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Seit 33 Jahren Kondukteur: Andreas Lutz ist der fröhliche Knipser des Voralpen-Express

Andreas Lutz ist sei 33 Jahren Zugbegleiter im Voralpen-Express. Der Wittenbacher ist immer gut aufgelegt und freut sich an jeder netten Begegnung mit Fahrgästen. Für Notfälle hat er Parfüm parat.
Sebastian Schneider
Andreas Lutz ist Zugbegleiter aus Leidenschaft. (Bild: Urs Bucher)

Andreas Lutz ist Zugbegleiter aus Leidenschaft. (Bild: Urs Bucher)

«Hoi Andi», heisst es von rechts, «grüezi Herr Lutz» tönt es von links. Bereits vor dem Coop am Bahnhof St. Gallen wird der Kondukteur von Fahrgästen und Kollegen begrüsst. Es ist morgen früh, Andreas Lutz beginnt seinen Arbeitstag. Während viele Pendler lustlos durch die Unterführung trotten, ist Lutz bereits frisch und fröhlich. «Das musst du sein in diesem Beruf», ist der 49-Jährige überzeugt.

So gibt es zu Hause in Wittenbach täglich Frühstück und Kaffee, auch wenn die Schicht bereits um 4 Uhr morgens beginnt. An diesem Morgen aber begibt sich Lutz kurz vor 7 Uhr Richtung Gleis 6, wo der «Voralpen-Express» soeben eingefahren ist. Regierungsrat Benedikt Würth läuft übers Perron und nickt dem langjährigen Kondukteur zu. «Sehen Sie, auch Regierungsräte kennen einen mit der Zeit», sagt Lutz, der die Freude an dieser Begegnung nicht verbergen kann. Lutz hat Menschen und seinen Beruf gerne. Ein Schwätzchen dort, ein freundliches Grüezi da. Das baut den Familienvater auf und ist auch der Grund, weshalb er seit 33 Jahren motiviert in die Uniform und in den Zug steigt.

Alte und neue Technik fahren mit

«Grüezi Frau Schlegel», begrüsst Lutz eine Seniorin mit Rucksack und Wanderstöcken. Der Voralpen-Express, der von St. Gallen nach Luzern fährt und von der Schweizerischen Südostbahn AG (SOB) betrieben wird, ist für Andreas Lutz ohne Zweifel eine der schönsten Zugstrecken der Schweiz. Der Zug rattert nun über das Sitterviadukt; Lutz ist auf Kontrollgang durch die ersten Wagen. Steht er unter der Türe, neigen sich viele der Fahrgäste bereits zur Seite, um Portemonnaie oder Smartphone aus der Hosentasche zu ziehen.

Die meisten Passagiere kennen die Strecke und wissen, dass in diesem Zug immer ein Zugbegleiter unterwegs ist. Der Voralpen-Express ist gemäss Lutz ein Zug für Schüler, Pendler sowie für Ausflügler und Touristen. Zu den Morgenstunden gebe es selten Schwarzfahrer, da die regelmässigen Benutzer meistens ein Abonnement hätten. So kommt Lutz auch an diesem Morgen ohne grosse Mühen durch die Wagen. Und die Toiletten, die er beim Vorbeigehen kontrolliert, sind sauber.

Die Lochzange bleibt auf dem Kontrollgang meistens in der Gurttasche. «Ein Relikt aus alten Zeiten», scherzt Lutz. Tatsächlich knipst er auf diesem Kontrollgang höchstens zwei Billette pro Wagen. Sonst braucht Lutz die Zange nur noch für Kinderbillette.

Auch der Vierkantschlüssel und die Pfeife bleiben immer häufiger in der Gurttasche. Die Abfahrterlaubnis erteilen die Kondukteure heute an den meisten Bahnhöfen per Geschäftsnatel – die orangen Kästen verschwinden nach und nach auf den Perrons.

Jeden Tag Parfüm im Gepäck

Bei aller Freundlichkeit und Freude am Beruf erlebt auch Andreas Lutz zuweilen unangenehme Situationen. Beginnt er seine Arbeit an einem Sonntagmorgen, endet für einige Fahrgäste erst gerade der Ausgang. Es komme halt immer wieder vor, dass sich Passagiere übergeben müssen und den Zug verunstalteten. «Das passiert häufiger im Winter, wenn Betrunkene von der Kälte in die Wärme kommen.» In vielen Fällen liege es dann am Zugbegleiter, wieder Ordnung herzustellen. Um die üblen Gerüche wenigstens vorübergehend zu beseitigen, hat der Vater einer Tochter und eines Sohnes immer ein Parfümfläschchen dabei.

Andreas Lutz versucht auch in schwierigen Situationen, den Draht zu den Passagieren finden. Obwohl er selber Uniform trägt, wäre es seiner Sicht «das Schlimmste», den Polizisten zu spielen. Wenn es nicht gelinge, den Ball flachzuhalten und die Fahrgäste tatsächlich ausfällig und gefährlich werden, alarmiere er die Kollegen von der Bahnpolizei.

An diesem Morgen allerdings wollen die Kantischüler nach Wattwil, die Ausflügler nach Uznach und die Studenten sowie die Geschäftsleute nach Rapperswil. Lutz hat nach Degersheim alle Wagen einmal kontrolliert. Besonders nach Wattwil, wo viele Fahrgäste ein- und ausgestiegen sind, ist beim zweiten Gang durch den Wagen ein gutes Gedächtnis gefragt. Einen eigentlichen Trick, wie er sich die Gesichter merken könne, habe er nicht. Eine Passagierin streckt ihm das Billett entgegen. «Entschuldigen Sie, Ihr Billett habe ich ja schon gesehen», sagt Lutz, lächelt und geht weiter. «Guete Morge, alli Billett bitte.»

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