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So gut isst St.Gallen: Zwei Gourmets haben sich quer durch die Stadt geschlemmt und einen Restaurantführer geschrieben

Kleine Stadt, grosses Gourmetpotenzial: Ein neuer Restaurantführer feiert das kulinarische St.Gallen.
Diana Hagmann-Bula
Restaurantführer, Gutscheinbuch und Bildband in einem: Die Fotos des Zürcher Fotografen Basil Stücheli machen "Essen gehn!" zum Hingucker. (Bild: pd)

Restaurantführer, Gutscheinbuch und Bildband in einem: Die Fotos des Zürcher Fotografen Basil Stücheli machen "Essen gehn!" zum Hingucker. (Bild: pd)

Drei Monate lang haben sich Max und René Grüninger durch St.Gallen geschlemmt. Sie haben im «Perronnord» das «beste Cordon Bleu der Stadt» gekostet, sich im «Drahtseilbähnli» bei Chässpätzli mit Röstzwiebeln «naherholt» und im «Barz» erfahren, wie «das kulinarische Erbe der Alpen» schmeckt.

«Wir sind überrascht, wie vielfältig man hier isst.»

Sohn und Vater, sie führen in Zürich ein PR-Büro, sind Gourmets. Ein Leben ohne Essen? Unvorstellbar. Dennoch haben sie die kulinarische Reise durch die Gallusstadt nicht zum Zeitvertreib angetreten. Entstanden ist dabei ein Restaurantführer. «Essen gehn!» heisst er. Und versammelt 14 Lokale, in denen man zwar gut speist, sich aber vor allem wohl fühlt. Max Grüninger betont:

«Uns geht es um mehr als Punkte. Um gastfreundliche Wirte, um sympathische Lokale, um das gewisse Etwas»

Den ausgewählten Restaurants sei denn auch gemeinsam, dass sie von Leuten geführt würden, die mehr als Fachwissen und Kreativität einbringen. Nämlich: Seele und Leidenschaft.

Von Fair Food bis Ferien in Spanien

Bei der Recherche stützten sich Max und René Grüninger auch auf Empfehlungen von Freunden, die in St.Gallen wohnen. «Sie haben die gleiche Lebensphilosophie wie wir», sagt Max Grüninger. Die im Buch vorgestellte «Familie an Restaurants», wie der 34-Jährige die Auswahl nennt, fällt kontrastreich aus. Auf der einen Seite sind da Lokale wie der alternative «Schwarze Engel», der Fair Food auftischt und Food Waste verhindern will.

Auf der anderen Seite stehen traditionelle, mit Punkten ausgezeichnete Restaurants wie «Zum Goldenen Schäfli», in dem Rindsfilettartare und andere Klassiker auf den Tisch kommen. «Ein solches Erststockbeizli musste einfach im Buch vertreten sein. Sie stehen für St.Gallen», sagt Grüninger. «Essen gehn!» schwärmt aber auch von den Boquerones im Restaurant Klosterhof («fast wie Ferien in Spanien») und lobt die Genussteller im «Neubädli». Anders als Gault Millau und andere Essensbibeln gibt das Buch der jungen, trendigen Gastroszene viel Raum. Jenen Gastgebern also, die kaum einen Gedanken an Punkte verschwenden, sondern einfach machen, was sie am liebsten tun: kochen, backen, bewirten.

Im «Geschmackslokal» erhalte man glücklich machende Eintöpfe. In der «Militärkantine» haben sich die Macher des Buches wieder wie Kinder gefühlt – der Gerichte aus Mutters Küche wegen. In der «Stickerei» sehen sie «das beste Burgerrestaurant der Region». «Und das Kafi Franz heisst zu unrecht nur Kafi», sagt Grüninger. Denn das Lokal sei mit der kleinen, feinen Karte auch abends eine gute Adresse.

«Ich habe hier Restaurants entdeckt, die überall stehen könnten. In Berlin, Kopenhagen, Paris.»

«Wir dürfen noch mehr strahlen»

«Es tut gut, das zu hören», sagt Philipp Buob, Mitinhaber des Restaurants Stickerei. Der Stadt fehle oft das Selbstvertrauen. «Dieses Buch zeigt, dass wir allen Grund haben, mehr zu strahlen.» Im «Schwarzen Engel» laufen gemäss Kollektivmitglied Björn Sauter zwar Bar und Restaurant gut. «Es gibt aber immer noch Leute, die unsere Küche nicht kennen. Dabei legen wir wert auf bio, regional und sind kreativ.» Das hochwertige Buch sei der richtige Weg, das nach aussen zu tragen.

«Und zu zeigen: In der St.Galler Gastronomie hat sich viel getan.»

Nun erhofft er sich «einen Ansturm» neuer Gäste.

Im Restaurantführer findet sich ausschliesslich positive Kritik. Ob so viel Lob fragt man sich: Haben die Mitmachenden für einen Platz im Buch bezahlt? Grüninger verneint. Er verweist aber auf das Gutscheinsystem, das mit dem Werk verbunden ist. Jeder der Lokalbeschriebe dient als Voucher für einen kostenlosen Hauptgang – sofern man «zumindest mit jemand anderem zusammen essen geht und beide Personen eine Hauptspeise konsumieren». So rechtfertigt sich der für das Buch (trotz Leineneinband und wunderschönen Bildern) stolze Preis von 70 Franken. «Der Gastgeber unterschreibt auf seiner Seite, um den Gutschein zu entwerten», sagt Grüninger. Gut möglich, dass sich dabei ein interessantes Gespräch mit dem Wirt ergibt. Als Dessert sozusagen.

Erhältlich unter www.essengehn.ch und ab 12. November in ausgesuchten Buchläden

Limitierte Auflage: «Lokale nicht überschwemmen»

Vor zwölf Jahren hat René Grüninger zum ersten Mal das Buch «Essen gehn!» herausgegeben - für Zürich. Dann folgten die Ausgaben Basel und Bern, letztes Jahr Winterthur. Nun ist St. Gallen an der Reihe. Die Auflage ist stets limitiert. «Wir passen sie jeweils der Stadt an, damit die Wirte nicht überschwemmt werden», sagt Max Grüninger, der den Restaurantführer unterdessen mit seinem Vater herausgibt. Das Buch wirft auch einen Blick in die Umgebung. Und empfiehlt dort den «Anker» in Teufen, das «Treichli» in Wienacht und das «Presswerk» in Arbon. Ein hochwertiges, schönes Buch, das hungrig macht. Und doch: Das einfachere «Limon» mit seinen Kebabs oder ein Imbiss wie das «Esswerk» mit seinen Burritos hätten der Durchmischung von «Essen gehn!» gut getan. (dbu)

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