für Teile des alten und des neuen Vorstands? Boesch rücke nicht von seiner Meinung ab und könne «giftig und angriffig» werden, wenn man diese nicht teile, sagt Ruppeiner. Im Parlament sei das akzeptabel gewesen, im Vorstand eines Quartiervereins aber nicht. Deshalb sei es für ihn keine Option gewesen, nochmals zwei Jahre mit Boesch im Vorstand zu sein. Mit dessen «linker» Verkehrspolitik habe dies nichts zu tun, sondern nur mit seiner Person. Ausserdem müsse der Quartierverein wieder aktiver werden, mehr Anlässe organisieren. «Wir wollen einen Aufbruch – und das geht nur mit einem Umbruch.»

«Gespräche mit ihm können unangenehm sein»

Der neue Präsident Thomas Giger, der Anfang der Nuller-Jahre ebenfalls kurze Zeit im Vorstand war, spricht von «fehlender Chemie». Diskussionen mit Martin Boesch seien oft «schwierig». Boesch bestehe auf seiner Meinung und lasse andere Sichtweisen nicht zu. «Wenn man seine Ansichten nicht teilt, können Gespräche recht unangenehm sein.» Mit Boesch im Vorstand zu sein, sei für ihn deshalb nicht in Frage gekommen, sagt Giger. Dasselbe gelte für Bruno Brülisauer, der vor einer Woche ebenfalls neu in den Vorstand gewählt wurde. Der Quartierverein habe lange nach neuen, jüngeren Kräften für den Vorstand gesucht. Viele hätten wegen Boesch abgesagt. Einen Verbleib von Andy Rechberger als Präsident hätte er hingegen begrüsst, sagt Giger.

Und was sagt Martin Boesch? Er sei manchmal «direkt, undiplomatisch und konsequent». Doch unterschiedliche Meinungen müssten in einem Quartierverein Platz haben. «Der Vorstand ist keine Interessengruppe, sondern soll die Vielfalt der Auffassungen im Quartier abbilden.» Genau dies drohe mit dem neuen Vorstand verloren zu gehen. Er vermute, dass es nicht um die Stimmung im Vorstand gehe, sondern um eine andere Verkehrspolitik, sagt Boesch. Die «Chemie» sei nur ein Vorwand, um diese andere Meinung zu eliminieren.