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«Es ist nicht Aufgabe des Stadtrats, auf betriebswirtschaftliche Abläufe Einfluss zu nehmen»: St.Galler Stadtpräsident zum geplanten Raiffeisen-Stellenabbau

Der vorgesehene Abbau von 200 Stellen bei Raffeisen Schweiz in St.Gallen gehöre zum Wandel in der Finanzindustrie. Das sagt Stadtpräsident Thomas Scheitlin. Am wichtigsten sei, dass Unternehmen Lösungen finden, um im Markt zu bleiben.
David Gadze
Düstere Wolken über Raiffeisen – es kommt zu einem Stellenabbau.

Düstere Wolken über Raiffeisen – es kommt zu einem Stellenabbau.

Dem Bankenplatz St.Gallen steht ein grösserer Stellenabbau bevor: Im Zuge eines Reformprojekts will Raiffeisen in der St. Galler Zentrale bis 2020 rund 200 Stellen streichen. Hier arbeiten rund 1200 der knapp 2200 Beschäftigten von Raiffeisen Schweiz.

Was bedeutet dieser Personalabbau nun für den Standort St.Gallen? Stadtpräsident Thomas Scheitlin stellt die 200 betroffenen Stellen in Relation zur Gesamtzahl der Arbeitsplätze in der Stadt. Derzeit entfallen rund 6800 der insgesamt 83'400 Arbeitsplätze auf den Finanz- und Versicherungssektor. Diese Zahl habe in der Vergangenheit immer wieder geschwankt, sagt Scheitlin. Denn die Finanzindustrie sei grundsätzlich einem starken Wandel ausgesetzt, nicht zuletzt wegen der Digitalisierung.

Aufgabe der betreffenden Betriebe sei es, auf diese Veränderungen zu reagieren. «Das Wichtigste ist, dass diese Unternehmen im Markt bleiben», sagt Scheitlin. Denn nur so könnten sie am Standort St.Gallen Erträge abwerfen und weiterhin Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Einen Imageschaden für die Stadt St.Gallen befürchtet er nicht.

Wichtig für die Ausstrahlung St.Gallens

Wenn ein Stellenabbau wie jetzt bei Raiffeisen aufgrund von Umstrukturierungen geschehe, müsse man dies zur Kenntnis nehmen, sagt Scheitlin. Der Stadtrat suche in einem solchen Fall nicht aktiv das Gespräch mit der betreffenden Firma. «Es ist nicht Aufgabe des Stadtrats, Einfluss zu nehmen auf die betriebswirtschaftlichen Abläufe.» Anders sehe es jedoch aus, wenn eine Firma ihren Sitz in St.Gallen aufgeben möchte, wie dies in den vergangenen Jahren etwa bei Merck (Sigma-Aldrich) oder beim Sportartikelhersteller Jako, der seinen Hauptsitz nach Rorschacherberg verlegt hat, geschehen ist. «In so einem Fall müssen wir schauen, was für Möglichkeiten wir haben.»

Thomas Scheitlin, Stadtpräsident St.Gallen

Thomas Scheitlin, Stadtpräsident St.Gallen

Denn für die Ausstrahlung und Aussenwahrnehmung der Stadt St. Gallen sei es wichtig, wenn sich grosse Unternehmen hier niederliessen. Nicht zuletzt dank des Hauptsitzes von Raiffeisen Schweiz habe die grösste Stadt der Ostschweiz auch eine Bedeutung als Finanzplatz, sagt der Stadtpräsident. Das sehe man unter anderem an den Banken, die in den vergangenen Jahren hier ihre Filialen eröffnet haben – beispielsweise die Valiant Bank an der Marktgasse.

Aber auch die Sitze anderer grosser Unternehmen wie die Helvetia-Gruppe trügen dazu bei, dass Fachkräfte aus den verschiedensten Bereichen in St.Gallen arbeiteten. «Für den hiesigen Fachkräftemarkt ist das gut.» Ausserdem seien solche Faktoren wichtig als Argument bei Ansiedlungsgesprächen mit Unternehmen, die nach einem Standort suchen. «Das ist ein Marketingaspekt für die Standortförderung.»

7000 neue Arbeitsplätze innert fünf Jahren

Grundsätzlich sei es um die Stadt St.Gallen als Arbeitsort gut bestellt, sagt Stadtpräsident Scheitlin. Zwischen 2011 und 2016 habe sich die Zahl der Arbeitsplätze von 76'500 auf 83'400 erhöht; aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Davon entfallen rund 5000 Arbeitsplätze auf den privaten Sektor und 2000 auf den öffentlichen. Das Plus von 7000 Arbeitsplätzen – oder fast zehn Prozent – bezeichnet Scheitlin als «gute Performance».

«Wir können zufrieden sein, auch im Vergleich mit anderen Schweizer Städten.»

So sei in Luzern im selben Zeitraum die Zahl der Arbeitsplätze von 77'000 auf 81600 gestiegen.

Das Potenzial sei «schwer abschätzbar», sagt Scheitlin. Das hänge neben der Entwicklung bestehender Firmen auch von Neuansiedlungen ab. Nur: Das Bauland in der Stadt St.Gallen ist knapp, trotz grosser Areale wie St.Fiden oder Winkeln, die ihrer weiteren Entwicklung harren. Thomas Scheitlin betont aber, dass gerade in den Gebieten Altenwegen oder Martinsbruggstrasse auch kurzfristig noch genügend Raum für Neuansiedlungen zur Verfügung stehe.

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