Vier von zehn Lehrern gehen: Eltern in St.Georgen sind beunruhigt 

Bald beginnen die Sommerferien. In St.Georgen steht damit ein grosser Abschied an: Zehn Lehrerinnen und Lehrer verlassen die Schulhäuser Hebel und Bach. Die Gerüchteküche brodelt.

Marlen Hämmerli
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Im Schulhaus Hebel unterrichten künftig nur noch Lehrerinnen. (Bild: Benjamin Manser - 7. Juni 2019)

Im Schulhaus Hebel unterrichten künftig nur noch Lehrerinnen. (Bild: Benjamin Manser - 7. Juni 2019)

In St.Georgen gehen Ende Schuljahr zehn von 38 Lehrerinnen und Lehrer, Fachlehrpersonen nicht mitgezählt. Dass rund jede vierte Lehrperson die Schulhäuser Hebel und Bach verlässt, hat im Quartier Unruhe ausgelöst. Über die Gründe wird spekuliert.

Eine Nachfrage ergibt: Zwei Lehrerinnen und ein Lehrer werden pensioniert, zwei nehmen Mutterschaftsurlaub. Fünf haben gekündigt. Es geht das Gerücht, ein Grund für die Kündigungen sei Schulleiterin Ursula Litscher. Sie habe keine Anzeichen, dass dieses Gerücht zutreffe, schreibt Marlis Angehrn, Leiterin der Dienststelle Schule und Musik, auf Anfrage. Von den drei Männern und zwei Frauen, die die Kündigung eingereicht haben, wechseln zwei Personen in die Privatwirtschaft, eine an eine andere städtische Primarschule. Eine plant gemäss Litscher, vermehrt stellvertretend zu arbeiten. Die fünfte Person habe noch keine konkreten Pläne.

Alle Männer verlassen die Schulhäuser Hebel und Bach

Die Abgänge haben Folgen für die Schulkinder: Künftig unterrichten in St.Georgen nur noch Lehrerinnen. Alle Lehrer – bisher waren es vier – werden die Primarschulen Hebel und Bach verlassen. Die offenen Stellen wurden mit Frauen besetzt. Einzig die Stelle einer Heilpädagogin oder eines Heilpädagogen ist noch offen.

«Die Suche ist intensiv und zeitaufwendig. Wie immer, wenn man gute Lehrpersonen einstellen will», sagt Litscher. Das sei schon seit vielen Jahren so, insbesondere bei der Suche nach schulischen Heilpädagogen.

Kürzlich warnte der Schweizer Lehrerverband, der lang angekündigte Lehrermangel zeige sich nun deutlich. Demnach können zwar viele Schulen offene Stellen noch immer besetzen, doch häufig nicht mit «adäquat ausgebildeten» Personen. Stattdessen würden Lehrer aus anderen Fächern oder Stufen sowie Quereinsteiger ohne Ausbildung eingestellt.

In St.Georgen wurden die offenen Stellen gemäss Litscher sowohl mit erfahrenen Lehrpersonen besetzt, als auch mit welchen, die diesen Sommer die Pädagogische Hochschule St.Gallen (PHSG) abschliessen.

Im Riethüsli wissen Schüler nicht, wer sie unterrichten wird

Lehrerinnen und Lehrer, die aussteigen, pensioniert werden oder ihr Pensum reduzieren: All das sind Gründe für den Lehrermangel, hinzu kommen die steigenden Schülerzahlen. In St.Gallen werden diesen Sommer neue Kindergärten und Primarschulen eröffnet, etwa im Riethüsli. Gleichzeitig gehen dort fünf Lehrpersonen. Drei Lehrerinnen werden pensioniert. Eine Lehrerin und ein Lehrer haben gekündigt. Für vier Stellen fand Schulleiter Oskar Sturzenegger «relativ schnell» Ersatz. Doch er bestreitet nicht, dass der Markt ausgedünnt ist:

«Früher war es im Mai und Juni noch einfacher, neue Lehrpersonen zu finden. Heute haben zu diesem Zeitpunkt die meisten Abgänger der PHSG bereits eine Stelle gefunden.»

Speziell ist die Situation im Riethüsli, weil dort künftige Viert- und Fünftklässler noch nicht wissen, wer sie nach den Sommerferien unterrichten wird. Die Stelle einer Doppelklassenlehrerin ist noch unbesetzt, nun wurde sie zum zweiten Mal ausgeschrieben. «Wir erhalten Bewerbungen, aber vor allem aus Österreich und Deutschland», sagt Schulleiter Oskar Sturzenegger. «Abzuklären, ob deren Diplom hier gültig ist, ist ein Aufwand.» Er hoffe noch immer, Ersatz zu finden.

26 Lehrpersonen haben gekündigt

Auch in anderen Schulquartieren läuft die Suche nach Lehrern noch. Ob der Lehrermangel in St.Gallen ein Problem ist, kann Dienststellenleiterin Marlis Angehrn deshalb noch nicht sagen. Zu den Kündigungen sagt sie: «Wir erkennen derzeit kein Anzeichen für eine Häufung.» Über die ganze Stadt haben auf Ende Schuljahr 26 Lehrpersonen gekündigt, 27 werden pensioniert. Auf 900 Lehrerinnen und Lehrer entspricht die Fluktuation knapp sechs Prozent.

Auffällig wären laut Angehrn sechs oder mehr Kündigungen mehrere Jahre hintereinander an derselben Schule.

«Bei den aktuell genannten Kündigungsgründen, soweit mir diese bekannt sind, lassen sich keine Besonderheiten er kennen.» 

Die häufigsten Gründe für Abgänge seien Pensionierungen, berufliche Neuorientierungen, Zusatzausbildungen und private Veränderungen, wie etwa Mutterschaft oder ein Umzug. Trotzdem haben die vielen Abgänge in St.Georgen zu Reden gegeben. Über die personellen Veränderungen wurden die Eltern kürzlich per Schreiben informiert.