Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Interview

Pfarrerin Kathrin Bolt zu Predigtverbot: «Es war anstrengend, meinen Beruf immer wieder neu zu hinterfragen»

Einen Monat predigte das Pfarrteam der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Straubenzell nicht. Das war nicht nur für die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger eine Herausforderung.
Seraina Hess

Der predigtfreie Mai bedeutete für das Pfarrteam der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Straubenzell Neuland – auch für Pfarrerin Kathrin Bolt. Sie ist sich sicher: In irgendeiner Form wird das Projekt weiterleben. Auch wenn es dem Gottesdienst am Sonntagmorgen kaum neue Besucher bescheren wird.

Einigen Kirchgängern ist der predigtfreie Monat sauer aufgestossen, sie haben den Gottesdienst sogar gemieden. Können Sie das nachvollziehen?

Ja. Ich verstehe, dass manche an der Predigt hängen und eine gewisse Verlustangst verspüren, zumal der Rücklauf in der Kirche ohnehin gross ist. Die Predigt ist das Herzstück eines reformierten Gottesdienstes. Ich kann mir vorstellen, dass einige meinen, es würde nicht mehr ernsthaft gefeiert und stattdessen ein Event aus dem Kirchenbesuch gemacht. Diese Angst ist aber nicht berechtigt.

Pfarrerin Kathrin Bolt. (Bild: Urs Bucher)

Pfarrerin Kathrin Bolt. (Bild: Urs Bucher)

Nicht? Wollen Sie das Projekt nach der Auswertung also abhaken und in die Schublade stecken?

Natürlich nicht. Wir wollen dranbleiben und das Gespräch mit den Kirchbürgerinnen und Kirchbürgern suchen, weiter experimentieren, vielleicht auch ab und zu ohne Predigt auskommen – auch wenn wir dadurch keinen Hype auslösen werden. Die Kirche füllen wir am Sonntag nicht mehr, und diese Tatsache müssen wir etwas gelassener sehen.

War mehr Zulauf denn nicht das Ziel des predigtfreien Monats, wenn auch nicht offiziell kommuniziert?

Nein. Man kann nicht erwarten, dass der Gottesdienst plötzlich von lauter jungen Menschen besucht wird. Wir wollten wahrgenommen werden und Gesprächsthema sein. Das ist uns gelungen.

Die verbannte Predigt hat die Kirchbürger gefordert. Wie steht es um das Pfarrteam?

Predigen habe ich im Studium gelernt, die Gestaltung eines Gottesdienstes ohne Predigt nicht – man muss etwas kreativ sein. Ich habe Lust bekommen, noch viel mehr auszuprobieren. Besonders gefordert hat mich aber, meinen Beruf aufgrund der fehlenden Predigt immer wieder in Frage zu stellen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.