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Gartenbesitzer füttern Lamas mit Oleander: Alle Zuchthengste gestorben – Nun wagt dieser Züchter aus Steinach einen Neustart

Gerhard Oefelin züchtet auf seinem Hof in Steinach Lamas. Ende 2017 musste er einen herben Rückschlag hinnehmen. Nun fängt er wieder fast von vorne an.
Ines Biedenkapp
Lamas sind zwar Fluchttiere, doch auch sehr neugierig. (Bild: Ines Biedenkapp)

Lamas sind zwar Fluchttiere, doch auch sehr neugierig. (Bild: Ines Biedenkapp)

Braun, weiss, gescheckt oder schwarz. Ihre Farben sind vielfältig. Nähert man sich dem Hof von Gerhard Oefelin, strecken die Lamas neugierig ihre Köpfe über den Zaun. «Trotz ihrer Neugier sind und bleiben Lamas jedoch Fluchttiere», sagt Züchter Oefelin. Daher sei im Umgang mit den Lamas auch immer ein wenig Vorsicht geboten.

Seit er den Hof seines Vaters oberhalb von Steinach übernommen hat, züchtet Oefelin dort die flauschigen Gesellen aus den Anden. Begonnen hat alles durch einen Zufall. Oefelin erinnert sich:

«Das kam eigentlich durch eine Wanderung mit unseren Hunden.»

«Meine Partnerin und ich waren auf einer Trekkingtour im Berner Oberland unterwegs, und als wir oben bei der Berghütte ankamen, standen dort fünf Lamas.» Es war Liebe auf den ersten Blick. Er begann sich mehr mit Lamahaltung und Zucht zu befassen.

Alle Zuchthengste vergiftet

Mittlerweile hat Gerhard Oefelin 30 Tiere auf seinem Hof. (Bild: Ines Biedenkapp)

Mittlerweile hat Gerhard Oefelin 30 Tiere auf seinem Hof. (Bild: Ines Biedenkapp)

Im Herbst 2011 reservierte sich Oefelin seine ersten Tiere. «Im Sommer kamen ja meine vier Ladies auf die Welt», sagt er. Der Züchter zeigt auf eine weiss-braune Lamadame. «Rapunzel gehörte dazu und auch Klarissa, meine schöne Dunkelbraune da drüben.» Doch erst mit der Übernahme des Hofs 2014 wechselten die Tiere nach Steinach, auf die Lama del Castillo, so der neue Name der Zuchtstätte. Seither wurden es immer mehr. Mittlerweile haben Oefelins 30 Tiere.

Doch im Dezember 2017 musste Oefelin einen herben Rückschlag einstecken. Gartenbesitzer aus der Umgebung fütterten die zutraulichen Lamas mit Oleander-Abschnitt. Ein fataler Fehler. Die Pflanze ist reines Gift für die Paarhufer. Auf einen Schlag verlor die Familie damit all ihre Zuchthengste. «Das war wirklich schlimm», sagt er.

«Vor allem wussten wir ja gar nicht, was den Tieren genau fehlte.»

Daher gestaltete sich die Behandlung als sehr schwierig. Normalerweise seien seine Lamas gut darin, die für sie giftigen Pflanzen auf den Weiden zu meiden. Die Weiden werden dennoch regelmässig kontrolliert.

Sieben neue Junghengste aus Italien

Damit konnte die Familie erst einmal nicht weiterzüchten. «Bei Lamas ist es so, dass sie ihre Crias, also die Fohlen, etwa 350 Tage austragen. Daher hätte ich im Frühjahr 2018 mit dem Decken der Stuten anfangen müssen. Durch den Ausfall, ging das leider nicht.»

Finley ist einer der sieben Junghengste, auf der Lama del Castillo. Er kommt ursprünglich aus Italien. (Bild: Ines Biedenkapp)

Finley ist einer der sieben Junghengste, auf der Lama del Castillo. Er kommt ursprünglich aus Italien. (Bild: Ines Biedenkapp)

Seit kurzem gehören wieder sieben Junghengste zur Lama del Castillo. Die Tiere kommen aus Italien. Sie sind zwischen zehn und zwölf Monaten alt. Züchten kann er mit ihnen noch nicht. Die Junghengste sind noch nicht geschlechtsreif.

«Erst wenn sie dreijährig sind und ihre Hengstzähne bekommen, werden sie wenn man es so will, erwachsen.»

Vor allem Kinder und Wanderer erfreuen sich der flauschigen Tiere mit den grossen, bananenförmigen Ohren.

Lamas sind neugierig

Verbringt man ein wenig Zeit auf dem Hof, können viele Wanderer dabei beobachten werden, wie sie am Wegrand stehen bleiben, auf die grossen Weiden schauen und sich gegenseitig auf die Tiere aufmerksam machen. Die Lamas stört das nicht. Im Gegenteil: «Sie beobachten gerne und sind unheimlich neugierig», sagt der Steinacher.

«Sie sind zwar Fluchttiere, aber im Gegensatz zu einem Alpaka, überlegen sie erst, ob sie flüchten müssen.»

Gerhard Oefelin spricht liebevoll mit seinen Tieren. Streichelt ihnen sanft den Kopf. Dass er seine Lamas liebt, merkt man ihm an. Besonders stolz ist er auf die Leistung seiner Tiere bei Wettbewerben. Nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Ausland, wie im benachbarten Deutschland wurden seine Lamas bereits prämiert. Vor allem mit seinen damaligen Hengsten gewann er einen Preis nach dem anderen.

Im Winter warm, im Sommer kühl

Das Lama fühlt sich wohl und legt sich in die Sonne zum schlafen. (Bild: Ines Biedenkapp)

Das Lama fühlt sich wohl und legt sich in die Sonne zum schlafen. (Bild: Ines Biedenkapp)

Auch mit seinen jetzigen Jungtieren hat Gerhard Oefelin noch viel vor. Aus der feinen Wolle der 30 Lamas stellt die Familie Duvets her. «Aufgrund der speziellen Beschaffenheit der Haare, halten sie im Winter warm und im Sommer kühl», sagt Oefelin. Mit den ausgewachsenen Hengsten will er später einmal Trekkingtouren anbieten oder die Tiere in der Therapie einsetzen. «Dafür braucht es aber noch eine Menge Übung», sagt er. Bis die Tiere so weit sind, wird fleissig geübt.

Fremde Tiere nicht füttern

Lamas kommen ursprünglich aus den Anden. Da sie ab einer Höhe von 2500 Metern leben, sind die Mägen der Wiederkäuer auf karge Mahlzeiten eingestellt. Doch nicht nur bei Lamas sollte man bei der Fütterung aufpassen. Auch Kühe oder Pferde, können bei einer falschen Fütterung schwer erkranken oder gar sterben.

Vor allem Eibe, Oleander oder Fingerhüte gehören zu den giftigen Pflanzen. Aber auch einfach achtlos weggeworfener Müll kann grossen Schaden anrichten. Igel oder junge Füchse stecken ihre Köpfe etwa gerne in leere Joghurtbecher oder Dosen. Meist können sie sich nicht mehr alleine befreien. Erwischen die Kühe beim grasen Plastik, drohen Verletzungen im Magentrakt. (ibi)

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