Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Sagen aus der Region:
Geschichten zum Grausen

Sagen unserer Vorfahren berichten von ungeheuren Wesen und schauderhaften Begegnungen. Die Erzählungen verloren bereits vor über 100 Jahren an Bedeutung. Ihre Faszination aber bleibt.
Sebastian Schneider

«Sagen sind wie alte Münzen. Ihren Kurs haben sie verloren, nicht aber ihren Wert.» Dieser Satz ist auf dem Einband des Buches «Sagen des Kantons St. Gallen» von Jakob Kuoni zu lesen. In der Sammlung, die 1903 zum Kantonsjubiläum zum ersten Mal gedruckt wurde, finden sich 506 Sagen aus allen Bezirken des Kantons. Allerdings ist über die Hälfte der Geschichten dem Süden des Kantons zuzuweisen. Das Sarganserland und Werdenberg gehören gar zu den sagenkräftigsten Gebieten der Schweiz, wie dem Buch «Sagen der Schweiz, St. Gallen Appenzell» zu entnehmen ist.

Doch auch in unserer Region gibt es Dutzende Sagen. In einigen Gemeinden ist in Büchern nur eine Kurzgeschichte zu finden, in anderen eine ganze Reihe. Am meisten gibt es in Eggersriet, wo alleine das Buch von Kuoni elf Sagen aufführt. Die «Tagblatt»-Redaktion wird diesen Sommer einige der alten Geschichten nacherzählen und damit die Hexen, Poltergeister, Zwergen und Drachen aufleben lassen.

Der Buchdruck als Verdränger und Retter

Ob gefährliche Hunde, eine verschwundene Siedlung, der Teufel im Kübel oder ein Zwergenwunder: Diese Geschichten wurden über Jahrhunderte mündlich überliefert und wurden dadurch zu Sagen. Im Buch «Sagen der Schweiz» heisst es, dass eine Sage mündlich weitergegeben werden müsse, um als solche bezeichnet werden zu können.

Allerdings wurden die Erzählungen bereits im 19. Jahrhundert durch das immer häufiger gedruckte Wort verdrängt. Und bereits Kuoni musste sich bei seiner Recherche oft die Frage gefallen lassen, wer denn heute noch an «solches dummes Zeug glaubt», wie dem Vorwort zu entnehmen ist. Doch der Autor verteidigte die «Spiegelbilder der Daseinserfahrung», die er auch als «kulturhistorische Denkmäler aus unserer Väter Tage» betrachtete. Schliesslich wurzelten die Sagen im tiefsten germanischen Heidentum, das durch alle Jahrhunderte das christliche Fühlen und Denken begleitet habe.

Viele Sagen entstanden aus Angst

Sagen beleben die Fantasie; sie dienten aber nicht ausschliesslich der Unterhaltung, wie Historiker Karl Schmuki sagt. «Diese Erzählungen hatten auch eine erzieherische Komponente.» Eltern hätten mit der bösen Hexe oder dem gefährlichen Geist gedroht, damit die Kinder gehorchen. Auch ihm selber sei es als Kind das eine oder andere Mal kalt den Rücken heruntergelaufen. «Mein Vater, der als Dorflehrer die Sagen von Rufi gesammelt hatte, kannte viele gruselige Geschichten», sagt Schmuki, der im Linth-Gebiet aufgewachsen ist. Dass im alpinen Raum mehr Spukgeschichten überliefert wurden, ist für den Historiker einfach erklärbar. «Die Bewohner hatten noch Angst vor den Bergen.» Dies sehe man auch daran, dass die Erstbesteigungen bedeutender Schweizer Berge in vielen Fällen von Ausländern geschafft wurden.

In den Bergen gab es laut Schmuki viele Phänomene, die man sich nicht erklären konnte und deretwegen man die Fantasie spielen liess. «Manchmal genügte ein seltsames Geräusch für eine Sage.» So fand viel Unerklärbares Einzug in solche Geschichten. Und darum wehrte sich Jakob Kuoni in seinem Vorwort: «Sagen sind nicht Lügen. Sie sind der Ausdruck einstigen Empfindens und Denkens.»

Dorfchronisten retten alte Dorfgeschichten

In den Bann zogen die Menschen auch alte Burgen. Alleine im Dorf Abtwil gibt es vier Ruinen, respektive Burgstellen. Von diesem Umstand war der damalige Abtwiler Primarlehrer Max Pflüger fasziniert. In den 1970er-Jahren ging er auf den Dorfchronisten Walter Beeler zu, um die Geschichten um und von den Burgen zu sammeln. Aus der Zusammenarbeit ist das Büchlein «Abtwils Burgen und ihre Sagen» entstanden.

Es dient dem Zweck, die Sagen um Abtwils Burgen für die Ewigkeit festzuhalten. Pflüger sei das ein grosses Anliegen gewesen. Denn Walter Beeler, der die Geschichten erstmals 1917 sammelte, sei einer von weinigen gewesen, der die Sagen kannte. Pflüger war bewusst: «Wenn der Beeler nicht mehr ist, dann wären die Sagen verloren.»
Die Burgen hat Pflüger meistens mit den Viertklässlern besichtigt, wie der Pensionär berichtet. Die Geschichten hätten die Schüler gepackt. Besonders, wenn Beeler selber in den Unterricht kam und die Geschichten vor den Schülern vortrug.



Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.